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Die Geschichte eines Hexenmeisters.....

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Vorwort

Die Welt von Warcraft ist voller Geschichten. Manche erlebt man als kleiner Charakter, manche schafft man selbst. Doch nicht erst seit World of Warcraft und dem fulminanten Erscheinen eines Onlinerollenspiels in bis dahin nie dagewesener grafischer Pracht hat die Geschichte um Orcs, Menschen, Trolle und Elfen gefesselt. Viele Romane haben sich bereits mit dem Thema beschafft, die einzelnen Aspekte der Geschichte beleuchtet und so ein grobes Bild dessen, was wir als Azeroth kennen, geformt.

Angefangen bei den Titanen über die Brennende Legion, die Allianz aus Kriegern der Menschen, Zwerge, Gnome, Nachtelfen und Draenei und die Horde, die sich aus Orcs und Trollen, Tauren, Untoten und Blutelfen zusammen setzt.
Gemeinsam erleben sie Abenteuer in dieser Welt, erleben das, was viele Entwickler bereits vorgedacht haben, selbst und auf ihre eigene Art nach.

Mit meiner Geschichte bilde ich nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was man in dieser mysteriösen Welt voller Magie und Tugend, einer Welt des Kampfes, der Duelle, der Taktik und der Gemeinschaft, erleben und sehen konnte. Nicht immer ist dabei die Geschichte des  Spiels vollständig übernommen, geht sie in weitere Bereiche des Warcraftuniversums auf, betont einige Aspekte, während andere vernachlässigt werden.

Die Charaktere in dieser Geschichte entstanden schon vor dem Entstehen dieser Seiten. Anders als die meisten anderen Spieler, die ihren Charakteren sehr wahllos die komischsten Namen gaben, sollten sie etwas besonderes sein. Mit Ausnahme von wenigen Charakteren sind es so lediglich jene, die auch von mir gespielt werden, die eine Hauptrolle in den folgenden Seiten haben werden. Nein, das ist kein Nachteil, denn jeder Charakter ist auf seine Art einzigartig – nicht nur, was seine Klasse, seine Ausrüstung und sein Aussehen betrifft, sondern auch seine Seele, seine Geschichte, sein Handeln und die kleinen Eigenheiten, die einen Charakter erst so richtig liebenswert oder so richtig verabscheuungswürdig machen.

Ob man einen Charakter liebt oder hasst, ist jedem selbst überlassen. Fakt ist nur, dass selbst ich meine Vorlieben habe. Meine Vorliebe ist der in dieser Geschichte auftretende und ihr den Namen gebende Hexenmeister. Auch wenn er nur ein leicht ins Extreme gerutschte Spiegelbild meiner Selbst ist, habe ich ihn von der ersten Spielminute an in mein Herz geschlossen. Denn er beweist: Es gibt mehr als eine Schattierung von Schwarz, mehrere Ausprägungen des Begriffs „Boshaftigkeit“ und keine ist wie die andere.

Folgt mir nun in eine Welt, in der Magie und Flüche nicht nur in Büchern, sondern auf dem Schlachtfeld wie auch in den eigenen vier Wänden beheimatet sind. Kommt mit in das Land der Orcs und Trolle, erlebt die Geschichten am eigenen Leib und seht, wie aus kleinen, schwachen Recken am Ende starke Helden werden, die sich und ihre ganze Welt retten. Lest die Reibereien und die Sentimentalitäten.
Denn dies ist die

World of Warcraft.

 


Kapitel 1 – Ein neuer Anfang

 
Die Nachwirkungen des großen Krieges sind noch allgegenwärtig. Die Landen sind aufgewühlt, viel Trauer und dennoch viel Stolz an allen Orten. Die einen weinen um die aus dem Krieg nicht zurück gekehrten, andere freuten sich über die nun eingekehrte, vermeintliche Ruhe.

Doch es war eine trügerische Ruhe. Frieden, der nur zu einem gereichte: Das ehemals dünne Bündnis der Allianz und der Horde auseinander driften zu lassen. Aus Antipathie wurde Ablehnung, aus Ablehnung erwuchs neuerliche Verachtung für die jeweils andere Seite. Nun war es an den Helden des Krieges, einen brüchigen Waffenstillstand aufrecht zu erhalten.

Eine Zeit der Ruhe für die einstigen Helden. Eine Zeit der Möglichkeiten, der neuen Hoffnungen.

Neue Helden und Abenteurer sollten das Land bereisen, sich neuen Herausforderungen stellen und neuen wie auch alten Gefahren entgegen treten. Allein Nozdormu könnte vorhersagen, welche Abenteuer sich den neuen Helden, den neugierigen Abenteurern oder auch nur den unglücklichen Reisenden offenbaren würden.

Wir können nur gespannt sein. Gespannt sein, was geschehen mag.
 

 


 
Beitrag #1404 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

[Admin]
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Hallo Vadarassar

Klingt sehr interessant und vielversprechend. Bitte weiter so.

Grüsse, Magnus
Humor ist ein Zeichen, dass die lustige Seite des Lebens ernst genommen wird.
Beitrag #1405 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Kapitel 2 – Dämonische Anfänge

 

Ein lautes Brüllen vor Schmerzen groll durch die Höhlen nahe Orgrimmar. Schnell eilten weitere Kultisten der Brennenden Klinge zum Höhleneingang, dem Schrei nach, um herauszufinden, welcher ihrer Brüder dort so einen Lärm veranstaltete und was passiert war. Ein junger Orc stand dort. Allein offenbar...nein...er hatte einen kleinen Wichtel bei sich. Ein...Hexenmeister? Wohl eher ein Jüngling, ein kleiner Spross, der nun die Zahl der Kultisten zu dezimieren versuchte. Kein Problem für diese drei...nein zwei....Kämpfer.

Die beiden bekamen einen Schreck, als der dritte unter ihnen mit einem Mal tot zusammen sank. beängstigend, wie viel böses in diesem Hexenmeister gesammelt sein musste, das dieser....wieder sank einer tot zusammen, ehe auch nur ein Schlag auf den Hexenmeister ausgeführt worden war. Jetzt sah sich auch der letzte um und wollte fliehen, wurde dann aber auch von einer Kugel purer schwarzer Magie getroffen, um nur Momente später ebenfalls leblos zu Boden zu gehen.

„Schwächlinge. Allesamt. Und die wollen eine Gefahr für Orgrimmar darstellen?“ brummte Vadarassar, beugte sich nach den Taschen der leblosen Körper, um diese nach wertvollen Besitztümern zu untersuchen. Ahh...das gesuchte Siegel. Endlich hatte er es gefunden.
Jenes Siegel, um das Thrall ihn gebeten hatte.

Mit dem Siegel in der Hand ging er durch die Gasse von Orgrimmar, drängte eine Gesellschaft von Orcs und Trollen, die eine Art Hochzeit abhielten, beiseite, sich hindurch und versetzte mit einem grimmigen Lächeln und einigen dunklen Wortsilben den Bräutigam für einige Minuten in Panik, ließ ihn wie ein kopfloses Huhn herum rennen (zur Belustigung aller vorbeikommenden Passanten. Man stelle sich nur einmal vor: Ein Troll, der seine Arme wild nach oben reißt und wie am Spiel schreiend im Kreis läuft...) und betrat schließlich die Festung von Thrall.

„Herr, ich habe das Siegel beschafft. Was nun soll meine nächste Aufgabe sein?“ fragte der Hexenmeister mit monotoner Stimme. Wirklich begeistert war er nicht – auch wenn ihm das Abschlachten dieser Kultisten wirklich Spaß gemacht hatte. Die nächste Aufgabe war etwas...langweilig. Anstatt direkt wieder jemanden ins Jenseits zu schicken, musste Vadarassar zunächst einmal mit angelegtem Siegel zu Neeru gehen und mit diesem im Vertrauen sprechen. Das war auch rasch erledigt und mit einem Mal taten sich Dinge auf, die er bis dahin nicht für möglich gehalten hatte, Thrall aber offensichtlich sehr wohl. Denn dieser klang von der Geschichte, die Vadarassar ihm berichtete, keineswegs überrascht. Im Gegenteil: Es schien, als hätte er es schon lange gewusst. Doch die beiden Namen, die gefallen waren, machten eines klar: Jene beiden mussten sterben.

So ging Vadarassar erneut hinab und in den Höllenschlund, wie diese Höhle unter Orgrimmar genannt wurde. Wieso sie gerade hier war und wieso man diesen Eingang nicht schon längst zugeschüttet oder die Innereien mit einer Horde starker Krieger bereinigt hatte...das war Vadarassar nicht sehr einleuchtend. Nur eines war ihm klar: Allein würde er hier drin keine sonderlich großen Überlebenschancen haben. Doch allein musste er offensichtlich nicht gehen, sah er doch eine Taurendame, die gerade dabei war, einen großen Flicken auf ihre sehr...nun...improvisierte Leder“hose“ zu nähen.

Taurinnen. Bisher hatte Vadarassar nur männliche Tauren getroffen und kannte diese als eher breite, stämmige Kerle, nicht so zierliche Huftiere wie diese dort. Zusammen warteten die beiden, ob denn noch jemand an ihrem Kampf teilnehmen wollte, sahen sich währenddessen jedoch nur selten an und redeten nicht. Als nach zwei Stunden noch immer kein anderer Krieger, Jäger oder gar Magier aufgetaucht war, nahm Vadarassar einen der lila leuchtenden Steine aus seiner Tasche und rief, genau so, wie Neeru es ihn gelehrt hatte, zum ersten mal einen anderen Dämon als seinen Wichtel. Mit Brummen und tiefer Stimme tauchte eine blaue Nebelwand auf, die sich dann als Leerwandler entpuppte.

„Ich bin Hathmon! Gebt mich frei!“ hallte die dunkle Stimme, die Vadarassar jedoch nicht beeindruckte. „Du wirst mir dienen und jetzt die Klappe halten. Ist das klar?“ knurrte dieser nur, woraufhin der Dämon schwieg und nur neben ihm her schwebte. Dann wandte er sich der Druidin zu.

„Also werden wir drei es allein versuchen. Du musst nur dafür sorgen, dass mein Leerwandler nicht stirbt. Den Rest erledige ich schon.“ schlug Vadarassar vor, die Taurin noch einmal musternd. Dem Stab nach zu urteilen war sie eine magiebegabte. Und die einzigen Tauren, die etwas von Magie verstanden, waren entweder Druiden oder Schamanen. Ergo: Heiler.

„Ich habe eine bessere Idee, Orc.“ antwortete die Taurin, lief auf die Höhle zu, sprang in die Luft und verwandelte sich noch mitten im Sprung in einen Bären, nur um sich bei der Landung wieder in Richtung Hexer zu drehen und mit einer Pranke auf Vadarassar zu zeigen. „Ich werde mein Fell hinhalten und du sorgst dafür, dass die Gegner schnell genug tot sind, ehe ich das bin. Wenn ich sterbe, bist du auch tot. Klar?“ Dann verschwand sie in der Höhle. Vadarassar grinste und ging kurz darauf hinter ihr her.

„Taurinnen. Nicht nur viele Haare am Körper, auch Haare auf den Zähnen. Gefällt mir.“ brummte er, die schwarze Magie zwischen seinen Fingern knistern lassend. Es war nicht ganz eine Stunde vergangen, da kamen die beiden wieder aus der Höhle heraus. Ihre Kleidung war zerrissen, der Stab der Druidin zerbrochen, doch dafür hatten sie Taschen, die zu allen Seiten vor Stoff und anderen Gegenständen überquollen. Außerdem zogen sie ein Bündel Köpfe hinter sich her, von denen sie einen ablösten und Neeru feierlich überreichten. Der war im ersten Moment baff, reichte den beiden dann aber die ausgehandelte Belohnung, die kurz darauf beim nächsten Händler die Kasse klingeln ließ. Auch Thrall freute sich über die abgehackten Köpfe und beglückte die beiden mit neuen, von Orgrimmar gesegneten Waffen.

„Der Rucksack muss noch nach Donnerfels. Kommst du mit?“ fragte die Druidin, die gerade noch schnell in der Gerberei verschwinden wollte. „Wenn es Gold und Silber dafür gibt, bin ich immer dafür zu haben.“ grinste Vadarassar böse. „Und noch einmal Gratulation zu deiner Prankencombo. Dem Kerl das Knie zu brechen und damit die Flucht unmöglich zu machen, war eine sehr gute Taktik.“
„Fast so gut wie deine darauffolgende Furcht, die ihn komplett gelähmt hat. Ziemlich gut für einen so jungen Hexer wie dich.“
„Nenn mich Vadarassar.“
„Nibaya. In zehn Minuten vor der Bank?“ Vadarassar nickte ihr zu und verließ sie dann in Richtung Schneiderei.

Es hieß nun den Leinenstoff, den er zentnerweise mit sich herumschleppte, in Kleidung zu verwandeln....keine schöne Arbeit, aber es brachte GOLD!
Beitrag #1407 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Kapitel 3 – Die Geschichte des Jägers

 

Mit lautem Scheppern flog ein bis zur Nasenspitze in Kettenrüstung gekleideter Orc aus der Taverne von Orgrimmar. Zwei Tauren standen im Eingang und starrten ihn aus strengen, autoritären Augen an.
„Fang hier drin noch eine Prügelei an und du kannst ein Lied von der Erdenmutter singen...drei Oktaven höher, als du gewohnt bist!“ brummte ein anderer Orc hinter seinen Rausschmeißern.
„Was ist denn hier los, Mann. Sieht ja aus wie ne richtig glückliche Party. Aber viel zu früh.“ kicherte Teborasque, den gestürzten Orc mit einem breiten Grinsen, wie es nur Trolle auflegen konnten, anstarrend.
Der schwer gerüstete Orc starrte den bläulichen Neuankömmling an, der sich lediglich in einige Stücke Lederkleidung mit einigen Metallverzierungen gekleidet hatte. Über der Schulter erkannte er den charakteristischen Bogen eines Jägers.

„Nichts von Belang. Einer dieser stinkenden Untoten wollte seine Wettschulden nicht begleichen.“ brummte der Orc und wischte sich mit einer Hand über sein Maul, als dem etwas Blut tropfte. Pikanterweise wischte er sich nicht direkt mit seiner Hand über den Mund, sondern mit einer Hand, die er in dieser hielt. Erst auf den zweiten Blick erkannte Tebo die eklige Wahrheit: Diese Hand musste dem Untoten gehört haben.


Angewidert verzog er kurz das Gesicht. Seit den Zombies nahe Sen’jin hatte er nicht mehr mit dieser Widerlichkeit die Konfrontation gesehen. Das einzige, was ihn beruhigte war die Tatsache, das es in diesem Fall kein untoter Troll war, dem nun ein Arm fehlte.
„Tja, jetzt ist der Kerl arm dran, der Zechepreller. Oder genauer gesagt: Nur noch ein Arm dran!“ grölte der Orc und lachte lauthals los. „Das sollte seine Schulden tilgen. Zumindest vorläufig.“
„Was hatte der Kerl denn gewettet?“ fragte Tebo, nun doch interessiert, an den nun einarmigen Untoten denkend. Der Kerl ließ ihn wirklich nicht mehr los....kein schöner Gedanke das ganze. Nein, wahrhaftig nicht.

„Pah! Dieser eingeweidelose Wurm wollte eine Katze fangen. Eine große, wilde Katze nahe dem Wegekreuz im Brachland. Meinte das Vieh wäre so eindrucksvoll, das sogar die ganzen anderen Katzen ringsum das Weite suchen würden! Wollte ne Goldmünze von mir, wenn er mir den Beweis brächte.“ Der Orc lachte kurz und kehlig. „Und dann meinte er, seine zerkratzte Robe und ein Büschel Haare würden mir reichen! Nix da hab ich gesagt und wollte meinerseits mein Gold. Doch er...aber na ja...das kannst du dir ja jetzt denken Jungchen, oder?“ knurrte der Orc und lachte dann wieder.
„Wie steht es mit dir? Willst du es mal versuchen? Ich mach dir ein Angebot: Zwei Münzen Gold, wenn du mir den Kopf dieser Katze bringen solltest.“Teborasque dachte kurz nach. Das Brachland kannte er schon recht gut, war bereits einige Male dorthin gereist. Zwar nicht häufig, aber doch, er kannte die Wege und vielleicht auch die Gegend, wo sich eine solche Katze aufhalten konnte. Kurz darauf nickte er bedächtig.

„Sollte kein Problem sein, Mann. Ist doch nur ne Katze.“
Mit den Worten war Teborasque aus Orgrimmar aufgebrochen und in Richtung Brachland unterwegs. Still und leise verfluchte er sich dafür, dass er keine wohlhabenden Trolle in seiner Blutslinie hatte, ansonsten hätte er auf einem Raptor ins Brachland reiten können. Doch ihm fehlte auf diese Weise das knappe Gold, das gerade so für Nahrung, Rüstzeug, Werkzeug und Munition reichte. Ein Umstand, der ihn nicht unbedingt mit Freude erfüllte.

Mit zwei Fingern im Mund pfiff er einmal laut und blickte sich dann um. Eine kleine Staubwolke tauchte in einiger Entfernung auf, kam dann aber rasch näher und stoppte kurz vor ihm.
Pigedi, ein Kampfschwein, das seinen Namen wahrlich verdient hatte. Der Eber trug seine Stoßzähne wie Dolche neben seiner langen Schnauze. Unzählige Gegner hatte er damit schon aufgespießt, ihnen die Bäuche aufgeschlitzt oder sie mit den harten Hufen zerschmettert. Es war Tebos erster Begleiter, den er nun schon seit vielen Monden neben sich sah. Und obwohl der Intellekt des Tieres nicht viel mehr als Kämpfen und Fressen zu verstehen vermochte, war Pigedi doch ein willkommener Gefährte, quasi das animalische Spiegelbild von Tebo.

Selbiger kniete gerade im Dreck und untersuchte die Spuren.
Krallenabdrücke. Viele, doch keine wirklich bemerkenswert. Bis auf. Er stockte, besah die Spur genauer.

Diese Krallenspur war etwas größer als die anderen. Zwar gleich breit, aber ungleich länger, schlanker und doch weniger stark eingedrückt.

Ein leicht gebautes Kraftpaket auf großen Tatzen. Das musste diese Riesenkatze sein, von der dieser Orc gesprochen hatte. Mit gebückter Haltung ging Tebo einige Schritte weiter, starrte kurz nach vorn, bückte sich dann wieder und folgte den Spuren.

Das Wegekreuz lag noch einige hundert Schritte im Süden, als er in Richtung eines der Berge abbog. Katzen lebten für gewöhnlich nur im Schatten der Hügel und ruhten sich dort aus. Doch diese hier schien anders, das meinte er deutlich zu erkennen. Auf einer Anhöhe stoppte Tebo dann komplett, griff in seine Tasche und holte ein Handfernrohr heraus, das er vor nur etwa einer Nacht selbst gebaut hatte. Es blitzte noch wie neu, obwohl sich bereits an einigen Stellen leichter Flugrost festgesetzt hatte. Dort. Auf dieser kleinen Anhöhe stand die Katze, die er suchte. Die Pfoten passten perfekt zu den Markierungen, die Größe stimmte ebenfalls, auch wenn er etwas anderes als diese hagere Gestalt erwartet hatte. Noch im selben Moment, wie er diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, verfluchte sich Tebo dafür. Diese Katze war ebenso muskulös und sehnig, so drahtig und agil wie er als Troll. Ein ebenbürtiger Gegner.

Kurz prüfte er die Windrichtung. Gegenwind – gut, das würde der Katze nicht möglich machen, sie vorher zu wittern. Tebo gab Pigedi das Zeichen, langsam hinter ihm her zu schleichen. Gemeinsam krochen sie fast bis ganz unter den Vorsprung, auf dem die Katze saß. Dann gab er das Zeichen. Wie von einer Mücke gestochen schoss Pigedi auf die Katze zu, mit den Stoßzähnen auf die Flanke zielend. Das Schwein wollte ein schnelles Ende, zielte dorthin, wo es das Herz der gefleckten Bestie vermutete. Die Katze indes, obwohl völlig überrumpelt, reagierte schlagartig, raffte sich auf und sprang in die Luft, über das Schwein hinweg und sah hinter sich, wo Pigedi gegen einen Stein krachte. Eigentlich wollte sie ein schnelles Ende machen, zuckte dann aber zusammen, als ein pfeifendes Geräusch seine Ohren erreichte und er sich duckte. Gerade noch im letzten Moment, denn gerade da sauste ein Pfeil über den Kopf der Katze, streifte leicht sein linkes Ohr und blieb dann im Sand stecken. Der schnelle Blick zeigte: Dieser Troll da hatte den Pfeil abgeschossen.

Mit wütendem Fauchen sprang die Katze dem Troll entgegen, bemerkte dann aber doch noch den Eber, der auf sie zu rauschte, nur um Haaresbreite mit den Hauern daneben schlug und sie verfehlte. Doch Pigedi war diesmal schlauer, drehte sich um und verpasste der Katze einen kräftigen Tritt gegen die Brust. Zwei Hufe bohrten sich in das Fell, ließen es darunter knirschen und raubten der Großkatze den Atem. Gleichzeitig sauste wieder ein pfeifendes Geräusch auf die Katze zu.
Zwei Gegner. Ein Nah- und ein Fernkämpfer. Doch das Schwein ließ ihn nicht an den Schützen heran. Die Katze musste nachdenken, wich dem Pfeil nur knapp aus und sprang dann mit schmerzender Flanke einmal um das Schwein herum. Jetzt war dieses in der Schusslinie. Der Troll zögerte klar erkennbar, wollte wohl seinen Gefährten nicht ebenfalls treffen. Das war die einzige Chance, die sich der Katze bot. Voller Wut und Überlebenswillen schlug sie mit den Pranken zu. Krallen bohrten sich in Fell und Fleisch, zogen lange, rote Striemen in Pigedis Seiten.

Das Schwein schrie getroffen auf, wanke und stieß voller Wut erneut zu. Ein Stoßzahn traf auf Fell, bohrte sich knapp unterhalb der Schulter in das Fleisch der Katze. Die wich zurück, wollte neuen Schwung holen, wurde aber von einem hinter ihr einschlagenden Pfeil an einer möglichen Flucht gehindert.
Erneut stürmte sie voran, schlug mit den Pranken auf das Schwein ein, während sie versuchte, den Troll zu erspähen. Er schien nicht mehr da zu sein. Und doch kämpfe dieses Schwein hier mit unveränderter Härte. Doch gegen die Krallen der Katze konnte es nicht viel ausrichten. Immer weiter wich es zurück und würde bald-

 Ein brüllender Schmerz schoss durch die Katze, als ihr der linke Hinterlauf wegknickte. Ein schneller Blick und sie sah den Grund dafür: Der Troll war noch da, hatte sich aber auf eine Anhöhe links neben ihr geschlichen und von dort zu einem gezielten Schuss angelegt. Ein Pfeil steckte nun tief in der linken Hüfte der Katze, hatte sie auf die Seite gezwungen. So unvorbereitet getroffen war es der Katze unmöglich, das Gleichgewicht zu halten. Pigedi sah das als willkommene Einladung, ging zwei Schritte zurück, um mit den Vorderläufen den Boden aufzukratzen. Dann stürmte das Schwein voraus.

Im letzten Moment duckte sich die Katze vor den Stoßzähnen und riss das Maul auf, um einen Sekundenbruchteil später ihrerseits zuzuschlagen. Mit dem Glück der Verzweiflung erwischte sie die Kehle des Schweins, das einen letzten Schrei des Entsetzens ausstieß,begleitet vom lauten Brüllen des Trolls auf der Anhöhe, der erneut zum Schuss ansetzte.
 
Der Schrei erstarb in einem Gurgeln, begleitet von einem weiteren Pfeifen. Ein zweiter Pfeil bohrte sich in die Seite der Katze, diesmal knapp oberhalb des anderen. Wieder explodierte die Welt der Katze in endlosen Schmerzen. Wie durch einen Schleier aus Schmerz und Wut nahm sie ein erneutes Pfeifen wahr, rollte sich dann zur Seite und riss das noch immer zwischen ihren Kiefern hängende Schwein zwischen sich und den Troll.

 Wieder schlugen Pfeile ein, doch nicht in der Katze, sondern in der schon längst ausblutenden Leiche von Pigedi, die diese Katze wie einen Schutzwall zwischen sich und den Troll gebracht hatte. Das verschaffte ihr Zeit für zwei Atemzüge, in denen sie sich aufzurappeln versuchte. Der Troll indes schien genügend abgelenkt von Ärger über seinen verfehlten Pfeil als auch in Trauer über den Tod seines Gefährten versunken, damit es gelingen konnte. Der linke Hinterlauf gehorchte der Katze nicht mehr, hing nur nutzlos zu Boden. Drei Beine wären es, die reichen mussten. Doch mehr als genug, um auch diesem Troll die Kehle zu zerreißen. Mit neuer Wut und Entschlossenheit stieß die Katze ihren fleischigen Schutzschild beiseite und stürmte zuerst etwas wackelig, dann mit deutlich stärkerer Sicherheit auf den Troll zu.

 Tebo sah die Katze wie hypnotisiert auf sich zu eilen. Ein Pfeil noch...doch sie war zu nahe. Als er das realisierte, ließ er den Bogen und den darin schon fast eingespannten Pfeil fallen und griff nach seinem Dolch. Im selben Moment schlugen sich schon acht scharfe Dolche in seine Lederkleidung, drangen jedoch mehr oder minder rasch auch in sein Fleisch ein. Durch die Wucht des Aufpralls knallte er zu Boden, sah sich nun dem zähnebesetzten Maul der Katze entgegen, die nach seinem Kopf und seiner Kehle schnappte.

 Mit aller Kraft brachte er seinen linken Arm frei, auf dessen Schulter eine der krallenbesetzten Pfoten lag, und drückte die Hand so kräftig er konnte gegen das Maul. Die Katze reagierte schnell, zog das Maul zurück und biss stattdessen mit voller Kraft in den Unterarm, grub die Zähne tief in das Fleisch des Trolls. Der schrie, nahm den Dolch und rammte ihn seinerseits in die Seite der Katze, so tief und so tödlich wie er versuchen konnte, erwischte dabei aber zumeist nur das lose Fell und erst nach dem dritten Anlauf etwas Fleisch. Die Katze interessierte es aber nicht mehr: Mit letzter Kraft schlug sie mit ihren Vorderpranken nach dem Troll, riss die Kleidung auseinander, biss immer wieder auf den Arm und meinte ein leises Knirschen von Knochen zu vernehmen.

Doch das Knirschen kam nicht von Tebo und auch nicht von der Katze, sondern von dem Vorsprung, auf dem die beiden kämpften. Dieser knirschte und kackte, brach schließlich und ließ beide, die sich ineinander verbissen, verkrallt und verkeilt hatten, in die Tiefe stürzen. In die Tiefe und die Schwärze.

 
Stunden vergingen. Die Nacht war längst angebrochen, als Teborasque wieder zu sich kam. Zuerst dachte er, er wäre schon bei den Ahnen, doch die Schmerzen in seinem Arm, seinen Schultern und Rücken verrieten ihm, dass er sehr wohl noch unter den Lebenden weilte. Sein nächster Gedanke gehörte der Katze, die so dicht neben ihm lag, dass er den warmen, feuchten Atem des Tiers in seinem Nacken spürte. Und noch immer umklammerte seine rechte Hand den blutverschmierten Dolch.

 Ein Schlag...nur noch ein Schlag trennte ihn vom Sieg. Mühsam richtete er sich auf, betrachtete die dort liegende Katze, die regungslos vor ihm auf der Seite lag, die beiden Pfeile in ihrer Flanke nach oben zeigend, obwohl sie schon auf halber Länge abgebrochen waren. Das goldene Fell des Tiers, besetzt mit schwarzen Flecken, war an vielen Stellen blutverschmiert. Blut von Pigedi, von Tebo und von der Katze selbst.

 Pigedi...diese Katze hatte seinen Begleiter getötet. Wut kochte in Teborasque hoch. Er musste sie töten. Er musste...

 

Nein...dieses Tier war wehrlos. Es war ein ungerechter Kampf, den er da auszufechten gedachte. Zwar wäre es ein Sieg, doch ein befleckter. Und obwohl seine animalische Seite ihn immer wieder beschwor, ihn anbrüllte, er solle das Tier endlich töten, die Kehle auftrennen, vom Blut trinken und dann laut schreiend die Rache seines Gefährten ausleben, war es doch die Ehrenhaftigkeit von ihm als Troll und den Lehren seiner Ahnen, die ihn von diesem Schritt abhielten.

 Er war eine Bestie, doch nur zum Teil. Und er kontrollierte sein animalisches Selbst – nicht andersherum.

 „Los...bring es zu Ende.“ hörte er eine schwache Stimme, deutete sie im ersten Moment als seine eigene innere Stimme, so schwach und leise war sie. Doch sie klang anders...sanft und dennoch kraftvoll und gequält. Wieder sah Tebo zu der Katze...

...und realisierte erst jetzt, dass das Tier ebenfalls erwacht war und ihn anstarrte.

 
„Bring es zu Ende und nimm...deine Beute, Troll. Ich bin...geschlagen.“ winselte die Stimme, während die Katze ihn anstarrte und dann blinzelte. Tebo konnte sich dem Blick des Tieres nicht entziehen, sah darin den Ursprung dieser Stimme, obwohl sich die Lippen des Tiers nicht merklich bewegten. Jemand anders hätte vielleicht nur ein leises Fiepsen oder Grummeln gehört, doch in Tebos Kopf machten die Worte Sinn und er verstand sie.

 Wohl deswegen, weil seine animalische Seite ihn dazu befähigte.
Tebo erhob sich langsam und steckte seinen Dolch weg.

„Nein, ich werde dich nicht töten, Wildkatze. Es ist keine Ehre darin, ein wehrloses Tier zu erlegen. Ich schenke dir das Leben.“ sagte er und wollte sich abwenden.

Die Katze fauchte leise, wollte sich aufrichten und winselte, als sie spürte, wie es nicht ging.
„Leben schenken...den Geiern preisgeben. Mein Körper ist besiegt, ich werde mich nicht wehren können. Schenke mir einen schnellen Tod, ehe die anderen mich mit einem langsamen strafen und mir meine Wehrlosigkeit vorhalten.“ Bitterkeit schwang mit der Stimme mit. Tebo blieb stehen, betrachtete seine eigenen Wunden.

 Im Vergleich zu dem, was die Katze haben musste, waren sie vergleichsweise gering. Sein Arm sah zwar schrecklich aus, würde aber gewiss heilen und eine schöne, zierende Narbe behalten. Seine Kleidung war zwar nicht mehr viel mehr als Müll, doch immerhin hatte sie ihn vor schlimmerem geschützt. Die Katze besaß so etwas nicht, war entsprechend schwer verletzt worden. Reue breitete sich in dem Jäger aus. Nein, ihn sich selbst überlassen konnte er diesen Gegner nicht. Die Wunden, die er in seine vorherige Beute geschlagen hatte, waren zu tief, als das sie sich allein davon wieder würde erholen können.

Er drehte um. „Tu es, Jäger. Tu deine Pflicht als Jäger und nimm die Beute.“ flehte die Stimme schon fast. Das Ende erwartend schloss die Katze ihre Augen. Ein fauchender Schrei entfuhr ihr, als ihre Seite, ihr Bein, erneut vor Schmerzen entflammten.
„JÄGER! Quäle mich nicht, mach es schnell!“ zischte die Katze, sich verspannend und das Ende erhoffend. Doch dann wurden die Schmerzen weniger.

 „Halt still du dummes Tier. Ich werde dich nicht umbringen. Das wäre ebenso unehrenhaft, wie dich hier hilflos zurück zu lassen.“ knurrte Tebo.

 Die Katze öffnete ihre Augen und sah zu dem Jäger, der den Pfeil, der in der Hüfte steckte, ergriffen hatte und mit einem kräftigen Ruck daran zog, um nur Momente nach dem Herausziehen eine zähe Flüssigkeit auf die entstandene Wunde zu träufeln. Mit einem Schlag waren die Schmerzen so intensiv wie seit dem Treffer nicht mehr. Doch ebenso schnell wie sie gekommen waren, erstarben die Schmerzen auch wieder. Der Jäger hatte die Pfeile entfernt und die Wunden versorgt, träufelte nun auch etwas von der Tinktur in die Dolchwunden am Bauch.

Schmerzen vergingen und der Katze schien es besser zu gehen. Die abgebrochenen und blutverschmierten Pfeile warf Teborasque zur Seite, blickte stattdessen auf die Katze.

„Du wirst überleben. Schlafe die Nacht und am kommenden Morgen wirst du wieder stehen können. Es wird ein paar Tage dauern, doch du wirst wieder voll genesen.“ erklärte der Troll, sich dann von der Katze abwendend.

 „Wozu tust du das, Jäger? Damit ich das nächste Mal eine ehrbare Beute für dich darstelle?“ fauchte die Katze hinterher.

 Nein. Ich werde dich nicht länger jagen. Wir hatten unseren Kampf. Das ist genug.“ antwortete der Troll, noch einmal zu der Katze sehend, ehe er weiterging.

 Stunden war Tebo nun zu Fuß unterwegs gewesen. Ein Teil seiner animalischen Seite verstand nicht, wieso er das getan hatte. Bestienmeister nannte er sich zum einen, Pfeil der Horde zum anderen.

Wie konnte er ein ehrbarer Jäger sein, wenn er seinen Gefährten im Kampf fallen sah und ihn nicht rächte?

 
Doch wie konnte er ein ehrbarer Krieger sein, der er ein wehrloses Opfer erschlug oder es sich selbst und dem langsamen Tod überließ? Was war wichtiger? Ehrbarkeit oder Rache? In beidem lag Gerechtigkeit in gewissem Maße. Doch die Antwort auf die richtige Lösung wollte ihm nicht kommen. Vielleicht war-

 Er stockte in seinem Gedanken. Schon vor ein paar Minuten hatte er gemeint, etwas gehört zu haben. Jetzt war er sich dessen sicher: Ein schleifendes Geräusch folgte ihm, kam langsam immer näher. Jetzt war Teborasque stehen geblieben und drehte sich langsam um. Unmerklich wanderte seine Hand zu seinem Dolch, während er in die Dunkelheit hinein starrte.

Er staunte nicht schlecht, als er die Katze, die er so erbittert gejagt hatte, erblickte, wie sie auf drei Beinen zu ihm humpelte, den linken Hinterlauf hinter sich her ziehend und über den Boden schleifend. Die ganze Strecke über war ihm diese Katze nun schon gefolgt, fast bis nach Durotar. Doch wieso?

 Teborasque starrte die Katze an.
„Jäger. Ich ging tot, doch du hast mir das Ende verwehrt. Mein Leben gehört dir. Deswegen gehört auch mein Leib dir.“

 „Ich schenkte dir dein Leben.“
 
„In gewisser Weise ja und doch nein. Du hast entschieden, mich nicht zu töten, obwohl mein Leben im Moment meiner Niederlage schon entschieden war. Mein Leben lag in deiner Hand ...und das liegt es auch jetzt noch. Du allein hast das Recht, über mein Leben und meinen Tod zu entscheiden. Jetzt und bis zum Ende meines Lebens, das du mir geschenkt hast.“

Mit diesen Worten schritt die Katze an Teborasque heran und lehnte sich an sein Bein – besser gesagt: An seine Hüfte.

 Da es offensichtlich sinnlos war, sich weiter gegen die tödlich genaue Logik dieser Katze zu wehren, akzeptierte Teborasque sie als Gefährten. Der Orc in Orgrimmar indes...nun...er erhielt den Kopf als Beweis für die Taten von Teborasque. Allerdings nicht so, wie er erwartet hatte, denn der Körper war noch an dem Kopf dran und ließ den Orc mit Fauchen und scharfen Krallen als Argument schnell die Goldmünzen aus seiner Tasche ziehen.

Die Tage vergingen und bereits nach einer Woche waren die Spuren ihres Kampfes verschwunden. Die Katze lief wieder wie ein neugeborenes Junges, behielt nur einige dunkle Stellen an der rechten Hinterpfote von der langen Schleiferei über den Boden zurück.

Doch die Spuren verheilten nur äußerlich. Innerlich wussten die beiden nur zu gut über ihren Kampf. Die Spuren waren es, die sie zusammenhielten...und nicht wieder trennen sollten.

Erst als Teborasque erkannte, welche Agilität, Weisheit, Geschwindigkeit und welche Energie in seinem neuen Begleiter steckte, fiel ihm der passende Name für seinen felinen Gefährten ein.

Swift.

 
Beitrag #1424 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Kapitel 4 – Ein Traum der Wahrheit


Die Landschaft waberte leicht, verschwamm immer wieder vor ihren Augen. Ein sanfter, grünlicher Schein erfüllte ihren Horizont, als Bergketten mit Tälern zu verschmelzen begannen, das große Meer verschwand und aus dem, was früher zwei war, wieder Eins wurde. Riesige, grasbewachsene Ebenen erstreckten sich unter ihr, ein strahlend blauer Himmel über ihr und Berge, die in ihren Gedanken lediglich als ‚perfekt’ bezeichnet werden konnten.

Dieser Traum war so wunderbar, er brachte sie an Orte, die sie in ihrem Leben noch nie gesehen hatte, zeigte ihr die östlichen Königreiche, wie sie wohl früher einmal ausgesehen haben mussten. Dann raste das Bild vor ihr und zeigte stattdessen eine Stadt, die gänzlich aus einfachen Bauten, aus eleganten Holzkonstruktionen und lebenden Bäumen bestand.

Jetzt erkannte sie auch Gesichter. Tauren, Nachtelfen, sie standen Seite an Seite. Etwas, das in ihrer Heimat als undenkbar galt, sah sie dort. Sie kämpften nicht, standen sich voller Respekt und Freundschaft gegenüber. Ja, das musste der berühmte und bekannte Zirkel des Cenarius, des Waldgottes sein.

Unvermittelt streckte sie die Hand nach einem der Bücher aus. Der grüne Schemen um sie herum verschwand, als ihr Geist in die Wirklichkeit des Seins eindrang. Jetzt sah sie genau und klar, was vorging, hörte unzählige Stimmen, die über alle Dinge in Azeroth sprachen, spürte die Bedenken an allerorten. Und noch immer lag in ihrer Hand dieses Buch, das sie aufschlug.

Die Schriftzeichen in dem Buch waren ihr gänzlich unbekannt und doch verstand sie jedes einzelne Wort. Wie eine Melodie sang es in ihrem Kopf, ließ sie jede Silbe verstehen. Als sie aufblickte stand sie nicht länger in dem Gebäude, in dem sie gerade gestanden hatte, sondern vor einem großen Geist. Zuerst erschrak sie, dann betrachtete sie den Schemen vor sich genauer.

Es war ein Taure. Ebenso, wie sie einer war. Auf seiner Brust war das Emblem eines Drachen abgebildet und der Stab, den dieser Taure mit sich führte, trug am Kopf ebenfalls eine handgeschnitzte Drachenstatue. Doch noch weitaus verwirrender als diese überaus ungewöhnlichen Verzierungen war die Tatsache, dass dieser Taure die Augen geschlossen hielt und sich selbige unter den Lidern rasch hin und her bewegten.

„Du wanderst schon lange durch diese Träume. Und doch verstehst du ihre wahre Bedeutung noch nicht, Braline Spearhoof. Doch dies, so versichere ich dir, wird sich bald ändern.“
Sie erschrak einen Moment. Nicht etwa, weil diese Gestalt sie offensichtlich trotz ihrer geisterhaften Erscheinung, die durch alles hindurch glitt und die von niemandem anderen gesehen wurde, so offensichtlich wie ein Baum bemerkt worden war, sondern auch, weil sie von dieser Gestalt mit einem Namen angesprochen wurde, den das letzte Mal ihre Mutter benutzt hatte....vor vielen, vielen Jahren.

Seither hatte sie sich selbst und alle anderen im sie herum nur noch Braunpelz genannt, was hervorragend zu ihrem sanften, braunen Fell passte. Woher also kannte dieser Taure dort ihren wahren Namen? „Ängstige dich nicht, junge Druidin. Ich kenne dich und deine Art schon länger, als ihr euch selbst kennt. Und ebenso wie deine Brüder und Schwestern, die den Lehren des Cenarius folgen wollten, werde ich auch dir deine ersten Unterweisungen geben. Öffne deinen Geist und lerne, junge Taurin. Dann wirst du verstehen.“

Ein Zucken fuhr durch ihren Körper. Ein Wissen, das so alt wie die Welt selbst zu sein schien, durchzog sie. Wilde Bilder von Tieren, Wäldern, Bäumen, riesigen Leviathanen, dem Waldgott, vielen Tauren und Nachtelfen und schließlich sogar ihr eigenes Bildnis rasten durch ihre Gedanken. Ein nicht enden wollender Strom von Wissen durchfloss sie, lehrte sie in Augenblicken Dinge, für die andere ein Leben gebraucht hätten. Sie öffnete ihren Mund, wollte schreien, doch kein Laut drang aus ihren weit aufgerissenen Lippen.

„Nun ist es Zeit für dich, zu erwachen. Die Nacht neigt sich ihrem Ende und ein weiter Weg wird dir bevor stehen, junge Braline. Dein wahrer
Weg wird sich dir offenbaren, wenn du ihm folgst. Denn er ist dir vorausbestimmt. Doch nun folge deinem Körper und kehre zurück.“
Sie blinzelte noch einige Male, versuchte den Tauren, der gerade noch vor ihr gestanden hatte, erneut zu erblicken. Doch er war weg...als hätte ihn der aufziehende grüne Nebel verschluckt. Lediglich ein großer, unförmiger Schatten war noch an dieser Stelle, der rasch schneller wurde, über sie hinweg fegte und hinter den Bäumen verschwand. Nur ein leichter, grüner Schimmer war noch zu erkennen gewesen.

Sie spürte ihren Körper, fühlte, wie er nach ihr rief. Schnell trieb sie zurück, folgte dem Pfad, der so offensichtlich vor ihr lag wie kein anderer vor ihm. Schnell, immer schneller wurde ihre Bewegung, ihr Drang, nun zurück zu kehren. Dann sah sie sich selbst, wie sie auf dem Boden lag, umringt von ihren Freunden und Bekannten. Nur noch ein kleines Stück, dann glitt ihr Geist wieder über in die Realität, trat in ihren Körper ein.

Ein Zucken fuhr durch sie, dann blinzelte sie mehrmals und sah auf. Benommen nahm sie die Umwelt wahr. Sieben andere Taurinnen standen um sie herum, blickten besorgt auf sie herab. Alle schienen in ihrem Alter zu sein, doch trugen sie alle andere Kleidung als sie es tat.
„Brauni? Bist du in Ordnung?“ fragte die Taurin direkt neben ihr. Sie nickte knapp, versuchte sich dann langsam aufzuraffen. „Hey, sie ist in Ordnung! Ein Glück!“
„Wir dachten schon an das Schlimmste!“ „Wieso hast du nicht in deinem Bett geschlafen?“ „War der Boden weich genug?“ Fragen über Fragen kamen aus der Gruppe. Doch Braunpelz verstand keine der Fragen wirklich und richtig, blickte sich suchend um, alswürde ihr etwas fehlen. Dann bemerkte sie die Beule an ihrem Kopf und das Bett rechts neben ihr. Die untere Liege war noch belegt – eine Taurin mit gänzlich schwarzem Fell lag noch darin und hatte ihr den Rücken zugedreht, versuchte offensichtlich noch weiter zu schlafen.

Die Liege darüber war leer, die Decke hing herab. Sie war also aus dem Bett gefallen. Während sie schlief und geträumt hatte? Moment...hatte sie vielleicht genau deswegen das geträumt, was sie gesehen hatte? Langsam stand sie auf und stellte sich auf ihre eigenen Hufe. Nachdem sie mehrere Male versichert hatte, dass mit ihr alles in Ordnung war, ging sie nach draußen.
Es war noch früh. Die Sonne suchte gerade erst einen Weg über die Klippen von Mulgore und spendete trotzdem die ersten Sonnenstrahlen für die Hauptstadt der Tauren, Donnerfels. In einiger Entfernung roch man den Duft von frischem Kräuterbrot, an anderer Stelle nahm die das Plätschern des kleinen Sees wahr.
Es war noch früh und dennoch fühlte sie schon das Leben an diesem Ort. So intensiv wie sie es noch nie zuvor gespürt hatte.

Gedanken gingen ihr durch den Kopf, während sie dem Sonnenaufgang entgegen blinzelte. Dann drehte sie sich um und ging rasch wieder in die Hütte hinein. Die anderen hatten sich größtenteils wieder auf ihre Liegen gelegt und ruhten sich aus. Nur eine getupfte Taurin stand ihr gegenüber und betrachtete, was Braunpelz da trieb.

„Was hast du vor?“ meinte diese, als sie sah, wie Braunpelz ein Bündel mit einigen Kleidern und den wenigen Groschen, die sie besaß, packte.
„Ich...folge meinem Weg.“ murmelte Braunpelz mehr zu sich als zu Kabana, die sie zweifelnd anstarrte.
„Deinem Weg? Du hast doch gerade erst mit der Ausbildung angefangen. Und du bist noch viel jünger als... „...noch viel jünger als alle anderen, die hier sind. Ich weiß, doch ich weiß auch, dass ich gehen muss.“

Kabana legte eine Hand auf die Schulter von Braunpelz. „Was haben die Geister dir offenbart?“ fragte sie ihre Freundin. Kabana war eine Schamanenschülerin, die Kenntnis um die Geister war ihr in die Wiege gelegt worden – ebenso wie ihr erstes Totem, mit dem sie früher als kleine Kuh schon gespielt hatte.

„Ich...weiß es nicht genau. Doch ich habe einen Weg gesehen, dem ich folgen muss. Ich spüre, das es das Richtige ist.“
Kabana nickte. „Wen die Geister rufen, der muss gehorchen. Das verstehe ich vielleicht besser als alle anderen.“ meinte sie und blickte sich um.

„Krieger...Jäger...sie verstehen lange nicht alles. Braunpelz, ich wünsche dir alles Gute. Mögen die Geister dir gewogen sein und dich auf deinem Weg, wo auch immer er hinführen mag, beschützen.“ Braunpelz dankte anerkennend und strich mit einer Hand über den Kopf ihrer Halbschwester. „Wir werden uns wiedersehen. Das spüre ich ganz deutlich. Es wird einige Zeit dauern, doch wir werden einander wiedersehen.“

Mit diesen und keinen weiteren Worten verließ Braunpelz schließlich die Hütte, nahm sich von dem frisch gebackenen Brot und den Beerensäften der Händler, zahlte mit ihren letzten Groschen und ging dann auf die ehrfurchtgebietenden Aufzüge, die zu den höchsten Ebenen führten, zu.

Ihr Weg würde ins Brachland führen. Weshalb, das wusste sie jetzt nicht. Doch nahm sie dabei gern jeden Botengang auf sich, um ihre spärlichen Finanzen etwas aufzustocken. Ihr Schicksal lag vor ihr. Es zu ergründen...das war nun ihre Aufgabe.

Eine Aufgabe, die sie zu erfüllen gedachte.
Wenn sie den Weg denn nur finden würde.

 
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Kapitel 5 – Ein Herz aus Eis


Es war wie gestern.

Heerscharen von Untoten fegten über Lordaeron hinweg, mordeten, meuchelten und fraßen alles, was lebte und sich irgendwie dem Klammergriff der Brennenden Legion zu entziehen suchte. Überall brannte es, brachen Häuser zusammen, fielen Hütten ein und stürzten dicke Mauern um.

Bravius Kalvador war so lange in Dalaran geblieben wie er konnte. Seine Studien der Magie hatten den Erzmagiern gute Dienste geleistet den Zauber vorzubereiten. Doch nun, da die Geißel immer weiter voran schritt, fehlte die Zeit, das zu vollenden, was gerade gewoben wurde.

Ein weiterer Feuerball bildete sich auf den Händen des Magiers, flog kurz darauf in die Mengen der Geißel, um Momente später Dutzende von ihnen zu verbrennen, zu verstümmeln oder einfach zu Asche zerfallen zu lassen. Ein selbstsicheres Grinsen lag auf seinem Gesicht dann blickte er über die Schulter.
Ein riesiger Fleischgolem stand hinter ihm und holte mit einer Keule aus, traf ihn am Kiefer. Er spürte, wie ein Knochen knirschte und ihm kurz darauf der Mund den Dienst versagte. Schnell wob er noch einen Zauber, konnte ihn aber nur noch brabbeln. Eine Explosion aus Arkaner Magie traf den Fleischgolem und schleuderte ihn zurück. Das gab Bravius die dringend benötigten Sekunden, um sich wieder aufzurappeln und an Flucht zu denken. Die Magier im Inneren der Stadt...sie müssten auf sich selbst aufpassen. In diesem Moment sah der Magier, das sie das auch hervorragend taten. Denn mit einem Mal war von den Magiern nichts mehr zu sehen, nur noch eine große Energiekuppel erhob sich über ihnen, versiegelte die Reste der Stadt, unerreichbar für Geißel oder Brennende Legion.

Frust und Wut machte sich bei den Überlebenden der Geißel breit, als sie auf die Barriere brandeten und nicht hindurch schreiten konnten. Frust und Wut wandelten sich in Hass, der ein Ziel suchte. Bravius wurde erspäht und Ziel des Angriffs. Hunderte Ghuls schossen auf ihn zu, von denen er mehrere Dutzend hinfort schleuderte, verbrannte, verstümmelte und auf andere grausame Arten in den Tod schickte. Doch es waren zu viele...viel zu viele brandeten auf den Magier ein, überwältigten ihn, zerrissen ihn bei lebendigem Leib und saugten das Leben aus seinen Adern.

Dann wurde es kalt und dunkel.

Lange Zeit kalt und dunkel.

Bravius dachte, der Tod habe sich endlich und vollends seiner ermächtigt, als ein grelles Licht durch seine Augen schoss.
Er blinzelte.

Doch da waren keine Lider, die das Blinzeln auslösen konnten. Nur ein Glühen. Ein magisches, dämonisches Glühen. Er blinzelte erneut, das  Glühen flackerte kurz und spendete die beruhigende Dunkelheit, die er so sehr begehrte.

Hass.

Wut.

Es brannte in ihm. Er wollte die Ghuls noch immer verbrennen. Wollte sie dem Tode endlich zu fressen geben. Doch dann wurde ihm klar, dass sie ihn diesem schon zu fressen gegeben hatten. Nur noch schlimmer: Sie hatten seinen Körper zerrissen, doch seine Seele in ihm zurückgelassen.
Bravius erhob sich. Sein Körper knirschte, als wäre er nicht viel mehr als ein verdorrter Ast. Er blickte auf seine Hände...und erschrak.

Kaltes Fleisch hing lose an Knochen, umwickelt von einzelnen Bandagen. Er konnte durch seine Rippen die faulen Eingeweide sehen, die in Stücken in ihm hingen. dennoch war da irgendwie Leben...oder war es nur ein Gedanke, den er da hatte? Er spürte mit einem Mal eine extreme Kälte in sich...der Wind, der durch seine Knochen und damit durch ihn hindurch wehte. Er war nun selbst ein Untoter, einer dieser verhassten Geißel. Doch seine Gedanken...sie waren klar, sein Willen war nicht dem ergeben, der seinen Tod gewollt hatte.
Er diente...niemandem.

Einsamkeit machte sich in ihm breit. Eine noch tiefere Kälte strömte durch seine wenigen, leeren und vertrockneten Adern.
„Ein weiterer ist erwacht!“ hörte er einen Ruf und wendete sich um zu dem Ursprung der Stimme. Erst jetzt bemerkte er, dass er in einem Sarg und in einer Krypta aufgebahrt lag. Vielleicht hätte er hier einfach liegen bleiben sollen, doch ein anderer Gedanke in ihm war verlockender: Jetzt, in dieser Gestalt, konnte er der Geißel mit gleicher Macht und gleicher Münze entgegen treten. Sein Innerstes wurde noch kälter, wäre gefroren, wenn noch etwas Flüssiges dort gewesen wäre, das hätte gefrieren können. Mit einem leisen Knirschen erhob er sich aus seinem hölzernen Kastenbett, sah sich um. Viele Skelette lagen herum, einige auf einem Scheiterhaufen, andere zertrümmert und verteilt. Einem fehlte der Unterkiefer komplett, dem anderen war ein Stück aus der Schädeldecke heraus geschlagen worden.

Ein schrecklicher Verdacht...schnell ertastete er seinen eigenen Schädel...und spürte, wie sein Unterkiefer zerbrochen und schief wieder zusammengenagelt worden war. Sein Anblick musste so grausam sein, er fürchtete sich, in den Spiegel zu blicken – sicher, er würde sich dann selbst wohl nicht erkennen oder vor Verachtung einfach zu Staub zerfallen.

Stufen...Dutzende erklomm er und sah an deren Ende einen Soldaten...besser gesagt: Ein Skelett in Rüstung. Das die Rüstung diesen Untoten nicht einfach ob ihres Gewichtes zerschmetterte, erstaunte Bravius. Er musterte den Untoten.

„Bei der Herrin – ein Glück, das du gerade noch rechtzeitig aufgewacht bist! Wir wollten diese Krypta gerade komplett ausräuchern, um den Vorstoß der Geißen endlich zum Versiegen zu bringen.“
„Was ist geschehen?“ knurrte Bravius. „Wie steht es um den Krieg?“ „Den Krieg? Freund, wir haben gewonnen! Die Legion wurde verbannt und unsere Landen sind so gesichert, wie es für uns nur geht. Doch überall sind Krisenherde und Konflikte. Unsere Krieger fallen an allen Fronten. Da sind wir über solche wie dich doppelt froh.“
Bravius nickte knapp. „Sag, wo kann ich ordentliche Kleidung her bekommen? Diese hier ist...nicht gerade sehr...adäquat.“

Der Krieger nickte. „Eine Schneiderei findest du in Unterstadt, wenn du diesem Pfad hier folgst. Man wird sich überdies zu unserer Herrin
begleiten, der wir unsere Freiheit zu verdanken haben.

Bravius blickte auf.
„Herrin?“

„Lady Sylvanas! Dank ihr sind wir nicht der Geißel oder der Legion anheim gefallen. Sie hat sich gegen jene gewandt und mit ihrer Hilfe konnte der Sieg errungen werden!“
„Ich verstehe.“ begann Bravius, der über all dies nachdenken musste.
„Hab Dank.“ war alles, was er noch sagte, ehe er sich auf den Weg zu besagter Unterstadt machte.

Unterstadt beschrieb diese Heimatstadt der Untoten wirklich hervorragend: Sie war das Unterste dessen, was man wohl als lebenswert erachten konnte. Selbst Ratten fand man hier nur so überaus selten, dass man sie wohl schon als exotische Fremde bezeichnen konnte. Die wenigen Tiere, die sich doch hier nach unten, unter die Ruinen der ehemaligen, menschlichen Festung gewagt hatten, waren ebenfalls so tot wie die meisten Bewohner. Bitterkeit nagte an Bravius, als er viele bekannte und noch mehr unbekannte Gesichter erblickte. Kleidung war schnell gefunden und nachdem er sich entsprechend angekleidet hatte, wagte er es schließlich auch, die innersten Gemächer von Lady Sylvanas zu betreten.

Er erinnerte sich vage an die Erzählungen: Sylvanas Windrunner war einmal eine Nachtelfe gewesen, die einen Vorposten hielt und damit die Legion der Untoten am Vorankommen hinderte. Angeblich wurde sie vom Verräter Arthas verheert und zu einem schlechten Abbild ihrer Selbst geformt.

Als er dann jedoch vor ihr stand, wurde Bravius erst wirklich klar, wie gering sein eigener Verlust im Vergleich zu ihrem hatte sein müssen: Sie war zu einer Banshee geworden, nichts weltlichem mehr, sondern nur noch einem Geist, einem Schatten, einem Schemen einer Lebensform. Dennoch erstrahlte sie in einem intensiven Licht, das ihn erschauern ließ.

„Ich grüße dich, Befreiter. Du gehörst ab dem heutigen Tage zu den Wenigen, die sich die Verlassenen nennen. Wir sind verstoßen von all jenen, die leben und gehasst von allen anderen, die tot sind. Freunde gibt es wenige bis keine, nur Feinde haben wir viele, wie das Leben Wendungen hat.“

„Lady Sylvanas.“ antwortete Bravius nur und kniete unvermittelt vor der, die eine solche Autorität ausstrahlte. Sein Gesicht war dem Boden zugeneigt.

„Verrate mir deinen Namen, der, in dem ich solche Bitterkeit gegenüber der Geißel spüre.“

„Bravius. Bravius Kalvador.“ antwortete er langsam und nach einigen Sekunden, um sicherzugehen, das seine Königin wirklich zu Ende gesprochen hatte.

„Ein klangvoller Name, Bravius. Ein Menschlicher Name. Doch die Menschlichkeit hat dich verlassen, wie alle, die unter uns wandeln. Wir haben nichts Menschliches mehr und selbst die Menschen betrachten uns nur noch als das Böse. Selbst die Horde, die uns ihren Beistand anbot, ist nicht unbedingt immer das Gute, was wir uns erdenken. Wir müssen vorsichtig sein, uns den anderen vollständig zu offenbaren.“ erklärte die Bansheekönigin. Dann senkte sie ihr Haupt.

„Dein Name unter den Sterblichen hat keine Bedeutung mehr. Ein neues Leben hat dich erfüllt und damit ein neuer Name. Ein Name, der deinen Hass widerspiegeln soll und der das Blut in deren Adern, die noch Adern haben, zum Erfrieren bringen soll. Vom heutigen Tage an sollst du dich Bwalkazz nennen, Träger des Hasses gegen die Geißel, die wir alle so verabscheuen und die uns zu dem gemacht hat, was wir sind.“

Bravius...Bwalkazz neigte sein Haupt, sah dann seine Königin an. „Ich danke euch, Sylvanas. Gibt es irgendetwas, das ich tun kann? Ich spüre eine Leere in mir, die gefüllt werden will.“

Die Königin blickte zu ihrem Berater, einem Dämon, dem nicht nur Bwalkazz, sondern jeder anwesende Untote am liebsten mehr als eine Klinge in den Rücken gejagt hätte. Dann blickte sie wieder zu ihm. „Im Lande, das Kalimdor genannt wird, kannst du deine Dienste verrichten. Das Bündnis mit der Horde ist noch schwach, es muss gefestigt werden. Die Orcs sind es, die unsere Position zu verstehen scheinen. Eine gute Ausgangsposition fürwahr, doch muss sie gefestigt werden. Dies soll deine Aufgabe sein.“

Bwalkazz verneigte sich und wendete sich ab. Orcs.
Er kannte sie aus seinem früheren Leben. Manche in guten, viele jedoch in schlechten Dingen. Das er nun mit ihnen gemeinsame Sache machen sollte...das schmeckte ihm nicht wirklich. Doch.....welche andere Wahl hatte er denn? In Gedanken versunken trat er aus der Stadt heraus, blickte auf den
dürren, einsturzgefährdeten Turm, an dem ein Zeppelin festgemacht hatte.

Goblins. Erst Orcs, dann auch noch diese Schändlichkeit der Natur. Doch was redete er da? Er selbst war doch ebenfalls nur noch ein Abbild dessen, was natürlich sein könnte. Nur noch ein Schemen einer Lebensform, die auf der Welt hätte wandeln sollen. Ein Schemen unter Schemen. Das passte.
Von diesem Gleichgewicht der Ungleichgewichte beflügelt bestieg er den Zeppelin und machte sich auf den Weg.

Auf den Weg in das Land der Orcs.
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Kapitel 6 – Wegekreuz

Donnerfels. Stadt der Tauren. Stadt auf den Klippen.

Vadarassar hatte diese Stadt nicht gemocht. Nein, es lag nicht an der Architektur oder der Tatsache, das diese Anhöhen von einer Vielzahl wandelnder  Fellkleiderschränke bewohnt wurde, denen Vadarassar gerade einmal bis zur nicht vorhandenen Brustwarze reichte, nicht einmal dieses idyllische Grün-Braun-Farbgemisch oder der Geruch von frischen Waren. Ebenso wenig war es das helle Licht, das dem Hexenmeister, der dunkle Farben bevorzugte, geradezu unangenehm hell und blendend auffiel. Es war einzig und allein die Höhe, auf der
diese Abart der Riesenbergziegen, die sich selbst Tauren nannten, ihre Stadt errichtet hatte.

‚Hervorragender Überblick’, ‚Nähe zum Himmel’ und ‚Strategisch gut zu verteidigen’ waren die Argumente für diese hohen Klippen, die mit windigen Strickleitern, bei deren Anblick sich Vadarassar mehrmals fast schon in die robenumwehten Hosen gemacht hätte, so verbunden waren, das man entweder tollkühner, lebensmüder Held oder jemand mit extremer mentaler Debilität sein musste, um sie als ‚sicheren Weg’ bezeichnen zu können. Es verblüffte Vadarassar geradezu, dass rings um die Klippen am Boden nicht massenweise Skelette von jenen herumlagen, die über die nicht vorhandenen Absperrungen der Ränder gefallen und hinab in den Tod gestürzt waren. Entweder hatten die Tauren, die diese Höhen bewohnten, auf ihrem Rücken
irgendwo versteckte Flügel, mit denen sie sich im Fall des Falles vor einem tödlichen Sturz zu schützen wussten oder jeder mehr Schutzengel, als in die größte Taverne Orgrimmars jemals hinein passen würden.

Mit der stummen und stillen Entscheidung beschloss Vadarassar, die Erklärung darin zu finden, dass Tauren allesamt amtlich und gehörig einen an der Klatsche hatten, was auch das eigenwillige Hobby der männlichen Tauren erklärte, sich frisch dampfende Metallringe durch die Nasenlöcher zu schieben, die einem Orc allerhöchstens als
primitiver Armreif gepasst hätten...allerdings dann bittesehr vorher abgekühlt, ja?

Mit der innerlichen Beruhigung, endlich dieses Land der riesigen Irren zu verlassen, stieg Vadarassar auf einen der Windreiter, der ihn wieder zurück zu dem Wegekreuz bringen sollte.
Wegekreuz. Eine derart einfallslose Bezeichnung für einen Ort konnte man nur mit dem kombinierten Verstand von Tauren, Orcs und Furbolgs erdacht haben. Kreuzstraße, Ebenenherberge, Brachlandia – alles wäre einfallsreicher gewesen als das simple ‚Wegekreuz’. Ja, es kreuzten sich zwei lange Wege in der Mitte dieser Siedlung...und deswegen dieser Name? Wahrlich – wer sich das erdacht hatte, dürfte wohl nicht älter als drei gewesen sein und in seinem Vokabular weit mehr als ‚Dada’, ‚Mumu’, ‚Lala’ und ‚Popo’ gehabt haben.

Noch immer über diese Gedanken sinnierend blickte Vadarassar von seinem Windreiter hinab. Mulgore, das Land der Tauren, sah richtig schön idyllisch aus. Weite Wiesen, keine Spur von Trockenheit oder Verderbnis, die die Brennende Legion über viele Teile der Welt gebracht hatte. Trotz seiner Zuneigung zu Tod und Zerstörung berührte es ihn doch ein wenig, wenn er eine Gegend sah, die nicht verheert worden war.

Bald schon überflog er jenen Außenposten der Tauren, der Camp Taurajo genannt wurde.

Camp Taurajo – DAS war ein Name für eine Siedlung. Ein Camp, also keine Stadt, und ein ordentlicher Name, der unmittelbar auf die Bewohner anspielte. Nichts Blödes wie ‚Mulgoreweg’ oder dergleichen, sondern wirklich ein ordentlich erdachter Name.

Offenbar hatten die Tauren doch mehr im Kopf, als er bei ‚Wegekreuz’ als Namen erdacht hatte. Der Windreiter folgte der Straße gen Norden, vorbei an vielen Kodos und Donnerköpfen, wie diese wilde, blitzespeiende Abart der Kodos genannt wurde. In einiger Entfernung fiel ihm eine Taurin auf, die gerade von drei dieser Bestien eingekreist wurde. Sie sah noch jung aus – weit jünger als Nibaya, die er nach Donnerfels begleitet hatte.

Ihrer Kleidung nach zu urteilen war sie allerdings auch eine Druidin, nur veränderte diese nicht ihre Gestalt zu einem Bären oder gar einer Katze, um sich zu wehren, sondern rief stattdessen mächtige Ranken aus dem Boden....was diese Donnerköpfe allerdings nicht daran hinderte, ihr ihre Blitzschläge entgegen zu werfen. Nein, es stand offensichtlich nicht gut um die Taurin. Und allein schon deswegen, weil Nibaya eine solch freundliche Gefährtin gewesen war glaubte Vadarassar sich in der Pflicht, dieser jungen Taurin zu helfen.

Normalerweise war es nicht möglich, ein Flugtier wie einen Windreiter von seinem festen Weg, den er zwischen zwei Punkten finden sollte, abzubringen oder gar zur Landung zu zwingen. Die sanften Überredungskünste des Hexenmeisters, bestehend aus zwei Flüchen und einem Dolch der sich gegen die Kehle des Tiers zu drücken begann, überzeugten diesen jedoch so sehr von der Dringlichkeit der Bitte, das er in den Sturzflug über ging, sich drehte und Vadarassar knapp über dem Boden herunter springen ließ, um kurz darauf, in seiner eigenen Sprache Tod und Verderben hinter dem Hexer her
fluchend, den Weg fortzusetzen.

Vadarassar landete inmitten der Schar und genau vor der Druidin, die bereits auf die Knie gesunken und damit genau so groß wie Vadarassar war. Zynisch irgendwie, denn sie war klar erkennbar und weitaus jünger als er.

Vadarassar setze zu einem lauten Schrei an, einem schnellen Zauber, der die perplexen Tiere in eine solche Panik versetzte, dass sie allesamt die Beine in die Schuppen legten und davon sputeten, als hätte man ihnen die Rückenschuppen auf links gedreht.

„Bist du in Ordnung?“ fragte der Hexenmeister mit schroffer Stimme.

Die junge Taurin nickte sachte und erhob sich, offenbarte dennoch einige Wunden von den Blitzschlägen. Zwar hatten ihre dünne Lederbekleidung und ihr Fell die meisten Blitze gut abgeschirmt, doch einige hatten ihre Spuren hinterlassen.

„Los – auf die Beine. Die Viecher werden nicht ewig weg bleiben. Und wenn ihr Anflug von Panik verflogen ist, werden sie mit noch mehr Tieren aus ihrer Herde zurück kommen. Der Zauber hält nicht ewig.“ drängte der Hexer zur Eile, trieb die Taurin an und über die Brücke in
Richtung Wegekreuz.
 



Ein weiterer der roten Riesen sank getroffen zusammen. Die rechte Seite war von Krallenspuren überzogen, Bissen hatten die Beine einbrechen lassen, während die linke Seite von einem Dutzend Pfeilen durchsetzt war, der Kopf mit zwei weiteren gespickt nur noch schlaff nach unten hing und Blitze dank einem Pfeil, der das Maul versiegelt hatte, schon lange nicht mehr hinaus treten konnten.

„Nummer neun für heute.“ triumphierte Teborasque über sein eigenes Talent, obwohl er ja nur gerade die Hälfte dessen getan hatte, was nötig war, während sein Gefährte sich dem Tier entgegen geworfen hatte. Das Rückenfell des Geparden dampfte noch ein wenig von einem Blitz, der ihn gestreift hatte. Rasch rieb Tebo mit seiner Hand darüber und betrachtete seinen Kameraden.

„Alles in Ordnung?“ fragte er diesen und der Kater blickte seinen Herrn mit grimmigen Augen an. Jemand anders als Teborasque hätte das wohl nun als Drohung verstanden, doch die Ohren des Trolljägers verstanden genau, was der Gepard ihm zuknurrte.

„Ein paar angesengte Haare. Nichts weiter. Die großen Viecher sind viel zu langsam und ungelenkig.“

Teborasque nickte. Die großen Bestien waren wirklich kein Problem für sie beide. Sie hätten sogar zwei von denen zur gleichen Zeit erlegen können, so leicht waren sie für die beiden auszuschalten.

Etwas rumpelte hinter ihnen. War es eine weitere dieser
blitzespuckenden Bestien? Teborasque drehte sich mit einem siegessicheren Grinsen um.....und erstarrte. Mit einem Schlag wich ihm die Farbe aus dem Gesicht.

Die Veränderung kam so schlagartig, das auch Swift sich umdrehte und nachsehen wollte, was seinen Herrn da gerade so einen Schrecken eingejagt hatte.

Donnerköpfe. Nicht einer, nicht zwei oder drei. Nein....Teborasque vermutete es waren.....alle...
„Lauf!“ rief der Jäger noch und sprang auf, vergaß den gerade erlegten Kadaver zu häuten oder die benötigte Galle zu entnehmen, streifte sich den Bogen über die Schulter und nahm die Beine in die Hand. Swift ließ es sich nicht zweimal sagen und spurtete los, ließ seinen natürlichen Trieb, so rasant wie nur der Wind zu rennen, freien
Lauf und stürmte gen Norden und Richtung Wegekreuz.

Teborasque folgte kurz hinter ihm, fühlte sich von dem Aspekten, der seinem Gefährten glich, durchströmt und spürte, wie seine Füße immer größere Schritte machten, ohne dabei an Bewegungstempo zu verlieren.

Weg...nur schnell weg hier. Wer um alles in der Welt war irre genug, ALLE dieser Donnerbestien GLEICHZEITIG derart zu verärgern? Wer konnte so unglaublich bescheuert sein?!?

Sein Blick zu den anderen beiden fliehenden und speziell den Umhang des dafür offensichtlich verantwortlichen beantwortete seine Frage, als erst Swift und dann auch er an ihm vorbei ins Dorf hinein stürmten.

„Ein Hexenmeister! So etwas Dämliches kann auch nur einer von euch ausgeflippten Kerlen machen Mann!“ fluchte Teborasque atemlos, als er endlich zum Stehen kam und hörte, wie die Wachen der Stadthi nter ihm in Position gingen. Fast gleichzeitig zog er seinen Bogen, um sie nach bestem Wissen und Können zu unterstützen.

„Ach mach den Hals zu du dümmlicher Troll.“ dröhnte der Hexer, sich seinerseits den Bestien zuwendend. Seine Augen flimmerten vor Feuer und Dunkelheit zur gleichen Zeit, als er einen lila leuchtenden Kreis um sich zog, der rasch größer wurde. Mit einem Finger tippte er hinein und riss einen kleinen, unförmigen Schatten heraus.

Fast hätte Swift das Ding für eine Maus gehalten und es verschlungen, bemerkte aber im letzten Moment die dämonische Aura um das, was er sah: Ein Wichtel.

„Was willst du denn?!“ zischte der kleine Wichtel und kassierte dafür von Vadarassar zur Begrüßung eine Kopfnuss. Sein Haupt reibend blickte der Kleine den anrückenden Horden entgegen und nickte grummelnd.

„Das stand aber nicht in meinem Vertrag!“ zischte er wieder, fing sich dafür die zweite Kopfnuss des Tages. Das reichte ihm zur Überzeugung und ließ seine Hände vor Feuer glühen. Vadarassar tat es ihm ähnlich, ließ seine Hände aber in der gleichen Schwärze wie jener, die diesen
Kleinen Wichtel beschworen hatte, aufglühen. Ein Feuer- und kurzdarauf ein Schattenblitz verließen den Wichtel und seinen Herrn, trafen das führende Monstrum, gefolgt von einer Landung Pfeile, die von Teborasque stammten. Das reichte dem Tier, um es nieder zu reißen.

Die dahinter kamen ins Stocken, strauchelten über den gestürzten Kameraden, wurden langsamer und teilweise von Panik ergriffen, als ein Hagel aus Feuerblitzen, Schattenkugeln und Pfeilen auf sie zu donnerte, dicht gefolgt von vier schwer gepanzerten Hordenwachen,
die laut brüllend auf die Monster zu rannten.

Ihr Vorwärtskommen stockte. Stattdessen drehten die meisten Tiere um und flohen, so lange sie noch eine Chance sahen, mit halbwegs heilen Schuppen zu entkommen. Nur zwei entkamen wirklich unversehrt, der Rest war gespickt mit Brandblasen und Pfeilen.

„Also – hat doch funktioniert.“ gratulierte Vadarassar sich selbst und seinem kleinen Diener, der neben ihm stand und herum fuchtelte, als hätte er ganz allein für den Sieg die Verantwortung verdient.

„Jetzt hör mal zu du Großmaul! Lass mich sofort frei oder ich brenne dir so was von ein Loch in deine-“ begann der Wichtel, doch der Hexenmeister zeigte nur mit einem Finger auf den Wichtel.

„Verschwinde!“ grummelte er.

„-Robe das du...“ konnte der Wichtel noch sagen – weiter kam er nicht, dann verging er in einer kleinen, schwarzen Wolke und einem leisen *puff*.

Sowohl die Taurin als auch der Troll starrten den Hexer fassungslos an.

„Er ist wieder dort, wo ich ihn her geholt habe.“ beruhigte der Hexenmeister mit einer sicher wirkenden, nickenden Geste. „Dort kann er sich abkühlen, bis ich ihn das nächste Mal brauche.“

Abkühlen?

ABKÜHLEN?!

Diesem Orc...diesem....oooohhh...diesem.... Jubtuk würde es diesem Möchtegernhexenmeister schon noch zeigen! Wenn er nur nicht so verdammt groß wäre dieser Mistkerl!

„Wieso brüllst du so rum?“ fragte eine dumpfe Stimme so langsam, das Jubtuk davon fast eingeschlafen wäre, wäre er eben kein Dämon gewesen und nicht so unglaublich wütend.

Ein großer, blauer Schatten schälte sich aus der Schwärze der Unendlichkeit, in der die Dämonen hausten.

„Wieder...er hat mich WIEDER nicht ausreden lassen! ICH mache die Drecksarbeit, werde VORGESCHICKT und ER streicht die LOORBEEREN dafür ein! DIESER MISTKERL von einem...“

„Er ist unser Meister. Er, der uns aus dem wirbelnden Nether in diese Zwischenwelt geholt hat.“ sagte der Leerwandler einschläfernd. „Er ist der Herr. Wir sind die Diener. Du dienst, ich diene. Wir dienen.“

„Ach du mit deinem begrenzten Verstand...du hast zu oft eins auf die Zwölf bekommen! Deswegen redest du auch so langsam!“ fluchte Jubtuk weiter. Seine Wut kannte keine Grenzen. Wieder umgaben Flammen seine kleinen Finger und er hätte diesen dämlichen Leerwandler am liebsten gegrillt, wenn...ja...wenn seine Magier hier VERDAMMT NOCHMAL FUNKTIONIEREN WÜRDE!


„Du bist doch wirklich ein Armer Irrer. Lockst mal eben kurz die ganzen Viecher hier her! Was, wenn dein Wichtel, mein Bogen und deine Magie nicht gereicht hätten? Was, wenn die Deppen von der Allianz mal wieder gemeint hätten, hier eine Belagerung auszufechten, weil ihnen in ihrer komischen Orkanstadt so gähnend langweilig ist? Was wenn....?“ fluchte Teborasque auf den Hexenmeister ein, doch die Taurin erhob sich und ging dazwischen.

„Beruhige dich, Troll. Er wollte mir helfen, hat wohl mein Leben gerettet. Bitte, sei deswegen nicht verbittert.“

Teborasque starrte die Taurin an. Sie war eine Druidin...das sie Hilfe bedurfte verwunderte ihn sehr. Druiden galten als so mächtig wie Magier – wenn nicht sogar noch mächtiger. Sie bezogen ihre Energien schließlich nicht aus sich selbst und ihren eigenen Fähigkeiten, sondern der Kraft des Landes, dieser Welt, diesen Regionen. Gerade hier im Brachland...hier war das Land noch so voller Leben...da hätte sie mehr als genug Kraft sammeln können. Wenn sie...ja...wenn sie nur nicht so
jung gewesen wäre.

Voller Respekt neigte er den Kopf und sah stattdessen zu dem Hexer.

„Das tilgt einen Teil deiner Schuld, Orc. Doch nicht alles, glaub es mir.“ brummte der Troll und schritt nun aus dem Lager heraus auf die Kadaver der vier erlegten Bestien zu. Er brauchte noch immer eine Galle...und diese vier hier waren mindestens ebenso gut wie das Vieh, das er mit seinem Kameraden allein erlegt hatte.

Hexenmeister...bisher waren sie zu nichts gutem zu gebrauchen. Das wusste Tebo. Schließlich war es ihnen maßgeblich zu verdanken, das Azeroth jetzt so aussah wie man es kannte.

Verfluchte Hexer...

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Auf Wunsch einiger werde ich die Geschichte hier im Forum weiter fortsetzen
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