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Gedanken nach einem Abend in der Taverne...

[Game Master]
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Sirala erwachte – mit den zu erwarten gewesenen Kopfschmerzen. Ob die nun an diesem zwergischen Starkbier lagen, oder am Met, oder an diesen verflixten Orcs, die die ganze Nacht die Schlafräume mit ihrem Schnarchen ausgefüllt hatten, es war einerlei. Unangenehm waren sie so oder so.

Wie hatte der Gnom diese Nachwirkungen genannt ? "Säbler" ? Oder war es  "Katze" gewesen ? Ach nein, KATER nannte er das! … Was auch immer diese schrecklichen Kopfschmerzen und das noch elendere Gefühl im Magen mit den männlichen Vertretern der Katzenrassen gemeinsam haben mochte… das würden wohl nur Gnome verstehen… Seltsames Völkchen…

Aber von Technik verstehen sie wirklich etwas! Manchmal. Wenn auch oft von Perfektion entfernt…

Sie schmunzelte, und ihr Schmunzeln wurde zu einem leisen Lachen, als ihr die ganze Szene nochmals durch den Kopf ging.

Da war Sylvarios defektes "Feuerzeug" gewesen…  Eine gnomische Erfindung, die er offenbar als Dank von einem erhalten hatte. Molten Gem, wie sich der Gnom vorgestellt hatte, testete es natürlich sogleich, ohne sich darüber zu erkundigen, was denn da nicht richtig klappe… "Es lässt sich nicht einstellen", hatte Sylvario gesagt… Doch wie Gnome halt nun mal sind, probieren geht über studieren… Zum Glück hatte er sich nicht heftiger verbrannt, und ein Krug Mondbeerensaft und ein Fass Wasser hatten das Schlimmste schnell verhindern können… Auf diesen Schrecken hin spendierte Sylvario ihr ein zwergisches Starkbier, eben, dieses starke Zeugs, das so schnell benebelte… Aber sie hatte ja im Reflex ihren Krug Mondbeerensaft über dem Gnomen ausleeren müssen…

Siralas Gedanken hielten kurz inne. Da war noch etwas gewesen… sie hatte den Gnom danach fragen wollen, wie er es geschafft hatte, seine Kleider so schnell wieder trocken zu bekommen… Wieder mit Hilfe einer dieser gnomischen Erfindungen ? Oder hatte er sich umgezogen ?  Na ja, vielleicht besser, dass sie nicht gefragt hatte… Sonst wäre sie jetzt vielleicht auch in Besitz eines dieser seltsamen gnomischen Geräte, die selten das tun, womit man rechnet…

Nun, durch den kleinen Zwischenfall mit der Selbst-in-Brand-Setzung hatte Molten zumindest sofort erkannt, wo das Problem liegt – und es geschickt behoben… Nur… so, wie der Hersteller des Feuerzeugs vergessen hatte, irgend einen Regler einzubauen, so hatte Molten wohl vergessen, diesen Regler auch einzustellen, nicht nur einzubauen…

Sylvarios Test…  sah verheerend aus! Typisch gnomische Präzisionsarbeit… "Die halbe Gegend abgefackelt, aber "nichts" ist passiert!"  Dieser Orc hatte wohl gerade einen seiner sicher sehr seltenen geistigen Höhenflüge, aber das musste Sirala ihm lassen: treffender konnte man die gnomische Einstellung zu ihren Werken und Arbeiten nicht formulieren!

Nachdem der Gnom dann noch an einem winzig kleinen Schräubchen gedreht hatte, funktionierte das Feuerzeug dann endlich so, wie es sollte, mit einer Flamme, die kaum grösser als eine Kerzenflamme – und nicht mehr mit dem Feueratem eines Drachen vergleichbar war. So war es wieder einmal nur eine typische, gnomische klitzekleine Kleinigkeit mit enormer Auswirkung gewesen. Aber, seien wir ehrlich: gnomische Geräte funktionieren zumindest, irgendwie, wenn auch oft nicht so, wie man es erwartet, während Erfindungen von Goblins… ganz einfach nur zum Wegwerfen sind.

Der Spruch des Orcs hatte sie wirklich zum Lachen gebracht. Aber irgend etwas… war an diesen drei Kerlen seltsam gewesen, nur waren ihre Sinne schon etwas benebelt gewesen, und sie war am Abend noch nicht darauf gekommen. Ihr Blick wanderte in die Ecke, in der einer der drei noch am Boden lag und laut vor sich hin schnarchte. Und plötzlich…

Genau! DAS war es! Laut! Orcs sind immer laut und prahlten und pöbelten! Doch diese drei… Die steckten die ganze Zeit die Köpfe zusammen und FLÜSTERTEN miteinander! Das war doch nicht normal ?!

Sirala schüttelte nachdenklich den Kopf. Selbst ihre feinen Sinne hatten die Worte nicht auffangen können. Und ein Orc, der soo leise sprach… war ganz einfach verdächtig! Klar, sie hatten auch ihre dummen Sprüche auf den Gnomen, den Wirten und die beiden Elfen abgelassen, aber irgendwie hatte es den Anschein gehabt, dass sie mit etwas ganz anderem viel mehr beschäftigt gewesen waren, als, wie üblich, eine Tavernen-Schlägerei zu provozieren… Seltsam genug…

Kurz ging Sirala die Tanzeinlage des einen Orcs durch den Kopf. Sie hatte gar nicht damit gerechnet, dass diese grobschlächtigen Kerle sich so schnell und geschickt bewegen und eine derartige Körperbeherrschung an den Tag legen konnten! Sie war froh um diese Erkenntnis, die würde ihr beim nächsten Kampf gegen einen dieser rüpelhaften Wesen sicher zu Gute kommen.

Doch was hatten die drei da ausgeheckt ? Einen Angriff auf das Eschental ?!

Sirala zögerte. Etwas in ihr war kurz davor, den hier schnarchenden Orc zu überwachen, ihm möglichst ungesehen zu folgen, um herauszufinden, was da geplant worden war. Doch schien ihr diese Idee schlecht umsetzbar. Wären sie im Eschental gewesen, wäre es für sie als Jägerin kein Problem, einen Orc ungesehen zu verfolgen. Aber hier ? In Ratschet ? Und dann durch das Brachland ?

Sie schüttelte den Kopf. Vielleicht wäre das eher eine Aufgabe für Sylvario. Sie hatte sich sehr gefreut, ihm wieder einmal zu begegnen - diesmal wach und nicht in einem von Krokodilen umringten Boot schlafend.  Und dass er vor kurzem an ihren gemeinsamen Ausflug in die Nagahöhle gedacht und einer Zwergin und einem Menschen davon erzählt hatte, hatte ihr sogar ein wenig geschmeichelt. Er führte sicher ein spannendes, unterhaltsames, vielleicht auch gefährliches Leben. Dass er sich da noch an diese kleine Führung erinnerte, war schon erstaunlich… Ihm würde sie es auf jeden Fall ohne Probleme zutrauen, diesem Orc ungesehen zu folgen. Schattenläufer, wie er, vermochten da bestimmt sicherere Wege finden. Aber vielleicht irrte sie sich ja auch. Und ausserdem… was sollten schon drei Orcs für eine Bedrohung darstellen!  Sicher dachte sie da wieder viel zu viel nach und interpretierte zu viel Unsinn hinein!

Aber flüsternde Orcs… sind nun mal nicht normal.
Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. (Nikos Kazantzakis)
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