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Alhari Lethrianon
"Haltet Stand!"
Antfael brüllte aus voller Seele über das getöse der Schlacht. Seit Stunden kämpften sie nun gegen den schier unendlichen Ansturm der Geießel.
Seit dem Fall von General Windläufer brachen die Verteidigungsringe der Quel'dorei immer schneller Zusammen. Nicht nur das die Quel'dorei wesentlich länger brauchten um ihre Reihen zu verstärken, auch das Auferstehen von bereits gefallenen Hochelfen - Unbekannte, Untergebene, Mitstreiter, Freunde - die nun im Dienste der Geißel standen stärkte den Vormarsch eben jener Untoten, die nach Blut trachteten.

Ein Horn erklang an der rechten Flanke. Antfael sah hinüber und sein Atem stockte kurz bei dem was er dort sah. Die rechte Abteilung seines Hauses zog sich unter verzweifelten Schreien zurück. Unter ihnen wüteten riesige Kreaturen, die aussahen als wären sie aus mehreren Teilen zusammen gesetzt. Sie metzelten die Soldaten seines Hauses nieder. Das waren keine Feiglinge - Im Gegenteil. Dies war der letzte stolze Rest den das Hause Lethrianon zum Schutz seiner Heimat der Geißel entgegenwerfen konnte. Die Kassari, die Elitetruppe des Hauses. Sowei das einzige Regiment der Ehrenwache, die rund um Antfael in heftige Gefechte verwickelt waren und Meter um Meter verloren.
"Sohkar! Blast zum Rückzug! Wir dürfen es nicht riskieren eingeschlossen zu werden. Vor einigen Stunden hörte ich ein Horn auf der linken Flanke. Wer weiß wie weit wir dort zurückgedrängt worden sind. General Cerainon hatte dort den Befehl. Ich hoffe er konnte sich retten.
Thasnak! Werft einen Drittel unserer Truppen in den Kampf, sie sollen unseren Rückzug decken!"
Sohkar, Hochlord des Hauses nickte nur knapp. Dann blies er das Horn. General Thasnak schrie Befehle und es bildete sich eine blaue, undurchdringliche Reihe aus Soldaten. Der Rest zog sich möglichst schnell aus der Gefahrenzone zurück.

Nach drei Meilen trafen die Quel'dorei aus dem Hause Lethrianon auf die erste Verteidigungslinie. Der Tross, angeführt von Antfael Lethrianon, wurde von den Verteidigern die noch nicht an der Front gewesen waren entmutigt angesehen. Alle Soldaten des Hauses waren Blut verschmiert. Es war entweder ihr Eigenes oder das ihrer Brüder und Schwestern. Als die Soldaten an ihrem Rastplatz ankamen Antfael von seinem schwarzen, gepanzerten Falkenschreiter.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn als ihm einige Bedienstete Wasser und Tücher anboten. Er Trank einen gierigen Schluck Wasser aus einer Karaffe und wollte sich gerade ein Stück Brot genehmigen als er Sie sah:

Die schlanke, kleine Quel'dorei saß auf einer Nachschubkiste. Ihr schönes, schmales Gesicht war Blutverschmiert. Sie saß zusammengesackt herum und starrte mit blau strahlenden, mandel förmigen Augen leer auf den Boden. Gekleidet war sie in feinste Tücher, die ein langes grünes Gewand bildeten. Das Blonde Haar hing ihr wild und verklebt im Gesicht herum. Bei diesem Anblick wurde Antfael zornig. Adern traten an Hals und Stirn hervor als er sich bemühte vor Wut nicht gegen einen Baum zu schlagen.
"Alhari, was suchst du hier!?" schrie Antfael.
Die Quel'dorei erschrak. Orientierungslos blickte sie im Getümmel umher. Als sie Antfael sah, zuckte sie zusammen. Sie sprang auf und mit gesenktem Kopf erwartete sie den Zorn des Elfen.
"Was suchst du hier!?", fragte Antfael abermals. "Warum bist du nicht in unserer Residenz in Silbermond, so wie ich es dir befohlen habe?"
Alhari neigte den Kopf noch tiefer und verbeugte sich vor dem hoch gewachsenen Quel'dorei. Leise flüsterte sie: "Ich habe keine Entschuldigung für meinen Ungehorsam, Vater! Ich wollte dem Haus dienen. So folgte ich euch nach Vater. Ich wartete hier und versorgte etliche Verwundete die hier eintrafen. Ist es wirklich so schlimm wie sie erzählen? Die Untoten? Sylvanas Windläufer..."
"Jetzt ist nicht die Zeit um deine Fragen zu beantworten!", sagte Antfael streng und sein eisiger Blick musterte Alhari. Er winkte zwei Bedienstete herbei, die gerade Anweisungen von Sohkar bekamen. Sie folgten seinem Aufruf.
"Bringt mir Wasser und Tücher", sagte er zu ihnen. Dann nahm er Daumen und Zeigefinger und hob Alhari's Kinn an. So das sie ihn ansehen konnte. Verunsichert, fast ängstlich sahen ihn die Augen seiner wunderschönen Tochter an. Es schmerzte ihn, liebte er sie doch aus ganzem Herzen. Nun am Abgrund der Gesellschaft wurde ihm klar, das er es ihr nie wirklich zeigen konnte. Als die Diener seine geforderten Gegenstände besorgt hatten, nutzte er Magie um das Wasser zu erwärmen. Er tauchte das Tuch in das nun angenehm warme Wasser und began sanft das Gesicht von Alhari zu säubern.
General Thasnak stürmte an und sagte außer Atem: "Mein Herr! General Cerainon..."
Antfael winkte ab. "Das muss warten!"
Als das Blut aus Alhari's Gesicht entfernt war, kam ihre makellose, sanfte Haut zum Vorschein.
Sanft strich er ihr über die Wange und erschrak als sie nach seiner Hand grif um sie dort zu halten. Antfael bemerkte das es die erste Berührung seit vielen Jahren war, die er seiner Tochter zuteil werden ließ.
"Mein Kind. Du wirst mir nun einen Wunsch erfüllen. Kehre um! Zurück nach Silbermond! Dort bist du in Sicherheit.
Sohkar! Da meine Worte wohl nicht ausreichen werden, werdet ihr meine Tochter nach Silbermond begleiten und für ihre weitere Sicherheit Sorge tragen. Ihr nehmt weiterhin 4 der besten Ehrenwachen"
Sohkar verneigte sich tief. "Ja Herr. Ihr wird nichts geschehen."
Antfael nickte, blickte zu Thasnak der die ganze Zeit in Habachtstellung auf weitere Anweisungen wartete.
"Es wird Zeit uns mit General Cerainon zu unterreden um weitere Verteidigungspläne zu erstellen."
Thasnak schaute ernst zu boden. "General Cerainon ist heute zur 16 Stunde an seinen Verletzungen erlegen. Leutnant Myndra hat nun das Kommando über die verbliebenen Truppen."
"Dann ist unsere Lage noch ernster als sie ohnehin schon war." mit einem letzten Blick wandte er sich von seiner Tochter ab. Und schritt mit Thasnak davon.

Alhari seufzte schwer. Sohkar legte ihr mit einem warmen Lächeln die Hand auf die Schulter.
"Er liebt euch, das wisst ihr. Es fällt ihm schwer dies zu zeigen. Er war immer Fürst des Hauses, wird dies immer sein und bleiben. Er führte das Haus seit Jahrzehnten mit Kraft und Stolz. Nun kommt, ihr werdet ihn wieder sehen."
Sanft schob Sohkar die zierliche Alhari in Richtung eines Falkenschreiters. Er winkte 4 der Soldaten der Ehrenwache herbei, die noch unverletzt und einigermaßen frisch aussahen herbei.
"Ihr da! Ihr werdet mich und die Fürstin nach Silbermond eskortieren. Nehmt euch einen der Falkenschreiter, hat jemand einen Einwand darf er diesen gerne mit dem Fürsten persönlich ausdiskutieren."
Die Soldaten salutierten und sahen ernst in Richtung Alhari. Sie hasste es, es war wie ein Gefängnis. Nie war sie außerhalb der Mauern ihrer Residenzen allein. Immer einen dieser Wachen in ihrem Schatten. Nicht einmal in ein Gespräch konnte man diese Soldaten verwickeln, zu ernst nahmen sie ihre Aufgabe. Sohkar half ihr auf den blauen Falkenschreiter. Dann bestieg er den roten daneben. Sie warteten bis die Soldaten Position bezogen hatten.
Dann machte sich der Truppe auf in Richtung Norden. Das Getöse von Kämpfen im Rücken immer leiser werdend.
Dies war das letzte mal das Alhari Lethrianon ihren Vater sah.

Aus den Chroniken des Hauses Lethrianon
Kapitel 35 Seite 6-9
Verfasst von Morten Sonnenpfeil
Magier und Chronist des Hauses Lethrianon

 
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