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Ein Lied von Feuer und Eis...

[Game Master]
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Kalinora glaubte, ihren Augen nicht zu trauen: Während sie eine Kundin bediente, betrat ein TROLL mit feuerroten Haaren ihr Geschäft, in einer Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen suchte ! Ohne zu zögern, griff die Eismagierin nach einem kräftigen Strang Wassermagie und wob einen hautengen, eisigen Käfig um den un-(oder eben dann doch-)verfrorenen Eindringling – und begutachtete das nun zwangsläufig regungslos verharrende seltsame Exemplar eingehend.

Kalinoras Kundin, eine offenbar sehr feinfühlige Nachtelfe, bewies die für ihr Volk fast typische Einfühlsamkeit und überlegte sich, mit welchem Zauber sie den Troll wohl von seinem Leiden heilen konnte. Zum zweiten Mal seit ihrer Rückkehr nach Sturmwind erlebte Kalinora daher den unglaublichen Unterschied zwischen nachtelfischer und menschlicher Magie… So, wie es ihr vor ein paar Tagen nicht geglückt war, den im Wasser des Mondbrunnens schlummernden, Leben-erschaffenden Keim zu erwecken, so schien die Nachtelfe die eis-magischen Fesseln um den Trollkörper nicht zu erkennen. Erst nach Kalinoras Erklärung schien sie dann zu erkennen, dass dem starr daliegenden Körper nichts fehlte, sondern etwas hinzugefügt worden war…

Roxy, ihre gnomische Magie-Kollegin aber, entwickelte an dem Schau-Stück sogleich ein starkes Interesse, das sich auf die erstaunlich weichen Haare - und die Eignung des Kerls als Sklaven bezog. Kalinora gönnte der jungen Magierin ein solches Spielzeug der besonderen Art, zumal sie selbst absolut keine Verwendung dafür hatte. Selbst als in Eis konservierte Statue war ihr der Anblick zu abstossend, als dass sie ihn hätte länger ertragen können. So entliess sie den Troll schliesslich aus dem magischen Gefängnis. Ehe allerdings Roxy auch nur die erste Silbe eines wie auch immer gearteten Spruches über die Lippen brachte – war das rothaarige Rauchfleisch geflohen…

Ob die rasche Flucht nun daran lag, dass Trolle einfach Eismagie nicht mögen, oder an der Schmach, von einer Menschin festgefroren worden zu sein, vermochte Kalinora nicht zu entschüsseln. Sie notierte sich allerdings auf ihrem mentalen Merkzettel, dass männliche Trolle sehr anfällig auf Eismagie reagierten – und die dabei hervorgerufene Furcht vor Erfrierungen an bestimmten Stellen die Wirkung der magischen Fesseln durch die Kraft der Vorstellung in Eigenkreation manipulativ verstärkten… Eine durchaus praktische Erfindung der Natur, die männlichen Trollen (Fussnote: nur Trollen ?) die phantastische Selbstüberschätzung in Bezug auf die Wichtigkeit ihrer Geschlechtlichkeit eingepflanzt hatte. Und wie alle Erfindungen der Natur wussten findige Magierinnen diese zu ihren Gunsten zu nutzen.



Kurz darauf wurde die Schneider-Grossmeisterin erneut von den jüngst höchst erstaunlichen Zuständen in Sturmwind überrascht.

Jetzt gab es also auch noch UNTOTE, die sich frei in der Hauptstadt der Menschen bewegten ?! Ihre wiederum rasch gewirkte magischen Fesseln glitten wirkungslos an dem Un-Wesen ab. Die Magierin versuchte, ihre Irritation zu verbergen und begann, weitaus stärkere Magie in sich zu bündeln, um im geeigneten Moment zuschlagen zu können.
Als der Wortführer der beiden neuen Eindringlinge dann allerdings nach ihrer Schwester fragte, entriss der Schrecken ihr für einen Moment die Kontrolle über die magischen Ströme. Kaltes Entsezten griff nach Kalinoras Herz, sie reagierte aber wieder, ohne nachzudenken und gab sich gegenüber dem dämonisch-anmutenden Wesen als Rhea aus.

Ein grünes, riesiges, schwebendes Auge erschien plötzlich wie aus dem Nichts und umkreiste die Magierin. Die Eiseskälte des Nethers, gepaart mit der des Todes, schien ihr Innerstes setzierend zu durchleuchten. Der Angriff kam zu schnell, zu unerwartet, um sich dagegen schützen zu können, und ihr Geist war dem Übergriff hilflos ausgeliefert.

Der unheimliche Besucher versuchte, ihr mit einem zornigen "Nein !" zu vermitteln, dass er ihre Lüge durchschaut habe, doch Kalinora gab nicht auf. Solange er ihren richtigen Namen nicht kannte, konnte sie daran festhalten !

"Mein Name ist Rhea, und wenn ich nicht die Rhea bin, die Ihr sucht, dann seid Ihr am falschen Ort !"


Der namenlose Besucher zeigte wenig Geduld und Selbstbeherrschung. Er ging zum Angriff über - und verwüstete die Schneiderei zornig mit Feuer:






Die Eismagierin warf dem Wüten des Bösen ihre eigene Magie entgegen und versuchte, das Schlimmste zu verhindern. Eis traf auf Feuer, Feuer traf auf Eis - in einem magischen Inferno massen die beiden ihre Kräfte. Kalinora war zwar eine Meisterin in ihrem Element, doch der Kampf benötigte ihre vollste Konzentration und beraubte sie fast all ihrer Kräfte. Dennoch blieb sie eisern und gab um keinen Zoll nach.


Letzten Endes musste der Unheimliche sich zurück ziehen, ohne eine Information über den Aufenthaltsort ihrer Schwester erhalten zu haben. Doch mit welchen Mitteln auch immer er es versucht hätte, er hätte diese Information von Kalinora auch nicht erhalten können - sie wusste ja selbst noch immer nicht, wo Rhea sich genau aufhielt !


Kalinora aber brannte sich die Erscheinung des Untoten unauslöschlich in ihre Erinnerung ein. Und sie wusste sich nun unter Beobachtung dieses Un-Wesens.

"Ja, beobachte mich, konzentrier dich auf mich - und sei abgelenkt...!"


Kalinora betrachtete das Ergebnis der Auseinandersetzung als ihren Sieg und hoffte von Herzen, dass es ihr gelingen würde, dieses dämonische Wesen von ihrer Schwester fern zu halten ! Doch jetzt musste zuerst einmal der König über die Zustände in seiner Stadt informiert werden. Kalinora setzte einen geharrnischten Beschwerdebrief auf, und wusste, dass auch die Draenei, die später hinzu gekommen war und die Verwüstung in ihrem Laden gesehen hatte, eine Meldung machen würde. So konnte es in Sturmwind nicht weiter gehen ! Irgend jemand musste hier wieder für Ordnung sorgen !



Kurz vor dem Einschlafen glitten nochmals die Bilder der beiden Untoten durch ihre Gedanken, und auch der Troll tauchte nochmal vor ihrem inneren Auge auf. Ohne Angst, dafür mit kühler Gewissheit, wurde sich die Eismagierin bewusst, dass sie sich an diesem Abend ihre persönliche Todfeinde geschaffen hatte - und ihre eigenen persönlichen Todfeinde gefunden hatte: Der Troll mochte vielleicht mit seinem Voodoo-Zauber nach ihr zu greifen und ihr zu schaden versuchen, doch der Untote... dieses Kräftemessen war noch nicht vorbei ! Und sie würde alles daran setzen, diesem Un-Ding das Handwerk zu legen ! Wenn sie nur Rhea damit schützen konnte !
Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
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