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Schattenseiten

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Rhea und der Fuchs


"Na, wer hätte das gedacht !"

Rhea hängte ihren tropfnassen Umhang schwungvoll an einen Haken und warf den Hut lässig darüber. Den ganzen Weg von oberhalb des Hafens bis zu ihrem Laden war das breite Grinsen nur dann aus ihrem Gesicht gewichen, wenn es von einem amüsierten Auflachen abgelöst worden war.

Da hatte doch so ein einfacher, wenn auch umständlicher Botengang, bei dem sie einem ihrer Versteigerungskunden seinen Umhang persönlich hatte abliefern wollte, dazu geführt dass sie……  Jetzt, sicher in ihren "eigenen vier Wänden", hielt sie das Lachen nicht mehr zurück.

Sie hatte den Fuchs kennen gelernt ! Unverhofft und ungeplant war sie dem Manne gegenüber gestanden, der in Süderstade einen schon fast legendären Ruf hatte. Zumindest in gewissen Kreisen. Beziehungsweise…. Es gab da so verschiedene Gerüchte, an deren Verifizierung einige Personen sehr interessiert wären.

Rheas Gedanken überschlugen sich, als ihr rasch einige Namen von Leuten und Organisationen in den Sinn kamen, die sich darum bemühten, mehr über den Fuchs heraus zu finden ! Sie begab sich hinter die Warentheke, in den Bereich des Geschäftes, in dem sie wohnte, seit sie den Laden ihrer Schwester übernommen hatte. Aus Kalinoras Leinenresten und etwas Heu waren schnell eine einfache Matratze und ein Kissen gemacht gewesen, und ein Umhang diente als Decke. Es war Sommer, da brauchte es nicht viel. Dank König Valgorins Erlaubnis hatte sie sogar einen richtigen Hocker, und ein einfaches Fass diente als Tisch.

Daran setzte sie sich nun, holte Pergament und Tinte daraus hervor, und überlegte sich, an wen sie diese Neuigkeit wohl am Gewinnbringendsten verkaufen könnte. Sie tauchte die Feder ins Tintenfass…

Der Fuchs hatte sich in militärischen Kreisen ja so seinen Namen gemacht. Es war bekannt, dass er zum Hauptmann aufgestiegen war. Diese Information war also nicht mehr neu und nützte ihr gar nichts. Sie schmunzelte kurz, als sie daran dachte, dass er ihr sein Abzeichen gezeigt hatte. Es hatte sich echt angefühlt und auch so ausgesehen. Doch Rhea hatte schon einmal eine Fälschung gesehen, die vom Original kaum zu unterscheiden gewesen war. Solche kleinen Dinger konnten einem geschickten Burschen oder Mädchen vom Lande schon mal ein paar Türen öffnen, wenn man es nicht übertrieb. Aber sie hatte sich noch keines davon leisten können – und war bisher auch gut ohne durchgekommen.

Als er eher etwas irritiert erklärt hatte, dass er ihr damit habe beweisen wollen, dass er "zu den Guten" gehöre und sie ihm ruhig glauben könne, dass er der sei, den sie suche, hätte sie beinahe aufgelacht. Gut, dort hatte sie noch keine Ahnung gehabt, wem sie da gegenüber stand, und Sacul war ein einfacher Kunde gewesen, der mit ihr gespielt hatte. Dreist gespielt, aber eben…. in typischer Fuchs-Manier, wie sie nun ja wusste ! Zu sagen, er kenne den Empfänger und er führe sie hin – nur um sie in eine Sackgasse ausserhalb der Stadtmauern zu führen und ihr dann zu eröffnen, er sei es selbst…

Pah ! Welche Peinlichkeit ! Und so was passierte IHR ?! Aber wenigstens hatte sie sich gut aus der Situation heraus gerettet und Sacul ein wenig hingehalten. Schliesslich sollte er wenigstens erfahren, dass die Händlerin nicht so leichtgläubig war, wie er vielleicht dachte, und nicht so leicht um den Finger zu wickeln !

Aber eben…. dieses kleine Intermezzo hatte ja ein erstaunlich gutes Ende gefunden, auch wenn sie deswegen auf dem Weg zurück völlig verregnet worden war. Er hatte ihr am Ende unverblümt erklärt, wenn sie je wieder nach ihm suchen müsse, solle sie sich einfach nach dem „Fuchs von Alterac“ erkunden…
Sie hoffte sehr, dass das plötzliche Grinsen in ihrem Gesicht für ihn eine bekannte, übliche Reaktion war, war doch offensichtlich, warum er diesen Spitznamen hatte. Zumindest für den oberflächlichen Teil der Welt. Diese feuerroten Haare….

Doch sie wusste, dass da noch mehr dahinter steckte. Wobei…. Wissen war da ja eigentlich nicht ganz richtig…

Nachdenklich steckte Rhea die unbenutzte Feder ins Tintenfass zurück.
Es gab so ein paar Gerüchte. Dass er einer der geheimen Organisationen angehöre. Aber niemand wusste, welcher. Und dass er in "seltsame Geschäfte" verwickelt sei, von denen ebenfalls niemand etwas Genaueres sagen konnte…  Auf jeden Fall habe er Kontakte zu "ganz weit oben". Ob es sich dabei um den König selbst handele, oder um Beziehungen ausserhalb König Valgorins Machtbereich, interner oder externer Art, all dies wusste nie jemand genauer zu bezeichnen.

Gerüchte eben.

Rhea verdrehte die Augen und seufzte leise. Sie wusste jetzt zwar, wer der Fuchs war, aber das wussten andere auch. Und wie viel er selbst von anderen Organisationen wusste, wer da wo dazu gehörte, davon hatte sie keine Ahnung. Oder eben, wem er selbst angehörte ! Wenn sie da jetzt die falschen Leute auf den Plan rief, riskierte sie, nicht nur ihre Tarnung zu verlieren, sondern auch ihren Ruf ! Auch wenn der noch gar nicht existierte. Doch angenommen, sie würde genau die Organisation mit dem Verkauf von Informationen über ihn anschreiben, der er selbst vielleicht angehörte… ?!

Nicht auszudenken ! Sie musste die Sache vorsichtiger angehen. Die jetzigen Informationen waren noch viel zu dürftig, um ihr wirklich zu dienen.  Aber wenn sie es geschickt genug anstellte, konnte sie sich vielleicht ein paar Vorteile verschaffen und am Ende einen richtigen Coup landen ! Auf jeden Fall durfte sie sich nicht verraten, das war das Wichtigste. Für ihn sollte sie erst Mal eine einfache Händlerin bleiben. Wer weiss, ob er sie nicht schon beobachten liess ? Wenn sie jetzt Kontakt zu einer der Organisationen aufnahm, egal, zu welcher, konnte sie sich selbst wirklich alles verderben…

Nein, nein, das musste noch warten. Sie zog die Feder heraus, liess die Tinte abtropfen, saugte den Rest mit einem Tüchlein auf, ehe sie das Tintenfass wieder verschloss und mit dem unbenutzten Pergament zurück in das Fass legte.

Jetzt musste sie erst einmal etwas essen und sich überlegen, wie sie diesen Kontakt zu ihren Gunsten und möglichst unauffällig ausbauen konnte…



ooc:
Wer immer daran denkt, seinem Char ein Schattenleben zu gewähren, ist hiermit gerne aufgefordert, mit zu machen, mit zu schreiben, mitzuspielen.
Auf ein amüsantes Miteinander !
Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
Beitrag #549 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Ein paar Tage zogen ins Land. Rhea ging ihrer Arbeit nach, braute an verschiedenen Mixturen herum, erhielt Waren und leitete sie weiter, und auch die Aufregung der verstörenden Begegnung mit dem Untoten in Sturmwind legte sich wieder. Doch jeden Tag, wohin sie auch ging, begleitete sie das geheimnisvolle Päckchen, das ihr Sacul überreicht hatte.

Die Antwort ihrer Schwester war rasch zurückgekommen und deutlich in Eile aufgesetzt gewesen.

"Wo bist du da nur wieder hinein geraten ?! Lass' ja die Finger davon ! Wer weiss, welch dämonisches Werk sich darin verbirgt, das sich deiner bemächtigt und dich zum Sklaven macht ! – Und wenn kein dämonisches Werk, so ist es doch eine zu seltsame Geschichte, als dass du dich darauf einlassen solltest, Rhea. Mach keine Dummheiten. Ich kann hier leider noch immer nicht weg, im Gegenteil. Auch ich bin in Dinge verstrickt, mit denen ich lieber nichts zu tun hätte. Neugierde ist nicht immer tödlich, aber meistens fatal, glaube mir."

Dämonisches Werk... Kali musste sehr unter Druck sein, wenn sie zu solchen Übertreibungen neigte. Aber gut, Magie ist Magie, und wer sich mit ihr befasst, wird sich wahrscheinlich früher oder später auch mit ihrer dunklen Seite auseinander setzen müssen. Doch Rhea machte sich keine Sorgen, ihre Schwester war vorsichtig und besonnen. Meistens. In den wichtigen Dingen immer.


Gerüchte über günstige Warenangebote in Beutebucht lockten Rhea in den Süden. Die Durchquerung des Dschungels überlebte sie auch nur deshalb, weil eine ihrer Kundinnen, eine erstaunlich wehrhafte Gnomin, zufällig denselben Weg ging und ihr die hungrigen Raubkatzen vom Hals hielt. Vom dem ihres Pferdes und ihrem eigenen. Beides war Rhea mehr, als Recht gewesen.

Die Geschäfte hätten sich gelohnt, wäre Rhea nicht so vermessen gewesen, zu versuchen, die Goblins über’s Ohr zu hauen. Sie hätte es besser wissen müssen. Mit DIESEN windigen "Geschäftsleuten" konnte sie sich noch lange nicht messen ! Nun ja, ganz so schlecht hatte sie ja nicht abgeschlossen, so günstig würde sie wohl nicht so schnell wieder zu derartigen Übungsstücken kommen. Das Leder war durch Meerwasser angegriffen und verschmutzt und schien durch das Maul einer Seekuh gegangen zu sein, doch solange sie im Umgang mit Nadel und Faden nicht geschickter war, kam ihr dieses "Fischleder" gerade Recht: in Salzwasser gebadet, von Unterwasser-Ungetümen durchgekaut und von Goblins wieder herausgefischt – und sensationell günstig verscherbelt. Nur die beiden nassen Schachteln, die würden mehr Rauch, als Hitze erzeugen, wenn sie die verbrannte. Aber auch das konnte irgendwann mal für irgend etwas gut sein, wahrscheinlich.


Rhea ertappte sich dabei, wie sie die andere, schön verpackte Schachtel, gedankenverloren in den Händen drehte und wendete – und gerade im Begriff war, das Geschenkpapier zu lösen !

Rasch stellte sie das Päckchen auf den Tisch und liess stattdessen die Würfel geschickt in ihrer Handinnenfläche herumrollen. Es war zwar schon recht spät am Abend gewesen, doch die Begegnung mit dem Elfen hatte sie aus ihren vernebelten Gedanken geholt. Nach einem Moment der gegenseitigen Unsicherheit hatte sich dann doch erwiesen, dass er derjenige war, der ihr diesen feinen Pelz gezeigt hatte, an dem er interessiert wäre. Und er war mit dem, den sie ihm zeigen konnte, sehr zufrieden gewesen.  

Nachdenklich liess Rhea den Blick zu dem Hammer gleiten, den sie neben ihren Stuhl gestellt hatte. Sie hoffte, dass irgend einer ihrer Kunden damit etwas anfangen konnte, für sie war er viel zu auffällig. Ausserdem hätte sie sich damit wohl eher selbst verletzt, als irgendwelche Köpfe getroffen. Aber wer weiss, vielleicht konnte sie auf der Heimreise andere damit ja täuschen, die denken mochten, sie könne damit umgehen. Ein Schmunzeln huschte über Rheas Gesicht.

Dann atmete sie tief durch und wurde wieder ernst. Ihr Blick fixierte das Geschenk, und sie traf eine Entscheidung. Rasch beugte sie sich nach vorne, liess die Würfel in den Becher gleiten, deckte ihn mit einer Hand zu, schüttelte ihn und kippte ihn auf die Tischplatte.

Bei gerader Augenzahl würde sie das Päckchen ungeöffnet zurück geben, bei ungerader Augenzahl würde sie es auf der Stelle öffnen.


"Wirt, bringt mir einen Met, aber rasch, bitte !"
Langsam hob sie den Becher, den Blick nicht vom Päckchen lösend, und deckte die Würfel mit der Hand zu, bis der Goblin mit dem Met bei ihr war.

"Wieviele Augen zeigt der Wurf ?"

Der Goblin stellte den Krug auf den Tisch und warf einen Blick auf die Würfel.

"Gratuliere, drei Einsen ! Wenn Ihr jetzt noch drei weitere Würfel hättet, wäre das ein guter Start und gäbe Euch schon mal 1000 Punkte. Zehn solche Würfe, und Ihr hättet gewonnen…"

Rhea’s Blick war schon längst zu den Würfeln geschnellt, und sie hob eine Hand, um den Redefluss des Goblins zu unterbrechen. Tatsächlich zeigten alle drei Würfel eine 1. Ungerade.  Das heisst…

… sie musste das Päckchen öffnen !


"Habt Ihr drei weitere Würfel, Wirt ? Wenn ja, holt sie und wir spielen um den Met ! Mein Glück habe ich hier ja leider grad vertan, das lohnt sich für Euch sicher."

Sie zwinkerte dem Goblin zu, der sich offensichtlich auf ein Spiel freute, und während er die Würfel holte, klaubte sie vorsichtig das Papier vom Päckchen, faltete es zusammen, öffnete die Schachtel und blickt erstaunt auf das zusammengrollte Pergament…

Damit hatte sie nicht nun überhaupt gerechnet ! Hatte der Rote Fuchs sie durchschaut ?! Warum sonst hätte er ihr den Plan eines Dolches schenken sollen, den der Zeichner "tödlicher Bronzepoignard" nannte ??

Der Goblin kam frohgemut an den Tisch zurück und setzte sich ihr gegenüber. Rasch verstaute sie das Päckchen in ihrem Rucksack und schüttelte dann alle Gedanken ab, um sich ganz dem Würfelspiel zu widmen.

Der Abend entwickelte sich vielversprechend. Rhea gewann mehr, als nur einen Met. Der Wirt hatte mitbekommen, dass der Elf draussen über das Wasser gewandelt war und sie sich für diesen Trank interessierte. So gewann die Händlerin auch die Information, wo sie vielleicht erfahren konnte, woraus dieser spezielle Trank gebraut wurde…

Aber ob sie dem Wort des Goblins so weit trauen konnte, wie dem Flug des Troll-Kochbuchs -oder sollte sie das wohl eher "Menschenkochbuch" nennen ?-, das des Nachts in hohem Bogen vom Dach des Gasthauses ins Meer segelte ??
Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
Beitrag #565 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Auf der Suche nach dem Rezept dieses Trankes war sie noch keinen Schritt weiter gekommen. Zu viel hatte sich in der Zwischenzeit ereignet, und Sacul war wahrscheinlich an die Front abberufen worden. Der Plan des Fechtdolches lag noch immer gut verwahrt in ihrer Tasche. Wann immer der Fuchs wieder auftauchen würde, sie wäre bereit, ihm zu begegnen.

Rhea atmete tief durch und blickte zum nächtlichen Himmel hinauf. Wolken verdeckten Mond und Sterne, worüber sie in zweifacher Hinsicht froh war. Zum einen waren die Schatten dunkler, was ihrem nächtlichen  Ausflug entgegen kam, zum anderen blieb ihr die Kälte einer sternklaren Nacht erspart. Zwar wäre ihr diese Begebenheit im Sommer deutlich lieber gewesen, doch sehr viel wärmer wäre das Wasser wohl auch dann nicht gewesen, da sie dann ja bis in die dunkelsten Stunden der Nacht hätte warten müssen. Im Herbst waren doch deutlich früher keine flanierenden Liebespärchen in der Stadt mehr anzutreffen, und auch sonst waren die Strassen kurz nach Mitternacht leerer, als in der Zeit der langen Tage. Zeitpunkt und Wetter passten heute also ideal mit ihrem Vorhaben überein.

Dennoch zögerte sie. War sie noch abgehärtet genug ? Oder hatte die Bequemlichkeit der Stadt sie bereits verweichlicht ? Sie war lange nicht mehr nachts schwimmen gewesen, und sie nahm sich vor, dieses Training unbedingt wieder fortzusetzen. Das Meer in Süderstade war nicht mit dem des Schlingendorntals zu vergleichen. Es war auch im Sommer eher kühl und rau, und wenn der stürmische Wind durch die Tannen rauschte, trug er nicht selten die Gischt weit über die Dächer des Dorfes. Wer Kälte und Wasser nicht mochte, war in Süderstade am falschen Ort. Die wettergegerbten Einwohner kannten von Kindesbeinen an nichts anderes, und das Meer gehörte zu ihrem Leben, wie die Luft zum Atmen. Die Murlocs, die sich immer wieder in die Nähe des Dorfes wagten, waren für die Jugendlichen Teil verschiedenster, nicht immer ganz harmloser, Mutproben, und auch Rhea hatte ihren nächtlichen Schwimm- und Tauchausflug an ihnen vorbei quer durch die Bucht erfolgreich überstanden.

Aber mit Murlocs war hier in den Kanälen sicher nicht zu rechnen. Und mit grösster Wahrscheinlichkeit war das Wasser auch wärmer, auf jeden Fall ruhiger, als zu Hause. Rhea absolvierte bedächtig einige Lockerungs- und Aufwärmübungen, und stieg dann langsam, nahe der Mauer, ins Wasser hinein. Erfreut –und erleichtert – stellte sie fest, dass ihr Ganzkörperlederanzug dicht war !

Zumindest bis zu den Hüften….

Dann war es vorbei mit der tollen Idee eines wasserdichten Anzugs. Von den Füssen langsam immer höher steigend, drang das Wasser mehr und mehr durch das vergeblich eingefettete Leder. Kein Fingerbreit blieb trocken.

Rhea keuchte leise auf, als die Kälte sie rasch und unerwartet doch umfing. Einen Moment verharrte sie frustriert, überlegte, ob sie gleich wieder umkehren, sich des kalten, nassen Leders entledigen, die ganze Sache abblasen und auf sich beruhen lassen soll – doch dann erinnerte sie sich an Anthonius' Worte. Zwei Rubine, grösser, als sie sie je gesehen hatte. Unbezahlbar. Niemand schien vorher etwas von der Statue gewusst zu haben – bis sie raffiniert und kunstvoll entwendet worden war. Woher hatte der Dieb seine Informationen gehabt ? War es ein Zufall gewesen ? Aber vor allem: Wie war er eingedrungen und wieder verschwunden, ohne dass auch nur irgendjemand etwas davon mitbekommen hatte ??

Sicherlich hatte nicht nur Rhea sofort erkannt, dass hier ein Meister seines Fachs zu Werke gewesen war. Nur ging es ihr, wahrscheinlich im Gegensatz zu Anthonius, dem Wachmann Wilhelm oder dem Magier Magnus, weniger darum, diese Statue wieder zu finden, um sie dem Besitzer zurück geben zu können.  Wobei…  nun ja… welche Beweggründe die anderen drei wirklich hatten, entzog sich ihrer Kenntnis. Aber sie interessierte die Statue tatsächlich nur am Rande, auch wenn sie die Grösse dieser Rubine gerne selbst in Augenschein genommen hätte. Auf der Gasse wurde aus einem Kiesel ja schnell mal ein Fels, je häufiger eine Geschichte erzählt wurde. Ja, die Rubine machten das Objekt interessant. Interessanter, als nach Anthonius‘ erster Beschreibung, bei der er das Kunstwerk mit den gelben Hinterlassenschaften betrunkener Zwerge im Schnee verglichen hatte… Sie hatte auch schon von seltsam verdrehten Drahtobjekten gehört, die unter Kennern um ein vielfaches höher gehandelt wurden, als der Zeit- und Arbeitsaufwand, der für die Erschaffung benötigt worden war. Aber eine Statue mit echten Rubinen war da schon etwas anderes. Die hatte einen tatsächlichen Wert, nicht nur den künstlerischen. Da hatte jemand ganz genau gewusst, was er tat.

Und genau darum ging es ihr. So etwas musste man zuerst in Erfahrung bringen. Man musste wissen, dass es ein solches Objekt gab, man musste wissen, wo es zu finden war, man musste wissen, wie es gesichert war. Man musste einen sicheren Weg dazu hin und wieder weg kennen, dazu musste man sowohl die Örtlichkeiten, wie auch die Gewohnheiten der Bewohner genaustens kennen. Das war kein gewöhnlicher, stümperhafter Einbruch gewesen, den jeder Dieb zustande brachte. Das war eine gezielte, sorgfältig und präzise geplante und ausgeführte Operation gewesen !

Rhea ertappte sich bei einem bewundernden Lächeln. Ja, wer immer das gewesen war, diese Raffinesse faszinierte sie. Und stachelte sie an. Ihr Ziel war klar: selbst wenn die Statue auf Nimmerwiedersehen verschwunden war – sie wollte zumindest ganz genau wissen, wie die Sache abgelaufen war !

Und die vielleicht nebensächlich gefallene Bemerkung des passionierten Anglers Magnus, mit der er seine persönliche Befürchtung zum Ausdruck brachte, dass solche Aktionen hoffentlich nicht seine Fische in den Kanälen verscheuchten, hatte sie da auf eine Idee gebracht.
Und dieser Idee wollte sie nun nachgehen. Egal, wie ver…drossen kalt das Wasser war.

Sie schloss kurz die Augen, atmete ein paar Mal tief und gleichmässig durch, spannte und entspannte bewusst ihre Muskeln, um sie aufzuwärmen, nahm das dünne Schilfrohr in den Mund – und tauchte entschlossen in den Kanal.

Ein Jagdfieber der besonderen Art packte sie, während sie sich langsam und aufmerksam den Wänden der Kanäle entlang tastete, nach offensichtlichen und verborgenen Zu- und Abflüssen suchte und sich daran machte, einen vielleicht geheimen unterirdischen Weg in die Stadt hinein oder hinaus zu finden. Schon bald hatte sie Kälte und Zeit vergessen.  Bis ihr zwei rote Augen von Ferne entgegen zu leuchten schienen…

Nur ganz kurz glaubte sie, der Meisterdieb hätte die Statue vielleicht verloren. Doch so viel Glück war schlichtweg unmöglich. Dennoch benötigte sie eine Riesenmenge Glück und kaltblütige Unbeweglichkeit, um die Aufmerksamkeit der langsam dahin gleitenden Kanalbestie nicht auf sich zu lenken…

Sie begegnete auf ihrer Erkundungstour dem patrouillierenden Wächter der Kanäle öfter, als ihr lieb war – und erkannte gleichzeitig den unschätzbaren Wert eines derartigen "Wachhundes". Ebenfalls etwas, das der Dieb in seine Pläne hatte mit einbeziehen müssen…

Faszinierend raffiniert !
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Beitrag #927 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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[ooc: etwas sehr, sehr spät und leider nicht wirklich so, dass er ins Wiki passt, möchte ich euch das hier trotzdem nicht vorenthalten.]

Auf den neuen Handelsrouten der Goblins tauchte vor einigen Tagen eine zwirblige Gnomin in Begleitung eines Zwergen und eines Goblins auf, mit Schreibzeug und einigen seltsamen Geräte bewaffnet, über deren Verwendungszweck sie grösstes Stillschweigen bewahrte. Sie schickte den Goblin auf den Lastkodos in die eine Richtung, den Zwergen in eine andere und nahm selbst einen dritten Weg. Einige Zeit später wurden die drei in Eisenschmiede wieder gesehen, als sie sich im Hinterzimmer von Thargen Eisenkiel und Elise Majuskel trafen und von dort immer mal wieder ihre heftig debattierenden Stimmen zu hören waren. Ein paar Tage später war es dann soweit, und die drei präsentierten in Eisenschmiede und Sturmwind lautstark die Veröffentlichung ihrer ersten Zeitung:


Der Bote von Azeroth berichtet !  


Immer das Neuste, gründlich recherchiert und in sauberer Handschrift verfasst !  


Wer informiert sein will, liest den Boten (oder lässt ihn sich vorlesen) !  


Unser Leitspruch:
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.




[ooc: wenn Interesse daran besteht, wären die drei als Shared-Accounts denkbar ;-)]

Bote von Azeroth, Seite 2

Was war mit der Tiefenbahn ?


Nichts !

Ja, werter Leser, da hört und staunt Ihr, nicht wahr ?

Wie tiefgründige Recherchen (und diesmal im wahrsten Sinne des Wortes !) ergeben haben, war mit der Tiefenbahn GAR NICHTS. Die funktioniert seit eh und je perfekt und wird auch weiterhin genau so fahren, wie die geschicktesten Gnomen-Ingenieure es vor Jahrhunderten geplant und umgesetzt haben. *in anderer, etwas klobigerer Handschrift* Mit zwergischer Unterstützung ! *wieder in gewohnter Handschrift* Aber federführend waren die Gnome ! Und jeder Ingenieur, der befragt wurde, gab dieselbe Auskunft: Wartungsarbeiten laufen täglich nebenher, dafür sind ja die Wartungswege entlang der ganzen Strecke gebaut worden, damit der Betrieb deswegen nie unterbrochen werden muss !

"Tiefenbahnlinie wegen Wartungsarbeiten unterbrochen!"
Nichts, als eine freche Lüge ! Doch wer hat die verbrochen ?? Und warum ???

Hört und staunt weiter:
Anlass der Sperrung war ein Wasserschaden !
Der Tunnel der Tiefenbahn war überflutet und musste von Schlamm, Gewächs und totem Getier gereinigt werden !
Äusserst scheussliche Arbeit, wie erzählt wird.



Die folgenden Hintergrundinformationen, die Lili Schreibfix, die bekannteste Reporterin des Boten von Azeroth, in harter Arbeit durch hartnäckiges Weiterfragen zusammengetragen hat, stammen aus einer nicht genannt werden wollenden, sicheren Quelle:

Wer die Tiefenbahn schon einmal benutzt hat, kennt das Aquarium in seiner Mitte. Das Glas stammt aus der Eisenschmiede, hat Jahrhunderte lang gehalten  – und hätte dies auch noch Jahrhunderte lang getan.

Wenn nicht ein *der erste Buchstabe ist durchgestrichen, die Verbesserung mit festem Druck oben drüber geschrieben* bBetrunkener *auch das folgende Wort ist durchgestrichen* Gnom eine dumme Wette angenommen hätte.
"Wetten, dass dein Dynamit das Glas nichtmal ankratzen wird?"
Wette gewonnen, Leben verloren.

Die Leiche wurde zwar nicht gefunden, was bei der Wucht der Explosion und der folgenden Überflutung kein Wunder wäre.



Wundersam ist allerdings, warum die Explosion weder zu hören, noch zu spüren gewesen war. Darüber konnte die Quelle keine Angaben machen. Sie beteuerte auch glaubhaft, trotz grünem Gesicht und frechem Grinsen mit der Wette nichts zu tun gehabt zu haben.

Eigenartig bleibt auch, dass nach der Wiedereröffnung der Tiefenbahnlinie weder am Aquarium noch im Tunnel irgend eine Spur der Verwüstung sichtbar war. Selbst gründlichste Aufräumarbeiten können in so kurzer Zeit eigentlich nicht diese Perfektion erreichen.




Die Inspektoren der beiden Königreiche, die auch die Sperrung veranlasst hatten und die Schilder aufhängen liessen, waren leider zu keiner Aussage bereit. Und denjenigen, die den Tunnel säuberten, wurde äusserste Geheimhaltung aufgezwungen. Auch das ist seltsam, angesichts des überaus einfältigen Grundes der Sperrungsursache.

Ob da wirklich Dynamit im Spiel war ? Oder vielleicht Magie ? Oder war es etwas ganz anderes ?
Fragen über Fragen. Aber keine Sorge: Lili Schreibfix bleibt dran !





Geschätzter Leser, Azeroth ist nicht mehr sicher.  War es noch nie, und wird es nie sein. Doch nicht nur die Bedrohung von aussen ist es, die unser Leben gefährdet. Es ist die Bedrohung in unserem eigenen Inneren. Dummheit ist eine der grössten Gefahren, die uns umgibt. Vergesst das niemals !

Doch zum Glück gehört Ihr nicht zu den Dummen und Einfältigen. Immerhin könnt Ihr lesen.

  Gezeichnet Lili Schreibfix, 1. Reporterin des Boten von Azeroth

 
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Beitrag #1067 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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Ein breites Schmunzeln lag auf Rheas Gesicht, als sie den "Boten von Azeroth" weglegte. Noch in dieser Bewegung begann sie zu kichern, und als die Blätter vor ihr auf dem Tisch lagen, lachte sie lauthals.

"Was gibt es denn da zu lachen ?!" Joya Tiefaxt deutete mit dem Kinn auf den "Boten", ohne im Tischabwischen inne zu halten. "Der Anschlag auf den Staudamm in Loch Modan ist ja wohl keine amüsante Sache. Diese Dunkeleisenzwerge werden immer schlimmer ! Das finde ich gar nicht witzig."

Rhea bemühte sich, wieder ernst zu werden, schüttelte den Kopf und hob beschwichtigend die Hände.

"Nein, so ein Anschlag ist wirklich nichts zum Lachen…", wieder verzogen sich ihre Lippen, und sie fuhr rasch fort, "Es ist nur…. Wenn die Stadtwache den "Boten" liest, und das wird sie, mit Sicherheit,  dann dürfte Euch der regelmässige Besuch pünktlich zur Sperrstunde gewiss sein. Und ich hatte gerade das Bild vor Augen, wie Euer Koch und die Stadtwachen gemeinsam versuchen, die Betrunkenen vor die Tür zu schaffen…. Ich bin mir da einfach nicht ganz sicher, ob er dabei zwischen den Wachen und den Betrunkenen unterscheiden kann….."

Ein kurzes Grinsen huscht über das Gesicht der geschäftigen Bedienung, dann winkt sie mit dem Lappen in der Hand ab. "Ach was, wenn die Stadtwachen kommen, ruft Morin Namnam einfach zurück. Das klappt schon."

Polternde Schritte ertönten rasch die Treppe hinauf und der Koch blickte sich freudestrahlend um.
"Namnam rufen ? Jemand Hunger ?"
 
Rhea wischte sich verstohlen ein paar Wassertropfen vom Ärmel, während Morin Steinschild den Koch wieder in die Küche schickte und dieser enttäuscht zurück schlich. Sie hoffte zumindest, dass es Wassertropfen waren, die sich vom Wischlappen gelöst hatten, verschob die Geruchskontrolle aber auf später und nahm einen Schluck aus ihrem Metkrug. Ihre Gedanken kehrten zum "Boten" zurück.

'Ein durch Dummheit und Dynamit zerstörtes Aquarium ist also die offizielle Begründung… Und vom verschwundenen Gold-Transport wird kein Wort erwähnt…!! Interessant. Auch wird offiziell kein Zusammenhang zwischen dem Anschlag auf den Staudamm und der Überschwemmung gesehen…. Na ja, wie "offiziell" dieser "Bote von Azeroth" auch immer sein mag. Aber diese Reporterin…. Wie heisst sie nochmal…..'

Rhea beugte sich nach vorne und zog die Zeitung nochmal zu sich heran.

'Lili Schreibfix… Die macht sich etwas zu viele Gedanken… Zu richtige Gedanken… Die könnte vielleicht zu einem Problem werden… Ich werde sie mal im Auge behalten… Aber vielleicht kennt Sylvario da auch noch einen "Spezialisten für Öffentlichkeitsarbeit" in dieser Truppe…. Wie viele sind da eigentlich dabei ? …. muss ich mal fragen…. und sonst….. werde ich halt dazu… ich bin ja die… wie hat Gregory mich genannt ? Plappertante ? …. Plaudertasche ? … egal, ich werde mit Sicherheit auch eine Reporterin um Kopf und Kragen reden können, wenn es sein muss!'

Sie schob die Zeitung wieder weg, lehnte sich zurück und lachte leise in sich hinein. Noch immer spürte sie Stolz in sich aufsteigen, wenn sie daran dachte, dass der Elf ausgerechnet sie für die Truppe vorgeschlagen hatte. Sie, die kleine, unscheinbare Händlerin… Und offenbar waren alle mit ihrem Einsatz auf der Staumauer zufrieden gewesen. Nun…. Das mit den Truthähnen hätte nicht unbedingt sein müssen. Aber dieser Sturmlanzenjäger wollte einfach nicht stehen bleiben ! Und der andere war so anzüglich frech gewesen…. Aber mit dem dritten hatte sie leichtes Spiel gehabt. Ein kleiner Hinweis auf den König, und alle Zwerge stehen stramm ! Na ja, wenn sie nicht gerade mit Patrouillen auf der Staumauer beschäftigt sind…

Jedenfalls war es ihr gelungen, die Wachen abzulenken und Sylvario so die Zeit zu verschaffen, sich an der Aussenmauer unbemerkt abzuseilen, die Sprengladung zu deponieren und wieder hoch zu klettern. Und dann hatten sie auch noch in aller Ruhe und doch so rasch, wie möglich verschwinden und die Präzision der Sprengung in sicherem Abstand verfolgen können. Dass dieses Werk im "Boten" jetzt den Dunkeleisenzwergen zugeschoben wird, könnte man ja schon fast als Beleidigung ansehen, wenn man sich die ausgeklügelte Vorbereitung vor Augen führt, die dafür notwendig gewesen war. Ihr eigener Einsatz war ja erst in der allerletzten Phase des Planes zustande gekommen. In der vorletzten, um genau zu sein. Der Abtransport des Goldes im überfluteten Tunnel war ja von ihr noch nicht bekannten Mitgliedern durchgeführt worden. Alles war so präzise wie ein gnomisches Uhrwerk abgelaufen.... Nein, wesentlich präziser ! Absolut fehlerfrei. Also nicht gnomisch, sondern... Für diese Perfektion gab es noch gar keinen Begriff...!

Trotzdem war alles, was von der Truppe ablenkte, einfach nur ideal. Rhea legte den Kopf leicht schräg. Hatte diese Truppe eigentlich auch einen Namen ? Noch etwas, das sie Sylvario irgendwann einmal fragen musste…

Das flackernde Lichtspiel einer Kerzenflamme spiegelte sich in ihren Augenwinkeln……..
 

BRINGT IHN MIR !


Rotflammend brannten die Worte in der Luft …. Ein Dolch aus Licht erschien vor ihr, von dem ein zwanghafter Sog ausging…..
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Beitrag #1083 erstellt am: / Zuletzt geändert am:

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In rascher Folge fluteten die Bilder durch ihre Gedanken…

... der Fremde, der mit seiner seltsam rostigen Stimme eindringliche Worte sprach, fast beschwörend, zwingend…?
... das Lichtbilderspiel an der Wand, das ausser ihr niemand zu sehen schien… Bilder von Schlachtengetümmel und Krieg… Bilder, in denen immer wieder ein Kämpfer zu sehen war, ein Anführer, in vorderster Front, furchtlos, erbittert… tollkühn ?


Und am Ende die flammenden Worte… BRINGT IHN MIR !

"… und begleicht Eure Schuld …"  


Rhea erschauderte und nahm einen tiefen Schluck aus ihrem Metkrug. Ihre Augen huschten über dessen Rand durch den Raum, doch niemand schien ihre Irritation bemerkt zu haben. Obwohl sie sich bemühte, am aktuellen Geschehen rund um sie herum wieder teil zu nehmen, drifteten ihre Gedanken wieder ab. Fast tranceähnlich durchlebte sie noch einmal die Begegnung in den Katakomben der Kathedrale…


... eine Gestalt aus Licht, im Gebet kniend…
... sich erhebend und zur gegenüberliegenden Wand deutend…
... und wieder das Lichtbilderspiel, das sie in Bann zog, hilflos fesselte…


Und dann eine Stimme, wie aus weiter Ferne. Saculs Stimme ? Es waren seine Worte ! Wieder sah sie das Erkennungszeichen des Hauptmanns, das er ihr zeigte. Dasselbe, wie Sacul es trug. Es konnte keinen Zweifel geben, er musste es gewesen sein !

... der Dolch aus Licht, der zwischen ihnen in der Luft schwebte.

Er sah genauso aus, wie die Zeichnung auf dem Plan, der in dem Päckchen gewesen war.
Ein fast unwiderstehlicher Drang ging von ihm aus, ein Zwang, ihn zu berühren, ihn zu benutzen… !


BRINGT IHN MIR !

"… in Blut gebadet …"



Hart stellte Rhea den Krug auf den Tisch.

"Joya, noch einen Met bitte, aber schnell !"

Kälte kroch ihr durch die Glieder, ihr Gesicht war fahl, ihre Hände zitterten leicht und ihre Augen blickten – verunsichert...


Wo war sie da nur hinein geraten ?!
Hatte Kali vielleicht doch Recht gehabt ??


Sie sollte ihm also die Waffe bringen, nicht den Plan, den sie im Päckchen gefunden hatte. Den Fechtdolch, "in Blut gebadet"
Ihre Augen verengten sich.

Wer war dieser "Fuchs von Alterac" ?! Wollte er sie zu einer Meuchlerin machen ??!

Gedankenabwesend nahm Rhea den Krug. Sie hatte die Zwergin nicht bemerkt, und auch jetzt nahm sie kaum wahr, was um sie herum geschah. Ihre ganze Energie war darauf ausgerichtet, sich gegen diesen fast übermächtigen Zwang zu wehren, den der Lichtdolch in ihr geweckt hatte.


Was war das für ein Dämonenwerk ?! War da dunkle Magie im Spiel ?!


Rhea griff nach dem Zwang...
Sie hielt ihn fest, lotete ihn aus…
Schweiss trat auf ihre Stirn, ihre Hand umklammerte den Henkel des Kruges, dass die Knöchel weiss hervor traten…
Sie nahm ihren ganze Willen… und formte ihn um…


Sie wusste nicht, wie lange der Kampf gedauert hatte. Doch am Ende trat ein entschlossener Ausdruck in ihre Augen.

Ja.
Sie würde den Dolch schmieden lassen.
Sie würde ihn ihm bringen.
Und ihn …



Aber nicht sofort !
Doch dazu musste sie raus aus dieser Stadt, so schnell, wie möglich. Weg von dem Ort, an dem Sacul sie jederzeit so leicht finden konnte, weg von der Kathedrale, am besten überhaupt weit weg von Sturmwind… ! Sie brauchte Distanz.
Sollte er sie doch suchen !!


Der Ruf nach Begleitung zu einer Reise nach Tirisfal kam ihr da gerade Recht. Egal, von wem dieser Ruf ausging. Im Moment würde sie jede Gelegenheit nutzen, Sturmwind verlassen zu können. Mochte die ganze Welt doch denken, das Abenteuerfieber hätte sie gepackt. Oder die Hoffnung auf leicht verdientes Gold. Dass sie auf der Flucht vor sich selbst war (oder auf der Suche nach sich selbst ?), brauchte ja niemand zu wissen…


Dass ausgerechnet Sylvario ebenfalls an dieser Reise teilnahm, hatte etwas .... Beruhigendes.
Vielleicht würde sich ja irgendwann einmal die Gelegenheit ergeben, unter vier Augen mit ihm sprechen zu können. Wer weiss, vielleicht wusste er ja mehr über Sacul, den Hauptmann, den "Fuchs von Alterac" ... !

 
Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
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Zu einer Aussprache mit Sylvario war es bisher nicht gekommen. Bei der Thoriumspitze hatte sich eine weitere Nachtelfe der Reisegruppe angeschlossen, und Rhea hatte eigentlich damit gerechnet, dass die beiden sich zusammengesellen würden. Dann aber war eine Blutelfe aufgetaucht, und Rafna schien nur noch Augen und Ohren für dieses Wesen zu haben, wobei die beiden sich auch noch "Schwester" nannten… Lange hielt Rhea ihre Neugierde nicht zurück und sprach Rafna darauf an. Die Nachtelfe erklärte ihr dann, als Findelkind bei den Blutelfen aufgewachsen zu sein. Tatsächlich kümmerte sich die Blutelfe später rührend um ihre verletzte "Schwester". Wieder einmal bestätigte sich für Rhea, dass die gängigen Klischeevorstellungen ein sehr einseitiges Bild der Realität abgaben. Manchmal schien es ihr, als ob es überhaupt keine allgemeingültigen Tatsachen gab, an denen man sich festhalten konnte !

Da war diese Untote, in der möglicherweise noch ein Teil ihrer ehemals menschlichen Seele kraftvoll um ihr Überleben kämpfte, wie die immer häufiger werdenden Zwiegespräche mit ihrem dunklen Naturell zeigten. Es schien, als ob zwei Persönlichkeiten um die Herrschaft über den untoten Körper stritten, auch wenn Rhea sich nie ganz sicher war, ob das Gehirn der Priesterin nicht einfach nur mit dem Untod nicht klar kam und das Ganze nur Ausdruck eines Wahnes war. So oder so, die "menschliche" Seite hatte nichts Wahnhaftes an sich, und Rhea hatte beschlossen, den Kampf zugunsten dieser Seite zu unterstützen, so gut es ihr möglich wäre. Einen kleinen Erfolg durfte sie im Nachtlager im Silberwald dann auch tatsächlich für sich verbuchen…

Rhea liess ihren Blick über das Lager schweifen. Das Feuer brannte noch, und die beiden so unterschiedlichen Elfen sassen dabei und unterhielten sich leise. Die Heilkünste der Priesterin schienen gewirkt zu haben, und die Nachtelfe schien sich langsam von der Vergiftung zu erholen. Auf der gegenüberliegenden Anhöhe schnarchte der Ork, der im Norden Wache halten wollte, und Yuranai selbst… sass irgendwo im Schatten und murmelte wieder leise vor sich hin. Die beiden Paladine… Rhea wandte ihren Blick rasch wieder ab, als dieser auf die Gestalt neben dem Zwergen fiel. Sacul ! Er hatte sie gefunden !

Die Fäuste der Händlerin ballten sich unwillkürlich, als Wut und Verachtung in ihr aufstiegen. Je näher die Reise sie ihrer Heimat geführt hatte, desto unruhiger war sie geworden. Sie hatte diese Unruhe damit vor sich begründet, dass sie inständig hoffte, niemandem zu begegnen, der sie erkennen würde. Ihre Eltern durften unter keinen Umständen erfahren, dass sie mit dieser seltsamen Truppe unterwegs war. Sie würden fast mit Sicherheit damit rechnen, dass sie entführt worden war und alles in die Wege leiten, sie zu retten !

Und wie hätte sie ihnen begründen können, dass sie sich freiwillig aus der Sicherheit der Hauptstadt auf diese Reise begeben hatte ?! Rhea wusste genau, dass sie einem "Kreuzverhör" ihrer besorgten Eltern nicht standhalten würde. Sie würde von den Zuständen in Sturmwind berichten, sie würde von diesem Dolch berichten, vom Zwang, von ihrer Flucht, vom Fuchs, von der Priesterin und ihrer Suche, die sie in die Geisterlande führen würde… Alles Dinge, die ihre Eltern nur beunruhigen und die sie nicht verstehen würden – die sie ja selbst nicht wirklich verstand !

Nein, auf eine solche Begegnung wollte Rhea wirklich verzichten. Und sie war sehr froh gewesen, dass die Priesterin nicht weiter nachgefragt hatte. Sonst wäre sie doch noch in Erklärungsnot gekommen.

Wieder streifte ihr Blick über Sacul, ungewollt. Sie setzte dazu an, sich entschlossen mit dem Rücken zu ihm zu drehen, hielt dann aber inne und schlug mit der Faust erzürnt auf den Felsen, auf dem sie sass. Nein ! Diese Blösse wollte sie sich nicht geben ! Er sollte keine Macht mehr über sie haben, über nichts, das sie betraf, über gar nichts ! Nicht einmal darüber, dass sie ihn bewusst ignorierte. Es war völlig egal, wohin ihr Blick fiel. Er war nicht mehr und nicht weniger Wert, als ein Grashalm neben ihrem Stiefel. Und dem würde sie auch nicht den Rücken zudrehen, nur damit sie ihn nicht anschauen musste !


Die Unruhe war stärker geworden, je näher sie den Ruinen von Alterac kamen. Hätte Rhea dies bewusst erkannt, wäre sie vielleicht vorgewarnt gewesen. Doch durch die Flucht vor Todeswachen und Wegelagerern des Syndikats war sie zu abgelenkt gewesen – bis sie seine Stimme vernommen hatte !

Da hatte er gestanden, der angebliche Paladin, hoch zu Ross, in strahlender Rüstung – und hatte mit der Priesterin darüber gesprochen, wohin sie unterwegs seien und dass er sie begleiten wolle ! Rhea hatte den Inhalt des Gespräches später von den sich daraus resultierenden Tatsachen abgeleitet. Im Moment des Geschehens hatte sie nur Sacul wahrgenommen, und nichts anderes gesehen oder gehört. Nur diesen verfluchten Dolch, den sie plötzlich in den Händen gehalten hatte, Sacul und seine Worte in ihrem Inneren.

"Bringt ihn mir ! … in Blut gebadet !..."



Rhea erstarrte einen Moment, als sie sich wieder an diesen fast unbändigen Zwang erinnerte, den Dolch dem Nächststehenden in den Leib zu rammen und ihn mit Blut zu weihen… Schweissperlen waren ihr auf die Stirn getreten, während sie ihre ganze Kraft hatte zusammen nehmen müssen, um ihre Waffenhand bewusst und selbständig zu steuern ! Ihre Glieder hatten ihr kaum gehorchen wollen, ihre Füsse hatten sie auf den Paladin zu getragen, Schritt für Schritt. Beinahe hätte sie den Dolch auf den Ork geschleudert, als sie ihre Konzentration auf die paar wenigen, hasserfüllten Worte hatte abzweigen müssen, die sie dem Hauptmann tonlos entgegen geraunt hatte. Sie erinnerte sich nicht mehr an sie. Nur noch an die letzte Willensanstrengung, den Dolch auch nicht in Yuranais Pferd oder Bein zu versenken – sondern ihn in einer raschen, erlösenden Bewegung über ihren eigenen linken Arm zu ziehen !



Unwillkürlich tastete Rhea über den Verband an ihrem Unterarm. Der Schnitt war nicht tief gewesen, die Klinge sauber, neu und scharf. Sie hatte keinen Schmerz verspürt. Nur die Erleichterung, als dieser Drang endlich von ihr gewichen war, während sie die Klinge rasch und flach über die Schnittwunde geführt hatte.


"… in Blut gebadet…"

Ihre ganze Anspannung war in die heftige Bewegung eingeflossen, mit der sie Sacul den Dolch vor die Stiefel geschleudert hatte. Er musste irgendwann von seinem Pferd gestiegen sein, und als er dann den bis fast zum Heft in der Erde steckenden Dolch heraus gezogen hatte, hatte er etwas von "bestanden" gesagt !

"Zwar anders, als erwartet. Aber Ihr habt bestanden."

Eine heftige Entgegnung war Rhea auf der Zunge gelegen, doch sie hatte sich bereits umgedreht gehabt - und im nächsten Moment hatte alle Kraft sie verlassen !



Rhea senkte den Blick. Heiss flammte Scham über ihre Wangen, als sie an ihre wenn auch nur kurze, dafür aber absolute Schwäche dachte. Dann aber straffte sie sich wieder. Die Schwäche war nur eine Folge des unbändigen Zwangs gewesen, mit dem dieser vermeintliche Paladin sie belegt haben musste ! Auch wenn er dies bestritt und von "Manipulation" sprach. Dieser Drang in ihrem Inneren, diesen Dolch zu benutzen und ihn ihm zu bringen, diese Lichtbilder an den Wänden, die sie in ihren Bann gezogen hatten, der Dolch aus Licht und Feuer vor ihr, der sie zu rufen schien… Wenn das die "Kraft des Lichts" eines Paladins war….

Rhea schüttelte den Kopf. Was auch immer der Hauptmann mit ihr angestellt hatte – ihr war es mittlerweile egal, ob sie "bestanden" hatte, oder nicht ! Sie war nur froh, diesen verfluchten Dolch und damit diesen unnatürlichen Zwang los zu sein. Alles andere…. interessierte sie im Moment nicht, wie sie erstaunt feststellte...

Mit der Last dieses Bannes war das von ihr gewichen, das die letzten Tage und Wochen im Hintergrund jeden ihrer Schritte und Gedanken geleitet hatte. Nun war sie frei und konnte tun und lassen, was SIE wollte !

Ein seltsames Gefühl…
Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
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