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Tagebuch der Kalinora

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Hallo Zusammen :-)


Da sich dieser Server das Rollenspiel "auf die Fahne" geschrieben hat, möchte ich euch hier eine Idee präsentieren, bei der ich mich freuen würde, wenn es Nachahmer gibt, aber eines vorneweg: ich bin KEINE Hardcorerollenspielerin, bin euch also nicht böse, wenn ihr das nicht übernehmen möchtet oder es sogar daneben findet. Im Falle des letzeren Urteils bitte ich aber darum, euch etwas zurück zu halten. Keine Antworten hier sagen mir genauso viel, geben aber viel weniger Anstoss zu Ärgernissen, als wenn ihr mich zerfleischt. ;-)


Der Hauptgrund für diesen Thread ist meine (Schatten-)Priesterin Kalinora. Um gleich zu Beginn alle möglichen Missverständnisse aus der Welt zu schaffen: ich, Monique, bin NICHT Kalinora! :-)

 

Ich versuche aber wieder einmal ein Experiment, das mir bisher noch nie so richtig geglückt ist, nämlich eine Charakter zu spielen, der etwas hintertrieben ist, vielleicht arrogant, aber auf jeden Fall sehr selbstbezogen und eher unsympathisch rüber kommen soll. Zumindest bei allen, die sich dem Licht verschrieben haben oder sich auf dieses berufen. Ob ich das wirklich schaffe, weiss ich noch nicht, aber eines ist sicher: sie wird ein reiner Rollenspiel-Charakter, der nur die Quests annimmt, von der sie sich etwas verspricht, sich ansonsten aber irgendwie durch die Welt zu schlagen versucht.

 

Natürlich kann ich nicht jede Begebenheit rollenspielerisch erfassen, das würde mich etwas zu viel Zeit kosten, aber immer mal wieder so einen kleinen Einblick ins Denken und Handeln meiner Priesterin sollte ich schon schaffen, wenn es denn gewünscht wäre.


So, nun aber im nächsten Posting zum IC-Tagebuch.

Viel Spass beim Lesen!

 

Liebe Grüsse

Monique

Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
Beitrag #70 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Dieser elende Regen ruinierte meine ganzen Kleider! Durchnässt bis auf die Haut kam ich in der Garnison an, schrecklich anzuschauen mit meinen triefenden Haaren. Und das Einzige, was ich noch Trockenes bei mir hatte, waren ein paar Handschuhe! Handschuhe, man stelle sich das vor! 'Na, wenigstens trockene Hände', dachte ich mir und zerrte meinen Gaul wieder ins Freie. Schliesslich hatte ich nicht vor, hier zu bleiben, sondern wollte... na ja, eigentlich wollte ich mich in erster Linie darum kümmern, wieder einmal etwas Stoff zu besorgen. So günstig, wie möglich, natürlich. Und irgendwie hatte ich gehört, dass es hier von Gnollen nur so wimmle. So meinte es wenigstens der Kommandant, der mich hierher schickte, um "meine Hilfe anzubieten". Ha, was der sich wohl denkt! Bin ich denn seine Laufbotin und seine Handlangerin noch dazu?! Pah, ich weiss schon, was ich hier machen könnte, aber mit Hilfe hat das nicht wirklich etwas zu tun! Aber natürlich, schliesslich weiss er ja, dass ich "im Dienste der Kirche unterwegs" bin. Soll er doch glauben, was er will. Ist ja nur ein dummer Soldat, von dem will ich weder etwas, noch erwarte ich etwas von ihm. Schon gar kein helles Köpfchen.

 

Irgendwie hatte ich vorhin schon im Vorbeilaufen etwas kurz wahrgenommen, eine kleine Gestalt auf einem Pferd. Jetzt erst konnte ich sie näher betrachten und erkannte, dass es sich um einen Gnom handelet. Wie der es nur schaffte, in diesem strömenden Regen so stoisch auf seinem Pferd zu sitzen und .... zu warten?! 'Na, wahrscheinlich studiert er wieder an irgendeinem komplizierten Ingenieur-Zeugs herum und merkt nicht einmal, dass es regnet! Typisch Gnome, wie könnte es anders sein!'

 

Na ja, so kann man sich täuschen, oder auch nicht, wer weiss es denn schon...

 

Jedenfalls begrüsste er gerade einen Nachtelfen, als ich näher trat, und ich bekam mit, dass sie sich auf den Weg machen wollten, diesen Hogger zu erledigen, von dem ein Kopfgeld-Plakat kündete. Und wieder einmal kam mir meine Rolle als "Vertreterin der Kirche" zu Gute - sie luden mich ein, mit zu kommen. Natürlich sagte ich nicht nein, was hätte ich mir besseres wünschen können: Ein Begleit-Trupp, wenn auch ein kleiner, der mir freiwillig Geleitschutz ins Territorium der Gnolle gab!

 

Dummerweise rutschte mir ein "versprecht Euch nicht zu viel von mir" heraus, ehe ich meine Zunge beherrschen konnte! Sowas Ärgerliches aber auch! Manchmal könnte ich mich ohrfeigen! Dass ich dieses höflich-höfische Getue der Priester-Seminare nicht endlich ablegen kann, aber auch! Na, zumindest der Spruch des Nachtelfen tröstete mich über diesen Fehltritt hinweg. Mit einem schmunzelnden Seitenblick zum Gnom, der bereits voraus ritt, meinte er: "Auch eine kleine Hilfe kann eine grosse Hilfe sein!"

 

Wie gross diese Hilfe sein kann, sah ich erst, als wir das erste Lager der Trolle erreichten. Von wegen Ingenieurs-Zeugs - da kam doch tatsächlich ein waschechter Hexenmeister hervor! Der quirlige Diener, den er herauf beschwor, war mir zwar etwas zu nervös mit seinem Herumgehüpfe -das hätte ich ihm schnell ausgetrieben, wenn er meiner wäre!-, aber so eine helfende Figur mehr ist doch schon was. Zumal ich mich um ihn nicht zu kümmern brauchte, geht mich ja nichts an, dieses Dämonenzeugs. Kann der Hexenmeister ja wieder beschwören, wenn er erliegt. Praktisch ist das ja schon... Vielleicht sollte ich ihn mal fragen, ob er mir nicht so einen Spruch beibringen... Na ja, er wird einer Fremden wohl nicht gerade seine Geheimnisse verraten, also erst Mal ... gute Miene zum bösen Spiel machen... Kann ich doch gut, weiss ich doch!

 

Trotzdem, irgendwie war heute nicht mein Tag. Mitten im Getümmel bekam ich einen derartigen Schlag auf den Kopf, dass ich zuerst Sterne, und dann gar nichts mehr sah... Stunden später, so kam es mir vor, nach einem seltsamen Traum, in dem ich mich selbst als Geist meilenweit laufen sah, kam ich mit brummendem Schädel wieder zu mir... Gnom und Nachtelf plänkelten noch immer in der Nähe herum, also revidierte ich mein Zeitgefühl und schloss wieder auf. Irgendwie schienen sie es gar nicht mitbekommen zu haben, während sie die Gnolle allesamt erledigt hatten, und diese wiederum schienen mich für tot gehalten zu haben. Jedenfalls war mein ... kurzer Zusammenbruch ohne Folgen gewesen, und wir standen gleich darauf vor diesem Hogger. Da ich mir das Kopfgeld - oder vielmehr das" Tatzen-Geld"- nicht entgehen lassen wollte, gab ich mein Bestes - und konnte zufrieden sein. Diesem widerlichen Vieh nachher eine seiner vier Tatzen abzuhacken, war einer der Höhepunkte dieses Tages. Ich schaffte es sogar, mich nicht zu sehr mit Blut zu besudeln. Zum Glück regnete es, das wusch Kleid und Hände recht schnell wieder rein...

 

Der Herr Hexenmeister -hm.... der Name ist mir grad entfallen.... nein! wir haben uns ja gar nicht vorgestellt, wahrscheinlich wollten wir alle die Sache einfach nur schnell hinter uns bringen und zurück in die warme Stube oder so.... egal, ich werde ihn wiedererkennen- der Hexenmeister deutete auf jeden Fall an, dass er "tief in Eurer Schuld" stehe. Sicher meinte er mich, schliesslich habe ich ihm mehrmals das Leben gerettet, mit meinen Heilkünsten! Ich betrachtete dies als Angebot und versprach, früher oder später darauf zurück zu kommen. Sicherlich gibt es irgendwann mal eine Situation, in der ein Hexenmeister an meiner Seite ein gutes Bild machen könnte... Der nachtelfische Bogenschütze gab auch noch seinen huldvollen Senf dazu, und dann hatte der Gnom die einzig richtige, gute Idee: von hier zu verschwinden und die Belohnung einzukassieren. Wäre ich ihm doch nur gefolgt! Aber nein....

 

Der Nachtelf machte mir doch tatsächlich das Angebot, mit ihm noch ein paar Gnolle zu erledigen -er brauchte irgendwas von ihnen- und in eine Gemeinschaft einzutreten. Wieder ein Angebot, das ich nicht abschlagen konnte! Es konnte ja nicht schaden, mir die Sache mal anzuschauen, dann wüsste ich zumindest einen Ort, an dem ich jederzeit nach Hilfskräften Ausschau halten konnte... Aber erst noch ein paar Gnolle... leider dauerte es nicht lange, bis ich wieder einen solchen Schlag auf den Kopf bekam, und denselben Traum nochmal erlebte...

 

Überhaupt seltsam, diese Sache, ich hoffe doch sehr, dass mein Kopf keinen Schaden davon getragen hat!! Ich habe keine Lust, nun immer wieder diesen öden Traum vom Geisterlaufen zu erleben! Wenn doch, werde ich mit dem Jäger ein ernstes Wort zu reden haben, schliesslich habe ich es ihm zu verdanken, dass dies geschah!

 

Jedenfalls gab ich irgendwann auf, sprach im Traum mit dieser anderen, grossen Geistgestalt, die mich mit ihrem Licht so unverschämt blendete - und erwachte -wieder mit brummendem Schädel- in der Nähe von Goldhain... Keine Ahnung, wer mich dort hin gebracht hatte, der Nachtelf vielleicht? Oder der Hexenmeister?

 

Nun, diesmal schien die Ohnmacht doch etwas länger angedauert zu haben, wenn ich das verpasst hatte.... Schnell durchsuchte ich meine Habseligkeiten, aber es ist mir tatsächlich nichts abhanden gekommen! Wer auch immer mich herbrachte, er muss einer der ganz Guten sein, hat sich noch nicht einmal eine kleine Belohnung geholt. Selber Schuld, im Wachzustand erhält er von mir auf jeden Fall nichts! Kann ja jeder kommen und sagen "Werte Priesterin, ich habe Euch in Sicherheit gebracht!" Und dann noch Forderungen stellen, na sowas aber auch, wie kommt mir der denn! ..... aber ich schweife ab.... Tatze abgegeben, Kopfgeld kassiert - und mich ins Gasthaus zurück gezogen, um die ganzen Stofffetzen zu waschen und nach brauchbaren Teilen zu durchsuchen.

 

Praktisch, dass sich diese Gnolle in Leinentücher wickeln, auch wenn diese verflixt schmutzig und stinkend daher kommen. Seltsame Modevorstellungen haben diese Kreaturen. Aber was soll's, ich habe mein Ziel für heute erreicht und habe für die nächsten Tage wieder Arbeit. Zeit, mich endlich richtig einzukleiden, damit ich wenigstens bei Regen etwas zum Wechseln habe!

Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
Beitrag #71 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Heilig's Blechle !

Was hier in dem Forum seit kurzem abgeht - der helle Wahnsinn.

Dabei ist die Webseite noch nicht mal fertig geschrieben und entwickelt.

Auf jeden Fall wird es den Magnus freuen, wenn er dein Posting liest. Ich glaub, der wir ab sofort keine Skripte mehr machen und nur noch mit dir spielen

Vielleicht kann er hier auch mal ein bisschen über das Rollenspiel Konzept, dass er im Kopf hat schreiben.


Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. (Albert Einstein)
Beitrag #87 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Donnerwetter, hier gibt's ja Geschichten. Wenn es nicht schon so spät wär, wüsst ich auch noch welche zu erzählen.

Aber das mit dem Regen lässt mir auch keine Ruhe, erst die kargen Winter, jetzt dieser durchnässte Frühling. Das waren noch Zeiten als ich früher als Magier für das Wetter in Sturmwind zuständig war. Da gab es deutlich mehr Sonnenschein. Nun hab ich andere Pflichten und hoffe, dass sich bald jüngere Magier des Wetters annehmen werden. Mir hilft da nur mein breitkrempiger Hut, ohne den ich das Haus nie verlasse. Wobei das Haus verlassen ? Eigentlich nur um in die nächste Kneipe zu spurten. Da ist es schön gemütlich, auch wenn etwas einsam in der letzten Zeit.

Kalinora, du möchtest also eine arrogante Zicke sein ?  Vergiss es! Meet Magnus und erliege seinem Charme. Er spielt mit dem Feuer, kein Wunder als Feuermagier.

Humor ist ein Zeichen, dass die lustige Seite des Lebens ernst genommen wird.
Beitrag #94 erstellt am: / Zuletzt geändert am:


Das geheimnissvolle Horn

Mein Blutelf Jäger lagerte nahe dem Wegekreuz in Kalimdor, nach guten gebratenen Wild und einem herrlichen Sternenhimmel, schlief ich ein.

Am nächsten Morgen wachte ich schweissgebadet und verwundert auf, im Traum begegnete mir eine Jägerin von den Orcs, sie zeigte mir ein reich verziertes Horn, das aus einem Kodoknochen geschnitzt wurde,ausserdem sah ich schemenhaft ein Tier das laut brüllte.

Was wollte mir wohl die Jägerin damit sagen ?

Nun gut sagte ich mir " Das war nur ein Traum ! ", ich brach mein Lager ab und besuchte eine Siedlung.
Als ich dort ankam traute ich meinen Augen nicht, da stand diese Jägerin die ich in der Nacht im Traume sah.

Ich zögerte nicht lang und sprach die Jägerin auf meinem Traum an, sie erzählte mir das ihr Mann dieses Horn bei einem riesigen Kodoskelett fand...SW von der Siedlung nahe einem Gebirge.

Er wollte das Horn bei der nächsten Gelegenheit genau an dieser Stelle benutzen, doch es kam nicht dazu, denn er wurde zum Herr von Orgrimmar berufen, zum Kampfe gegen die Allianz, bei der Schlacht um die Festung Stormgarde ist er leider gefallen.

Die Jägerin machte mir das Angebot mir das Horn zu überlassen, mit dem man angeblich ein geisterhaftes Tier herbeirufen kann, unter einer Bedingung "Ich sollte das Tier töten und ihr das Fell bringen. "

Nun ich nahm das Angebot an, und machte mich auf den Weg zur besagten Stelle, als ich dort angekommen bin, schlug ich erst einmal mein Lager auf, machte Feuer, und stelle ein Holzgestell auf wo ich von der Jagdt erbeutete Felle trocknen konnte.

Dann bereitete ich meine Pfeile vor und härtete die Metallspitzen über dem Lagerfeuer, die aus einem magischen Metall bestanden, das in dem Ruf stand auch Untote Wesen zur Strecke zu bringen.

Als es Abend wurde ging ich zu dem Kodoskelett und blies dieses Horn.

Was war das ? Ein grauenhafter lauter Ton, ein knistern in der Luft, meine Nackenhaare stellten sich hoch, und dann materialisierte sich ein schemenhafter weisser Löwe, der immer mehr normale Gestalt annahm.
Er starrte mich mit seinen Augen an, knurrte unsagbar böse.

Ich spante meinen Bogen für den tödlichen Schuss, doch wie ich dieses seltene Tier anschaute, das herrliche weisse Fell, die Muskeln der Läufe und Klauen, sagte ich mir "Nein dieses Tier tötest du nicht, fange es ein und zähme es "

Also packte ich meine Zähmrute aus, die mit magischen Zauberrunen besetzt war, um Tiere bei Erfolg direkt zahm zu machen und aktivierte sie.

Nun attackierte mich der Löwe und beharkte mich mit seinen Klauen fast bis zur Bewusstlosigkeit, denn ihr müsst wissen, das die magische Zähmrute eine gewisse Zeit braucht um ihre Kraft zu entfalten, doch im letzten Moment gab es ein leises Pfeifen, und die Rute hatte ihn ruhig gestellt.

Mächtig Stolz auf meinen einzigartigen Begleiter überlegte ich mir jetzt wo bekomme ich ein Fell für die Jägerin her ? denn weisse Löwen gibt es in Kalimdor nicht, da kam mir eine Idee, ich besorgte mir ein Fell eines normalen Löwen, legte es auf das Holzgestell bei meinem Lager und liess es 1 Woche in der Luft ausbleichen.

Die braunen Farbpigmente verblassten immer mehr und das Fell wurde weisser und weisser, bis ich mein Lager abbrechen konnte und es der Jägerin übergab, sie war zufrieden und ich war Besitzer eines einzigartigen Tieres, das mir noch in vielen Kämpfen beistand.




Beitrag #98 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Als ich heute grad meine Stiefel vor meinem Turm zum Auslüften hinaus stellte, meinte ich in der Stille ratternde Geräusche aus Richtung Westfall zu hören. Ich konnte das kaum glauben, doch an manchen windstillen Tagen hört man den Lärm dieser nervtötenden Erntemaschinen bis in den Wald von Elwyn. Die Dinger sind alt und rostig, machen einen Höllenlärm und funktionieren meist auch nicht so wie es die Bauern gern hätten. Trotzdem, in der letzten Zeit war es recht ruhig in Westfall. Was mag da passiert sein ? So bin ich mal schnell herunter geritten und musste auch nicht lange suchen, bis mir auf einem Ackerfeld eine wild herumhüpfende junge Dame auffiel. Kalinora, 16, angehende Priesterin.

Es verwunderte mich jetzt nicht mehr, dass der Lärm bis zu  mir vorgedrungen war, so wie sie die Erntemaschinen traktierte. Wahrscheinlich war Bauer Saldean wieder mal unzufrieden mit diesen Dinger. Allerdings frage ich mich, ob eine anständige Reparatur der Erntemaschinen langfristig nicht die klügere Lösung wäre, anstelle immer nur mit dem Knüppel drauf zu schlagen. Ich lehnte mich an einen Zaun und stellte beim Zuschauen schnell fest, dass Kalinora sich gar nicht so ungeschickt anstellte, auch ohne Hilfe ihrer Gildenmitglieder. Allerdings war sie doch so konzentriert bei der Arbeit, dass sie mich gar nicht bemerkte. Obwohl ich noch meinen schönsten Hut aufgesetzt hatte. Ich beschloss Ihre Intelligenz mit etwas Magie aufzuwerten, was sie auch sofort zur Kenntnis nahm. So kamen wir dann doch noch ins Gespräch. Das Mädel war offenbar etwas knapp bei Kasse und liesst sich ihre Mühen von Bauer Saledan gut bezahlen. Und ein schönes Kleid hat sie obendrauf auch noch bekommen, allerdings stellten wir beide recht bald fest, dass das undefinierbare Braun des Kleides irgendwie nicht optimal zu ihren schönen blauen Augen passte.

Als wir uns da gerade so charmant unterhielten, wollte Kalinora mir ihr neustes Rezept backen: Eine leckere Leberpastete. Doch, wirklich - wir Magier sind ganz versessen auf Leberpastete. Auf jeden Fall, wenn sie von blauäugigen jungen Priesterinnen zubereitet werden. Eine Leberpastete besteht, was nicht wirklich verwundert, hauptsächlich aus Leber. Dazu mussten auf dem nahe gelegenen Wiesenhang ein paar Sauen von ihrem irdischen Leben in eine bessere Zukunft befördert werden. Wobei es sich bei den Ebern um eine recht seltsame Rasse zu handeln schien. Einige hatten gar keine Leber, dafür hatten andere offenbar irgendwelchen Kram verschluckt.
Die Frau von Bauer Saledan hatte bereits ihren Steinofen eingeheizt und ich muss sagen Kalinora versteht es aus einfachen Zutaten etwas Leckeres zu kochen.

Ihr Reiseweg lag auf meinem Weg nach Hause am Spiegelsee und so kam es, dass sie sich vor meiner Tür winkend verabschiedete. Wer so gut kocht, hat noch viel Potential. Ich denke, es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir von der Priesterin hören.
Humor ist ein Zeichen, dass die lustige Seite des Lebens ernst genommen wird.
Beitrag #116 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Kalinora schreckte aus dem Schlaf hoch, blickte sich kurz verwirrt um, um gleich darauf mit einer Hand stöhnend nach ihrem Kopf zu greifen. Mit einem würgenden Laut liess sie sich wieder zurück sinken und klammerte sich mit der anderen Hand krampfhaft an der Bettkante fest. Doch auch das brachte keine Besserung. Trotz geschlossener Augen drehte sich alles, Raum, Bett, Kopf, Magen... Sie fühlte sich sterbenselend...

 

'Was war das gestern für ein Tag gewesen! ... .... ..... ? .... ! .......... Ja .... Was war das gestern für ein Tag gewesen?? .......... '

 

In einem plötzlichen Schrecken riss Kalinora die Augen wieder auf, nahm die Hand vom Kopf -die Bettkante loszulassen, wagte sie noch nicht- und begutachtete sie, so gut es durch den Nebel des Kopfschmerzes eben ging.

'Die Proportionen scheinen normal zu sein, die Hautfarbe auch...', sie nahm vorsichtig eine Haarsträhne zwischen ihre Finger und führte sie behutsam vor die Augen. 'Platinblond, wie immer.' Erleichtert schloss sie die Augen wieder - um im nächsten Moment nachdenklich die Stirn zu runzeln. 'Warum war das eben so wichtig gewesen?? Wie sollten meine Haare denn sonst aussehen?'

 

Ein Fauchen vor der Tür liess sie erneut gequält aufstöhnen und brachte gleichzeitig ein Stück Erinnerung zurück. 'Ach ja, mein starkes, schönes Kätzchen!' Sie kicherte kurz, was ihrem Magen aber nicht so gut bekam, weshalb sie schleunigst wieder damit aufhörte. 'Das war ein Spass gewesen! Dieser Hexer ist ein Teufelskerl, mit seinen Tricks. Aber wenn er mir das nächste Mal wieder diese abscheulichen grünen Haare verpasst, werde ich.....!'

"Starkmantel!! ..... aahh....." Ihre eigene, empörte Stimme bohrte sich wie ein Pfeil durch ihren Kopf und nun krampften sich beide Hände in die Bettdecke. 'Dieser elende Kerl lässt mich diese Bande jagen, verspricht mir einen billigen Zauberstab, schickt mich ohne Eskorte durch den Düsterwald - nur um im Rotkammgebirge .... ja, was denn? -- Ach ja, der Brief! Die machen doch tatsächlich Geschäfte mit Goblins, Kobolden und Gnollen!! Man stelle sich das vor! Mit Goblins! Jetzt weiss ich auch, wer diese Fehlkonstruktionen von Erntebehütern auf die Felder schickt. Ablenkungsmanöver, allesamt...'

 

Das Zimmer schien doch nicht in einem Schiff im Sturm zu liegen, oder der Magus hatte es doch noch geschafft, einen herbei zu rufen und auch wieder zu besänftigen. Zumindest blieb das Bett nun endlich an Ort und Stelle. Sie setzte sich langsam auf, was beim dritten Mal auch tatsächlich klappte, goss Wasser in eine Schale und begann, sich zu waschen. Ihr Spiegelbild blickte ihr bleich und kränklich entgegen, aber es war zumindest ihr eigenes. Wenn nur diese Kopfschmerzen nicht wären!

'Das hat bestimmt mit dem Zauber des Hexers zu tun. So eine täuschend echte Verwandlung in eine Nachtelfe muss ja Auswirkungen haben, das geht doch nicht spurlos an einem vorbei. Aber amüsant war es. Wie viele "Nachtelfen wie wir" sich wohl auf dem Schiff befunden haben? Ihr Begleiter hatte sich von diesem Gedanken ja recht beeindrucken lassen.'

 

Ein breites Grinsen glitt über ihr Gesicht, als sie sich an das erneute Kreuzen ihrer Wege erinnerte. Ein warmer Sommerregen hatte die trockene Hitze von Westfall ein wenig gemildert und den Staub aus der Luft gewaschen, weshalb sie sich mit einer leichten Sommerbluse begnügt hatte. Es war so leicht gewesen, die Defias zu täuschen, bis sie zu spät ihre Absicht realisierten. 'Sie haben mit dem Tod dafür bezahlt, mich für eine ihrer eigenen Schnepfen zu halten!'

Sie schlüpfte in ihr Kleid und hielt einen Moment sinnierend inne. Irgendwie war da doch noch etwas gewesen. Ihr Begleiter hatte sich ihr angeschlossen, über den Dolchhügel, durch den Düsterwald, ins Rotkammgebirge..... ....... Und dann hatte er sie zum Hexer geführt, der ihnen geholfen hatte, die Nachtelfen zu überlisten um einen ihrer Reitsäbler zu erwerben....

'Der Hexer war in Sturmwind. ..... Ach ja, ich bin ja hingeflogen, während ich den Brief las .... Aber warum eigentlich nach Sturmwind? Ich hätte doch nach Westfall zurück reisen müssen..... ... Moment.... .... langsam.... .... Der andere.... er hatte Durst..... und lud mich auf einen Drink ein.... Aber es gab nichts, woran ich Interesse gehabt hätte.... darum .... ..... .......'

 

Sie zuckte mit den Schultern, erhob sich, packte ihre Sachen und öffnete die Tür. Geblendet schloss sie die Augen, als die bereits hochstehende Sonne ihre Strahlen durch ihren Kopf zu bohren schienen.

'Darum hat er mich zum Hexer geführt, damit sich für mich der Umweg wenigstens lohnte. Seltsam... irgendwie habe ich den Eindruck... ach ja, er hat ja beim Reiten und Fliegen schon so viel getrunken, dass ihm der Wirt nichts mehr geben wollte! Zum Glück kann mir so etwas nie passieren, schliesslich fasse ich ja keinen Alkohol an!'

 

Sie trat vor die Tür und ging behutsam auf den Reitsäbler zu. "Guten Morgen, mein Kätzchen, ich bin es, erkennst du mich noch? Ich bin das Elfchen von gestern, das mit den grünen Haaren, weisst du noch?"

Sie tätschelte den Hals des Säblers, kraulte ihn hinter dem Ohr und warf ihm einige Fleischstücke zum Frühstück vor die Pfoten, was ihren eigenen Magen erneut rebellieren liess.

'Irgendwie muss ich mit diesem Hexer ein klares Wörtchen reden, dieser Zauber hat ja Nachwirkungen, die sind nicht in Ordnung. Da muss er unbedingt etwas daran ändern, so geht das nicht! Entweder muss er mir Schmerzensgeld zahlen, oder der Magus. Schliesslich war es ja seine Idee. ..... Und überhaupt: der hat mir meine Kräuter nicht zurück gegeben! --- und ich habe diese Krallen für seine Kette noch.....'

 

Die ersten paar Schritte des Säblers konzentrierten ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihren Magen.

 

'Worauf habe ich mich da nur eingelassen! Kopfschmerzen, Schwindel, Licht- und Lärmempfindlichkeit und auch noch Übelkeit - das ist ja nicht zum Aushalten!'

Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
Beitrag #128 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Heute glaubte ich, mich tritt ein Pferd! Seltsame Dinge geschehen in den Östlichen Königreichen ...

 

Nach einer weitläufigen Erkundungstour durch den Düsterwald und das Rotkammgebirge und einem kurzen Abstecher nach Westfall, begab ich mich wieder einmal nach Sturmwind.

 

Georgio Bolero wollte mich noch immer nicht weiter ausbilden, sprach von "mangelnder Erfahrung" und etwas mehr Übungszeit, die er mir zur Verfügung stellen wolle. Aber eigentlich wollte er mir doch einfach die Muster für den Smoking nicht zeigen, um den Leyn mich gebeten hat! Der gute Georgio hat da seine eigene Einstellung, was Damen- und Herrenschneiderei betrifft: ein Schneider vermag selbstverständlich beides perfekt zu beherrschen, aber eine Schneiderin - soll sich eher mit Kinderkleidung beschäftigen, als mit edlen Herrenanzügen.

 

Nun gut, etwas enttäuscht war ich schon, irgendwie, aber was solls.... Irgendwann finde ich jemanden, der mir das beibringt. Es muss ja nicht Georgio sein, und Zeit habe ich auch, denn Leyn sagte, dass es noch etwas dauere, bis er sein Vorhaben in die Tat umsetzen könne.

 

Der Tag war noch jung, der Sturmwind tobte -wie meistens in Sturmwind- und so lenkte ich meinen Reitsäbler eiligst zur Kathedrale. Ich wollte Bruder Benjamin mal wieder einen Besuch abstatten, um mich unterrichten zu lassen und wenigstens etwas Lehrreiches an diesem Tag zu hören... Aber was dann geschah, ..... verstehe ich noch immer nicht!

 

Bruder Kristoff kam mir vor der Kathedrale gerade entgegen und winkte mich zu sich. Er bat mich, für ihn doch schnell in die Bibliothek des Schlosses zu gehen, um ihm dort ein Buch zu beschaffen. Doch nicht etwa eines über die verschiedenen Lehren der Völker, mit denen sie ihre Götterwelten beschreiben, auch nicht eines, das der Vertiefung seines eigenen Glaubens dienlich wäre, nein.... Eines über Metallurgie! Er wolle eine Rede über die "Belastbarkeit von Eisen" vorbereiten!

 

Ich muss ihn recht entgeistert angeschaut haben. DAFÜR reise ich bei dem Wetter doch nicht zum Schloss und wieder zurück!

 

Kopfschüttelnd und ohne ein weiteres Wort band ich meinen Säbler im Schutz eines Baumes fest und eilte zur Kathedrale hinauf. Und drinnen ging es im selben Stil weiter. Bruder Sarno winkte mich zu sich, sprach von einem Tüftlermeister Oberfunks und seinem "Techbot", der an einer Fehlfunktion leide, und wollte mich nach Eisenschmiede schicken um diesem Oberfunks zu helfen!

 

Irgendwie kam mir dies alles ganz unwirklich vor. Was will denn ein Ordensbruder mit dem Wissen über Metallurgie anfangen?! Wozu soll ihm das dienen? Vielleicht, um seinen Streitkolben besser schwingen zu können?? Oder um zu erkennen, dass er bei dem Wetter vielleicht durchrosten könnte und dann gegen einen angreifenden Ork nicht mehr viel hilft?

 

.... hmm...... Erst jetzt fällt mir auf, dass Bruder Kristoff seltsamerweise nicht gross reagiert hatte, sondern nur die Brauen hochgezogen und sich umgewendet hatte. Ich glaube, dass er kurz zur Treppe hinauf geschaut und den Kopf geschüttelt hatte. Vielleicht hatte da ja wieder der kleine Messdiener rumgelungert, aber sicher bin ich nicht, ich war so sprachlos, dass ich einen Moment einfach nur dagestanden und durch ihn hindurch gesehen hatte. ...

 

Und was bitte ist ein "Techbot"?? Klingt mit und ohne Fehlfunktion wirklich nicht nach einer Aufgabe, der sich ein Ordensbruder oder eine Priesterin anzunehmen hätte! Als ob es nicht Wichtigeres gäbe, als einem verrückten Gnom zu helfen, seine noch verrückteren technischen Spielereien zu bauen!

 

.... Bei Bruder Sarno bin ich mir sicher: seinen Blick zu Bischof Heller und Erzbischof Benedictus versuchte er noch nicht einmal vor mir zu verbergen, ebenso wenig sein seufzendes Kopfschütteln. Doch das Pferd, das mich trat, kam erst...

 

"Kalinora, Ihr lasst es sträflich an gutem Willen, an Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe fehlen! Ihr lasst Euch hier kaum blicken und kommt Euren Pflichten nicht mehr nach! Das wird nicht länger geduldet!"

 

Eiskalt lief es mir den Rücken hinunter, als ich die schneidende Stimme der Hohepriesterin Laurena hinter mir vernahm! Sie, das Sinnbild alles Gütigen, Edlen und Lichtvollen, blickte mich so kalt und abweisend an, wie ich es ihr nie zugetraut hätte.

 

"A.. aber....", stotterte ich verwirrt und wollte von der Gemeinschaft erzählen, der ich beigetreten bin, von den poetischen und lehrreichen Gesprächen, von all den Kämpfen für die Allianz, bei denen ich unterstützend und mit all meiner Macht teilgenommen hatte..... Aber die Hohepriesterin schnitt mir das Wort ab und stellte mich vor die Wahl:

 

Entweder, ich nehme die Aufgaben der beiden Ordensbrüder sofort an und erledige sie rasch, zuverlässig, ohne ein Widerwort -wie alle weiteren, die aus unseren Reihen an mich herangetragen werden- und spende die heute versprochene Belohnung für die Forschungen der Priesterschaft , oder .....

 

Oder ... Ich ... Muss ... Den ... Orden ... Verlassen!

 

.... Das ist zuviel für heute....

Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
Beitrag #135 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Der Regen peitschte mir ins Gesicht, als ich die Kathedrale verliess. Zum Glück hatte Bischoff Heller noch zu meinen Gunsten gesprochen und mir eine Bedenkzeit ausbedingt, allerdings nur einen Tag. Er redete mir ins Gewissen, nachdem die Hohepriesterin und der Erzbischof sich zurück gezogen hatten.

 

 

"Ihr seid vom Weg abgekommen, Kalinora. Ich habe Euch lange beobachtet und weiss, dass Ihr den Weg der Schatten gewählt habt. Ihr könntet eine grosse Kämpferin für die Allianz werden, ihr habt das Zeug dazu, wirklich! Doch der Weg der Schatten ist hart und verlangt Härte, Ihr aber seid weich geworden. Noch ist nichts verloren, Kalinora, noch könnt Ihr umkehren, zurück kehren und die glorreiche Zukunft antreten, die Euch am Ende erwartet!

 

Doch wisset, um zu Eurer alten Stärke zurück kehren zu können, müsst Ihr alle Bindungen lösen, die Ihr eingegangen seid. Ihr müsst die Gemeinschaft und die Menschen verlassen, die Euch Nahe gekommen sind und denen Ihr Euch Nahe fühlt. Denn genau diese Nähe ist es, die Euch schwächt! Eine wahre Priesterin der Schatten weiss, dass nichts und niemand ihr Herz berühren darf, denn dies bedeutet ihren Tod. Sie muss im Kampf und im Leben nur den Feind vor Augen haben, ihn mit aller Macht angreifen, und ALLES um sich herum vergessen. Nichts und niemand darf ihr wichtiger sein, als sie sich selbst! Sie muss ihre ganze Kraft auf sich und ihren Gegner konzentrieren.

 

Ihr könnt nicht beides tun, Kalinora. Ihr könnt nicht die Macht der Schatten kontrollieren und in den Kampf werfen, und im nächsten Moment die des Lichtes für Eure Freunde aufrufen! Es wird Euch früher oder später zerreissen, eher früher. Ihr könnt nicht Euch und Eure Freunde gleichzeitig schützen, wenn Ihr mit den Schatten hantiert. Dafür reicht Eure Kraft noch lange nicht, und wenn Ihr das jetzt schon versucht, werdet Ihr diesen rein spekulativen Punkt sowieso niemals erleben.

 

Überlegt es Euch gut, Kalinora.

 

Ihr könnt auch den Weg des Lichts beschreiten, den der Aufopferung und Unterstützung. Dort könnt Ihr Helfen und Lieben und Heilen was und wen immer Ihr möchtet. Doch besitzt Ihr tatsächlich diese Ruhe und Sanftheit, die dafür von Nöten ist? Eure aufblitzenden Augen vorhin sprachen ihre eigene Sprache. Und was den Weg der Disziplin angeht.... Eure Novizenzeit hatte mit diesem Wort überhaupt nichts zu tun, und ich denke nicht, dass sich das je ändern wird."

 

 

Er hatte gelacht, nicht böse oder abschätzig, aber es war auch keine Wärme darin.

 

Meinen Säbler am Strick hinter mir herziehend, lief ich, durch den Regen fast blind, einfach davon. Die Gedanken wirbelten durch meinen Kopf, und so rannte ich Walnaha fast über den Haufen, als ich grusslos an Bruder Kristoff vorbei eilte. Ich wollte nur noch weg. Weg von der Kathedrale und die Mauern des Viertels hinter mir lassen, die mir plötzlich beengend und erdrückend erschienen.

 

 

Plötzlich fand ich mich im Blauen Eremiten wieder. Ich blickte mich kurz um, und wenn jemand dort gewesen wäre, hätte ich ihm wahrscheinlich Gesellschaft geleistet und an seiner Seite meine Sinne und meine Gedanken betäubt. Vielleicht hätte ich demjenigen alles erzählt, vielleicht hätte er mir sogar bei meiner Entscheidung helfen können. ......

 

 

Doch stattdessen sah ich Walnaha und Sorina zusammenstehen. Das Plappermaul und die Schwatztante! Sie waren bei meinem Eintreten verstummt und musterten mich nun erwartungsvoll. So wandte ich mich rasch um und eilte wieder hinaus, in den Regen.

 

 

Erzmagier Malin begrüsste mich ausgesprochen freundlich, als ich an ihm vorbei ging. Überrascht blickte ich auf, und mir lag schon die Frage auf der Zunge, ob er wisse, wo ....... Doch bevor auch nur ein Laut meine Lippen verlies, sprach er lächelnd zwei Sätze:

"Er wird Euch finden, wenn es Zeit ist." - - und - - "Vergesst Euer Potenzial nicht!",

wandte sich um und schritt langsam die Rampe zum Turm hinauf.

 

 

Noch ehe ich die ganze Sache erfassen konnte -von verstehen kann keine Rede sein-, winkte mir ein Mann eindringlich zu. Er stellte sich als Collin Mauren vor und erzählte von einer speziellen Basiliskenart im Steinkrallengebirge, deren Schuppen eine spezifische Eigenschaft besitzen, aus deren Staub er einen ganz bestimmten Zauber wirken wolle. Sein Eifer und seine Begeisterung wirkten so ansteckend, dass ich kurzerhand versprach, ihm diese Schuppen zu besorgen. Er wies mich darauf hin, dass das Steinkrallengebirge auf Kalimdor liege, also weit weg von hier, und wollte sicher gehen, ob ich mir das auch wirklich zumuten wolle. Seine zurückhaltende, aber rücksichtsvolle Besorgnis schaffte es, mein Lächeln innerlich wieder auferstehen zu lassen, während ich einen Teil der alten Kalinora hervorkramte und ihm kurzangebunden erklärte, dass es beleidigend sei, eine Zusage im Nachhinein in Frage zu stellen. Doch statt beleidigt, verletzt oder abweisend zu reagieren, strahlte er mich so voller Vorfreude an, dass ich lachen musste.

 

 

Diese verflixten Magier sind schon ein spezielles Volk.

 

Mit neuer Energie setzte ich mich auf meinen Säbler und ritt zum Geschlachteten Lamm. Vielleicht war er ja dort gerade wieder dabei, den Hexenmeister mit jemandem bekannt zu machen, der ein ebensolches Tier auf nicht ganz korrektem Weg in Besitz zu nehmen wünschte - oder hatten die Nachtelfen vielleicht schon mitbekommen, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zu geht? Cyrana, das geschwätzige Elfchen, hielt sich jedenfalls verdächtig oft hier in Sturmwind auf und interessierte sich für alles, was erzählt wird. Doch auch hier war er nicht, und ich fragte keinen der Hexenmeister nach ihm. Der Geruch in diesem Keller war sowieso nicht dazu da, länger verweilen zu wollen. Doch ehe ich wieder gehen konnte, wurde ich auch hier von jemandem angesprochen. Er stellte sich als Zordeth der Schwarzen Klaue vor und erzählte mir von irgend einem Lord, der das Oberhaus gegen den Zirkel hier aufbringe und "beschäftigt" werden müsse. Zwei Kräuter brauche er dafür, eines aus Dunkelhain und eines aus dem Sumpfland. Da ich deren Namen noch nie vernommen hatte und hoffte, damit vielleicht eine weitere, magische Tinte herstellen zu können, sagte ich zu. Zordeth erwähnte, dass er mir für die Unterstützung einen Gefallen schuldig wäre, und er mir vielleicht einen Platz im Zirkel beschaffen könne, er spüre meine dunklen Tendenzen, und jetzt, da ich nicht mehr dem Priesterorden angehöre, seien mir ja alle Wege offen.....

 

 

Manche Neuigkeiten machen in Sturmwind viel zu schnell die Runde, doch manche werden dabei verdreht, verbogen, aufgebauscht und ins Gegenteil verkehrt! Ich klärte ihn darüber auf, und er nahm es nur lachend zur Kenntnis. Ich weiss ja nicht, ob auch er ein Hexenmeister ist, aber dieses Lachen.... Wenn es eine Mischung zwischen Überheblichkeit, Kälte, Wahnsinn und Besessenheit gibt, dann war es dieses Lachen...

 

 

Gestern Abend fiel ich totmüde auf mein Lager, doch die Träume, die mich des Nachts heimsuchten, trugen allesamt nicht zu einem erholsamen Schlaf bei. Als ich heute Morgen erwachte, hatte ich noch immer das Gefühl, ein Wirbelwind habe sich in meinem Kopf festgesetzt und verunmögliche es mir, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.

 

 

Ich werde heute aufbrechen. Die genaue Reiseroute habe ich mir noch nicht überlegt, aber jeden Tag mehr, den ich dafür brauche, bringt mich hoffentlich der Entscheidung näher. Eine Entscheidung, die meine Zukunft und mein ganzes Leben verändern wird. Dafür brauche ich einen klaren Kopf.

 


Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
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Es ist vollbracht!

 

Schon, nachdem ich die erste Entscheidung getroffen hatte, fühlte sich alles etwas leichter an. Wie immer, wenn wichtige Entscheidungen endlich gefällt sind. Und so fiel mir der erneute Weg in die Kathedrale nicht so schwer. Ich bat direkt um eine Audienz bei Hohepriesterin Laurena, die mich freundlicherweise in einem separaten Raum empfing. Ohne Umschweife teilte ich ihr mit offenem Blick mit, dass ich den Orden der Priesterinnen verlassen werde - und bat sie um ihren Segen dafür.

 

"Meinen Segen erhaltet Ihr, Kalinora", antwortete sie sogleich in ihrer gewohnten, warmherzigen Art, was mich mit der Promtheit der Antwort überraschte, hatte ich mich doch auf eine Moralpredig gefasst gemacht.

 

"Ich habe es geahnt, denn mir war schon immer klar, dass Ihr nicht zur Priesterin geboren seid. Nur war es nicht meine Aufgabe, Euch dieser Erkenntnis gemäss zu diesen Schritt zu veanlassen. Ihr habt eine weise Entscheidung getroffen, Kalinora, und der Prozess war genauso wichtig, wie Eure nächste Entscheidung, die nun für Euch ansteht. Auch hier werde ich Euch zu nichts raten, ausser zu dem, was jede wahre Priesterin schon im Novizenunterricht tief verinnerlicht: Hört auf Euer Herz, doch benutzt Eure Verstand, um die Folgen und Konsequenzen jeder Entscheidung zu durchdenken. Nur, wenn Körper, Geist und Seele sich im Einklang befinden, habt Ihr Eure wahre Bestimmung gefunden.

 

So geht denn, Kalinora, und geht mit meinem Segen!"

 

Ich räumte meine bescheidene Unterkunft in den Räumlichkeiten der Priesterinnen und erst jetzt fiel mir auf, dass ich mich von niemandem verabschieden musste. Ich war schon immer meinen eigenen Weg gegangen, ohne mich zu sehr auf die anderen hier einzulassen. So würde mich also niemand vermissen und ich würde kein Herz verletzt oder gar gebrochen zurücklassen müssen.

 

Ich verliess die Kathedrale mit noch leichteren Schritten, und eine grosse Dankbarkeit machte sich in mir breit.

 

 

 

 

Der Besuch im Keller des geschlachteten Lamms war nur von kurzer Dauer. Zordeth mischte das Gebräu zusammen und reichte es mir mit dem Hinweis auf seine Bestimmung. Sein schadenfreudiges Lachen und die Tatsache, dass seine schmutzige Hand kurz die meine berührte, liessen mich angeekelt zurück zucken. Fast hätte ich den Bierkrug dabei ausgeschüttet. Aufbrausend fuhr er mich an, vorsichtig damit zu sein, um im nächsten Moment mit schleimtriefender Stimme anbiedernd zu fragen, ob er mir nun einen Platz im Kreise der Hexenmeister erstehen solle. Er würde mich dem besten Hexenmeister empfehlen, der mich in die Schwarzen Künste einführen könne, und selbstverständlich würde er mir von nun an Obdach geben, sein Lager sei gross genug für zwei, oder drei, oder was auch immer ich mir vorstellen könne, schliesslich lernten Hexenmeisterinnen so einige interessante Beschwörungen...

 

Mein Magen hob sich, dennoch schaffte ich es, ihm mit kalter Stimme eine Abfuhr zu erteilen, mit der Begründung, dass ich bereits in die Dienste eines Magiers eingetreten sei, der mich unterrichte. Das war zwar eine glatte Lüge, doch er zischte nur verächtlich und beschied mir knapp, mich aus seinen Augen zu verziehen. "An dir ist sowieso nichts dran, und du hast schon gar nicht das Zeug dazu, eine Hexenmeisterin zu werden, also verschwinde, aber rasch!"

 

Ob sich auch ein richtiger Hexenmeister so leicht belügen liesse? Es war mir nicht danach, das heraus zu finden, und ich war froh, aus dem Dunstkreis dieses Keller entfliehen zu können. Die spöttischen Blicke ignorierte ich einfach. Den Krug brachte ich mit gemischten Gefühlen an seine Bestimmung. Ihn einfach fortzuschütten, wagte ich nicht, fürchtete ich doch die Rache dieses abscheulichen Menschen, dem ich nicht wieder begegnen wollte.

 

Die Arroganz, mit der dieser Lord mich dann behandelte, liess es mich letztlich noch nicht einmal wirklich bereuen. Dennoch war ich froh, dass er gerade zu beschäftigt war, das Gemisch sofort zu trinken, und ich eilte gemessenen Schrittes davon.

 

 

Draussen atmete ich tief durch - und beschloss, nun meine ganze Vergangenheit bis zu diesem Schritt hinter mir zu lassen. Nun ja, fast die ganze...

Das Gespräch mit Leyn kam mir wieder in Erinnerung, und die Worte seines Vaters, nach denen die Erwartungen und Regeln, die jemandem auferlegt werden, denjenigen nicht hindern sollen, seinen eigenen Pfad zu wählen, ihm aber helfen können, sein Leben auf den richtigen Bahnen zu halten. Auch wenn es die Worte eines Paladins an den anderen waren, erkannte ich doch, dass auch ich nicht alles, was ich erfahren hatte, fallen lassen musste. Doch dass die Bewältigung der Macht der Schatten etwas ganz anderes war, als die Beschwörung dämonischer Wesen aus dem Nether, das wurde mir erst jetzt wirklich klar.

 

 

 

Damit war auch die letzte Entscheidung gefallen. Als mir dies ins Bewusstsein trat, fühlte ich eine Weite und Freiheit in mir, wie ich sie nie zuvor erlebt hatte. Als ob eine lange verschüttete Quelle plötzlich wieder sprudelte, schien das Leben selbst sich plötzlich in mir zu regen und mich mit Kraft und Freude zu erfüllen. Alle meine Sinne wirkten geschärft, und es war, als ob sogar die Farben der Welt kräftiger und intensiver wurden.

 

Das "Geschäft" mit Collin Mauren war reinster Genuss. Er freute sich sehr, nahm die Schuppen entgegen und überreichte mir zum Dank seinen alten Zauberstab, um sich sogleich an die weiterführung seiner Studien zu machen. Ich blickte ihm nach und begegnete erneut Erzmagier Malins Blick...

 

Ich kann nicht einmal genau erklären, wie es eigentlich geschehen ist, aber der Erzmagier blickte mich prüfend an, bewegte seine Hände kurz in einigen verwirrenden Gesten über meinem Kopf und murmelte leise einige unverständlich Worte. Ein kurzer Schwindel erfasste mich, dann lachte er leise und nickte.

 

"Ja, ihr seid so bereit, wie ein Magie-Lehrling in Eurem Alter nur sein kann. Wählt Euren Weg und wählt ihn weise." Er wies einladend auf die Rampe, die zum Turm der Magier hinaufführte, vollführte noch einmal ein paar Gesten - und verschwand vor meinen Augen.

 

Ich blickte zum schwindelerregend hohen Turm hinauf, senkte dann den Blick und wandte mich zögernd der Rampe zu. Die letzten, entscheidenden Schritte lagen vor mir, und so etwas wie Ehrfurcht durchfuhr mich.

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Und, als ob mir auch von aussen noch eine Bestätigung zugesandt werden müsste, fiel mein Blick, als ich ihn hob, auf einen der höheren Magier. Wie der Erzmagier blickte auch er mich prüfend an und forderte mich sogleich auf, ihm eine kleine Demonstration meiner Macht zu geben und eine Frostrüstung um mich zu erschaffen, um mein Potential abschätzen zu können...

 

Ohne lange zu überlegen, schloss ich die Augen und konzentrierte meine Wahrnehmung auf die Quelle der Kraft in meinem Innersten. Und so, wie ich zuvor die Macht der Schatten und des Lichtes in mir erspürt hatte, fanden meine tastenden Sinne nun neue, verwirrende Strömungen. Eine davon drängte sich wie von selbst in den Vordergrund, schien mir näher und vertrauter, und ich wusste, dass meine Gedanken, die sich auf die Macht des Wasser konzentrierten, dies bewirkten. Ich ergriff sie - und spürte im selben Moment die gesamte Energie des Elementes..., seine unzähligen Möglichkeiten und Erscheinungsformen...., seine schiere Kraft...., sein weiches Nachgeben..., seine starre Festigkeit...., sein wandelbares Fliessen...., seine leichte Flüchtigkeit..., alles war in einem einzigen Augenblick präsent! Nie hatte ich Licht oder Schatten in dieser allumfassenden Vielfalt wahrgenommen!

 

Mit erstaunlicher Leichtigkeit gelang es mir, die richtigen Aspekte zu einem energetischen Fluss aus Magie zu formen und mich damit schützend zu umhüllen.

 

Ein unbeschreibliches Glücksgefühl machte sich in mir breit. Es hatte geklappt! Ich hatte den Auftrag ohne Probleme erfüllen können - und war mir dessen bewusst! Ich möchte nicht behaupten, dass ich nicht stolz auf mich gewesen sei, doch die Freude war um so vieles stärker, als alles andere... eine kindliche, unverfälschte, lebendige, tiefe Freude, wie ich sie nie zuvor in meinem Leben erlebt hatte!

 

Auch der Magier war mit meiner Leistung zufrieden, gratulierte mir dazu - und hiess mich im Kreis der Magier Willkommen. Diese Worte zu vernehmen, war wie Balsam für meine Seele, und Wunden schienen sich zu schliessen, denen ich mir zuvor nicht bewusst gewesen war. Ich fühlte mich vollkommen und ganz.

 

Er führte mich in den Turm hinauf zu Elsharin, einer Hochelfe, die mich ebenfalls freundlich begrüsste und Willkommen hiess. Sie legte mir bereitwillig einige ihrer Lehren vor und füllte meinen Verstand mit komplexen Zusammenhängen, denen ich zwar folgen konnte, die meinen Kopf aber ins Schwirren brachten. Als mich Magierin Larimaine Purdue dann noch mit einem Teleportationszauber hierher zurück vertraut machte, schien auch mein Kopf vor lauter neuem Wissen bersten zu wollen.

 

Nach diesen ersten, intensiven Lehrstunden sehnte ich mich nur noch nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Ich hatte auf meinen Reisen einen Ort entdeckt, der genau dies verkörperte, und nach all dem Freudig-Aufregenden, das ich heute erlebt hatte, war mir dieser Rückzug vom Wirbel des Weltgeschehens wichtiger, als alles andere.

 

Wie sich kurz darauf herausstellte, konnten sich mein Pferd und mein Säbler nicht auf meine verwandelte Art einlassen, erkannten mich nicht mehr und liessen sich von mir, auch nach gutem Zureden, nicht mehr berühren. Ich liess Hohepriesterin Laurena darüber informieren, dass ich die beiden dem Reitstall der Kathedrale anvertraue, um sie den nächsten Novizen übergeben zu lassen.

 

Da der Ort aber doch recht abgelegen war, begab ich mich noch einmal zu dem Hexenmeister. Ich würdigte Zordeth und die anderen oben keines Blickes. Doch ich konnte meinen neuen Weg geniessen, fühlte mich zum ersten Mal einfach nur frei und ganz, und ein mir unbekannter, kindlicher Übermut begann sich zu zeigen, mit dem sich die Spannung des ganzen Tages Bahn zu brechen schien.

 

Jeden Augenblick dieser ganzen Reise, bis hin zum Aufenthalt an diesem fast mysthischen Ort der Ruhe, war ich so erfüllt von Lebensfreude, dass ich mit jeder Faser meines Seins spürte, endlich meine Bestimmung gefunden zu haben. Körper, Geist und Seele waren im Einklang, wie die Hohepriesterin es beschrieben hatte...


 

Trunken vor Freude über all das, was ich heute, am ersten Tag meines neuen Lebens, erleben und teilen durfte, glitt ich am Abend ins Reich der Träume.

 

 

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Kalinora wartete, bis die Tinte getrocknet war und klappte das Tagebuch dann leise zu, um es zu verschliessen. Dann erhob sie sich langsam aus ihrem Schneidersitz, trat ans Fenster und öffnete es. Das Mondlicht spielte auf den regennassen Blättern der Bäume und hüpfte über die sich stetig bewegenden Wellen des Kanals. Noch immer mit demselben Lächeln, das ihre Lippen umspielte und diese nicht mehr verlassen wollte, legt sie das Tagebuch auf den Sims vor dem Fenster und den Schlüssel dazu obenauf. Dann schloss sie die Augen, tastete nach innen, griff nach einem einzelnen und dennoch schwerer zu bändigenden Strahl, teilte ihn, bis sie sich seiner Kontrolle sicher war, und lenkte ihn auf die Mitte des Buches. Eine kleine, heisse Stichflamme brannte sich durch den Schlüssel, zerschmolz ihn und entzündete das gebundene Pergament darunter, von ihr festgehalten und intensiviert, bis von allem nur ein Häufchen Asche übrig blieb, die sie sachte in die Nacht hinaus pustete.

 

"Lebe Wohl, einst teurer Begleiter, dich brauche ich nicht länger...."

 

Ein leichter Schauer überlief ihren Körper, der nicht nur vom kühlen Wind her rührte, und sie schloss rasch das Fenster wieder. Dann eilte sie leichtfüssig zurück und glitt vorsichtig wieder unter die wärmende Decke...

Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
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