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Ashyndrala Blutregen

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[OOC] Hier folgt die Beschreibung meiner Todesritterin. Nicht in klassischer Steckbriefform, sondern verpackt in zwei Textpassagen, die unter anderem aufzeigen sollen, wie der Charakter konzipiert ist, wie sie so "tickt". Eventuell werde ich die Tage ein Bild anhängen, muss ich mal schauen. Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Lesen ;)

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  Bereits auf halbem Weg nach oben war plötzlich Totenstille eingetreten. Die zuvor deutlich hörbar gewesenen Kampfgeräusche und Schmerzensschreie waren verstummt und außer den Geräuschen, die ihre Rüstungen und ihr Atem hervorriefen, war nichts mehr zu hören. Wie ein Leichentuch aus absoluter Lautlosigkeit, dachte er. Und etwas überrascht registrierte er, dass es sich nicht nur über seine Umgebung ausgebreitet hatte, sondern gleichsam auch seine Seele zuzudecken versuchte. Etwas wie.... Ersticken. Liandar Tränenherz runzelte die Stirn, während er hinter der Kommandantin Stufe um Stufe weiter nach oben stieg. Ein Gefühl, das er vergessen geglaubt hatte. Angst, hervorgerufen durch Sorge.

  Die beiden Todesritter erreichten das obere Ende der Treppe. Ein kleiner Sockel nahm sie auf und bot genug Platz, als dass sie beide nebeneinander stehend in den angrenzenden Raum hinein sehen konnten. Er war rund. Die Decke war hoch und kuppelförmig. Die Wände waren gesäumt von Regalen, die vollgestopft worden waren mit allen möglichen Büchern und Schriftrollen. Der runde Tisch in der Mitte des Raumes war zerbrochen, die Stühle umgeworfen oder zurück geschoben. Der teuer wirkende rot-goldene Samtteppich war von dunklen Flecken geziert. Blut... Überall lagen erschlagene Mitglieder des so genannten Rates herum. Einige hatten offenbar versucht, ihr Heil in der Flucht zu suchen, wie ihre Anordnung auf dem Boden verriet. Nicht einer hatte es zur Tür geschafft. Der Raum glich einem Massengrab. Es lebte nichts mehr in ihm. Jedenfalls nicht so, wie man den Begriff „Leben“ im Allgemeinen definierte…

  Die inmitten des Raumes stehende Gestalt drehte sich in dem Moment zur Tür um, als sie gerade das obere Ende der Treppe erreicht hatten. Ihre schwarze Rüstung war blutverschmiert, ebenso wie die kolossale Axt in ihrer Rechten. Der Wappenrock hatte den ein oder anderen weiteren Riss hinnehmen müssen. Natürlich hatten ihre Gegner nicht kampflos aufgegeben. Zunächst... Bis sie begriffen hatten, dass sie chancenlos waren. Auch das leichenblasse Gesicht der Sin'dorei war von Blut gezeichnet. Aber es schien nicht ihr eigenes zu sein. Einige dicke Tropfen, die ihre linke Gesichtshälfte getroffen hatten und ein bizarres Muster darauf hinterließen, als sie der Schwerkraft folgten und hinab rannen. Wie Tränen, schoss es Liandar in den Kopf. Und wieder meinte er zu bemerken, wie eine Saite in ihm angeschlagen wurde, ganz tief verborgen, und längst tot geglaubt. Sekundenlang standen sich die Anwesenden wortlos gegenüber. Sekunden, während derer er nichts anderes tun konnte, als Ashyndrala zu mustern.

  Der Zauber des Augenblicks zerbrach, als sie eine ausholende Geste mit der Linken machte, die wohl das Massaker im Raum bezeichnen wollte und mit ihrem typisch kühlen Humor und kaltem Lächeln, und als wolle sie ein Festmahl beschreiben, verkündete: „Es ist angerichtet...“

 


  Er hörte das Geräusch, während er näher kam. Ein bekanntes Geräusch, aber in seiner momentanen Stimmung schien es dafür gemacht zu sein, ihm den letzten Nerv zu rauben. Ein mechanisch klingendes, gleichmäßiges Schaben, das während seiner Dauer den Ton änderte und dann plötzlich abbrach. Allerdings nur, um gleich darauf von neuem zu erklingen, immer und immer wieder. Mit der Regelmäßigkeit einer Maschine. Er wusste, was er sehen würde, wenn er um die Ecke in den Raum hinein trat. Er sollte Recht behalten.

  Die schlanke Gestalt der Blutelfe saß auf einem Stuhl, ein Bein angewinkelt, das andere etwas von sich gestreckt. Auf ihrem Schoss lag die runengeschmiedete Axt, die sie stets bei sich hatte. Liandar war sich sicher, dass sie sie nicht einmal weiter als einen halben Meter von sich weg legte, wenn sie schlief. Falls sie überhaupt schlief, hieß das... Mit einem neuen schabenden Geräusch führte Ashyndralas weiße Hand den Schleifstein über das Axtblatt. Rrrrrssscccchhhh! Wenn sie ihn bemerkt hatte, beachtete sie ihn nicht weiter. Zumindest nicht, bis er entschlossen weiter in den Raum hinein trat und sie stumm ansah. Tatsächlich hielt sie daraufhin in ihrem Tun inne und sah auf. Ihr Blick war kühl, neutral und irgendwie ausdruckslos, wie immer. Und wie immer, wenn sie ihn so anschaute, hatte er das Gefühl innerlich einen weiteren kleinen Tod zu sterben.

  Sie erinnerte sich nicht. Immer noch nicht. Es hatte sich kaum etwas an ihr geändert, selbst nachdem sie aus dem Griff des Lichkönigs befreit worden waren. Sie war das geblieben, was er aus ihnen allen damals gemacht hatte. Eine gewissenlose Tötungsmaschine. Eine Massenvernichtungswaffe, die nur auf ihren Einsatzbefehl wartete. Während er in den Augen und in der Stimme der Kommandantin deutlich heraus las, dass ein Teil der Gefühle, die auch die Lebenden hatten, zurück gekehrt war, oder vielleicht auch schon vorher immer da gewesen war, so hatte sich Ashyndralas Zustand kaum geändert. Natürlich war sie ein denkendes Wesen, das nun auch wieder über einen wirklich freien Willen verfügte und sich ihrer Truppe gegenüber mit unerschütterlicher Loyalität verhielt. Aber sonst...

  „Was wollt Ihr?“

  Ihre Worte klangen hart, ein unwirkliches Echo begleitete ihre Stimme. Keine Emotion, dachte er. Keine Gefühlsregung, nichts...

  „Ich wollte sehen, wie es dir geht“, antwortete er und zog sich einen Stuhl heran.

  Während er sich setzte, konnte er den prüfenden Blick spüren, mit dem ihre Augen seine Gestalt musterten. In einem Spiegel an der gegenüber liegenden Wand konnte ihr und sein Spiegelbild sehen. Etwas erstaunt stellte er fest, dass man ihm kaum etwas von seinen Emotionen ansah. Seine Gesichtszüge wirkten ernst, kantig. Seine Haut war fast so fahl wie ihre, nur nicht ganz so weiß. Aber vielleicht hatte es auch nur den Anschein, weil sein schneeweißes Haar nicht den krassen Kontrast dazu bilden konnte, wie es das Blauschwarz bei ihr tat.

  „Warum?“, fragte sie in diesem Moment. Eine leichte Falte war auf ihrer Stirn erschienen. „Wisst Ihr nicht, wohin mit Eurer Zeit?“

  „Du hast meine Frage nicht beantwortet“, erinnerte er sie. Seine Stimme klang tief und ruhig, von demselben hallenden Klang begleitet, der Todesrittern häufig zu eigen war. Dennoch war eine Geduld heraus zu hören, von der er eigentlich selber nicht wusste, woher er sie noch nahm...

  „Ihr habt keine gestellt“, versetzte sie nüchtern.

  „Wie geht es dir?“

  „Gut“, antwortete sie. „Ich habe vor zwei Stunden ein mittleres Massaker unter einigen Geißeldienern angerichtet...“

  Mit einem fast verzweifelten Seufzen ließ er die Schultern sinken. „Ashyndrala! Es gibt mehr im Leben, als immer nur zu töten, zu töten und zu töten!“

  Sie sah ihn an. Das schlimmste an ihrem Blick war nicht die emotionslose Kälte, die scheinbar niemals daraus verschwinden wollte. Das schlimmste war der Ausdruck, der ihm verriet, dass sie keinerlei Ahnung hatte, was er meinte.

  „Ich verstehe nicht, wovon Ihr sprecht“, bestätigte sie in diesem Moment seine Gedanken. Da war kein Vorwurf in ihrer Stimme. Eine stumpfe sachliche Feststellung, mehr nicht. Vermutlich hätte es ihm sogar weniger Schmerz bereitet, wenn sie ihm mit offenkundiger Ablehnung begegnet wäre. Irgendetwas, das zeigte, dass in diesem Körper noch ein Funken von Leben erhalten geblieben war.

  „Was glaubst du, warum wir existieren?“, fragte er und zwang sich selbst dazu weiter ruhig zu bleiben.

  „Rache“, kam fast augenblicklich die Antwort.

  „Wir stehen vor den Toren der Eiskronenzitadelle. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er fallen wird. Und dann? Was kommt danach?“

  „Das, was die Kommandantin befielt.“

  Er schüttelte unwillig den Kopf. „Shyn! Du musst wieder anfangen, für dich selbst zu denken und zu handeln! Sonst wird irgendwann nichts anderes zurück bleiben, als eine leere, sinnlose Hülle. Irgendwann wird es vielleicht keinen Krieg mehr geben oder keine Gegner die man töten kann.“

  „Die Welt ist voller Gegner“, behauptete sie und erhob sich. Mit der Rechten griff sie dabei die Axt. „Was stört Euch so am Töten, Tränenherz? Früher hat es uns auch nicht gekümmert. Ihr werdet weich. Vielleicht habt Ihr zu viel mit den Menschen des Argentumkreuzzugs zu tun. Nur dadurch, dass wir töten, erreichen wir so etwas wie Frieden in unserem Inneren.“

  Ohne ein weiteres Wort verließ sie den Raum. Er blieb allein zurück und sah ihr nach. „Nein“, sagte er dann wie zu sich selbst, „nicht nur dadurch....“

  Aber dennoch hatten ihre Worte ihn nachdenklich gemacht. Vielleicht verspürte sie doch etwas, das Gefühlen ähnlich war. Vielleicht konnte sie Leid empfinden. Ein Gefühl, das über körperlichen Schmerz hinaus ging... Ihr letzter Satz hallte in seinem Kopf nach. Er würde mit der Kommandantin darüber sprechen. Vielleicht war das der Weg, über den sie sich erinnern würde...
Realität ist nur ein Mangel an Rollenspiel.
Beitrag #1794 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Bravo! Echt toll geschrieben. Gefällt mir :)
Beitrag #1803 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Danke :)
Realität ist nur ein Mangel an Rollenspiel.
Beitrag #1815 erstellt am: / Zuletzt geändert am: